Lehrplan: Liechtenstein (Liechtensteiner Lehrplan (LiLe)): Räume, Zeiten, Gesellschaften, Stufe 9 · Schweiz (Lehrplan 21): Räume, Zeiten, Gesellschaften, Stufe 9 · Deutschland (Lehrplan Deutschland): Geschichte, Klasse 9
Wer ist wer? Partei, SA, SS, Gestapo und die Jugendorganisationen
NSDAP, SA, SS, Gestapo, HJ, BDM, DAF – der NS-Staat steckt voller Abkürzungen. Du lernst, was dahintersteht: wann die Organisationen entstanden, welche Aufgabe sie hatten, woran man sie erkannte und welche Rolle sie im Terror spielten – und warum Terror auch ohne Polizisten an jeder Ecke funktionierte.
Das lernst du hier
- Ich kann die Abkürzungen NSDAP, SA, SS, Gestapo, HJ, DJ, BDM, JM, DAF, KdF und RAD auflösen.
- Ich kann zu jeder dieser Organisationen Gründung, Aufgabe und Erkennungsmerkmal nennen.
- Ich kann erklären, welche Rolle SA, SS und Gestapo im Terror des NS-Staates spielten, warum Denunziationen so wichtig waren und warum das die Grundrechte der Menschen bedrohte.
- Ich kann erklären, warum die SS nach 1934 zur mächtigsten Organisation wurde.
- (Erweitert) Ich kann die Hintergründe von KZ, KdF-Wagen, RSHA und dem Wort «Nazi» erklären, zum Beispiel den Unterschied zwischen Konzentrations- und Vernichtungslager.
Liechtensteiner Lehrplan (LiLe): RZG.6.3 (Die Schülerinnen und Schüler können ausgewählte Phänomene der Geschichte des 20. und 21. Jahrhunderts analysieren und deren Relevanz für heute erklären.), RZG.8.2 (Die Schülerinnen und Schüler können die Entwicklung, Bedeutung und Bedrohung der Menschenrechte erklären.)
Ein Staat voller Abkürzungen
Wer über den Nationalsozialismus liest, stolpert über Kürzel: NSDAP, SA, SS, HJ, BDM, DAF, KdF. Das ist kein Zufall. Die Nationalsozialisten bauten neben dem Staat einen zweiten Apparat auf – die Partei mit ihren Gliederungen – und dazu Organisationen für fast jeden Lebensbereich: für Jugendliche, Arbeiterinnen und Arbeiter, Frauen, Lehrkräfte, Ärztinnen und Ärzte, Bäuerinnen und Bauern. In «Wer regiert? Staatsformen, Demokratie und Diktatur» hast du gelernt, dass genau das eine totalitäre Diktatur ausmacht: Niemand soll ausserhalb stehen.
Um den NS-Staat zu verstehen, musst du diese Organisationen auseinanderhalten können. Dabei hilft eine feste Frage-Reihe, die wir bei jeder Organisation durchgehen:
- Wofür steht die Abkürzung?
- Seit wann gibt es die Organisation?
- Welche Aufgabe hatte sie?
- Woran erkannte man ihre Mitglieder? (Uniform, Farbe, Abzeichen – wir beschreiben das in Worten.)
- Welche Rolle spielte sie im Terror?
Weiter unten findest du eine Übersichtstafel mit acht Steckbriefen, danach vier Zuordnungsrunden zum Üben. Fang mit der Partei an – von ihr gehen alle anderen aus.
Die Partei: NSDAP
NSDAP steht für Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei. Sie entstand 1920 aus der kleinen Münchner DAP (Deutsche Arbeiterpartei), der Hitler 1919 beigetreten war; 1921 wurde er ihr Vorsitzender. Nach seinem gescheiterten Umsturzversuch in München im November 1923 war die Partei kurz verboten, 1925 gründete Hitler sie neu. Ihr Aufstieg in der Weltwirtschaftskrise ist dir aus «Weimarer Republik, Weltwirtschaftskrise und der Aufstieg des Nationalsozialismus» bekannt.
Seit dem 14. Juli 1933 war die NSDAP die einzige zugelassene Partei. Das veränderte ihre Rolle: Sie war nicht mehr eine Partei unter vielen, sondern der Kern des Staates. Bürgermeister, Landräte, Schulleiter, Richter – wer Karriere machen wollte, brauchte in der Regel das Parteibuch und trug das runde Parteiabzeichen am Revers. Die Mitgliederzahl stieg von rund 850 000 Anfang 1933 auf rund 8,5 Millionen bis 1945. Allein im Frühjahr 1933 traten mehr als eine Million Menschen ein – so viele, dass alte Parteimitglieder sie spöttisch «Märzgefallene» nannten: Nach der Reichstagswahl im März waren sie plötzlich «überzeugt». Im Mai 1933 verhängte die Partei sogar einen Aufnahmestopp.
Die Partei war wie der Staat von oben nach unten gegliedert: Reichsleitung – Gauleiter – Kreisleiter – Ortsgruppenleiter – Blockleiter. Der Blockleiter war für 40 bis 60 Haushalte zuständig: Er verteilte Propaganda, sammelte Spenden – und meldete, wer nicht zur Fahne grüsste, wer ausländische Sender hörte oder wer «staatsfeindlich» redete. Das Organigramm dazu kennst du aus «Von der Demokratie zur Diktatur: 1933/34».
Merke: Die NSDAP war keine Partei im demokratischen Sinn mehr – ohne freie Wahlen, ohne Gegner, mit Zugriff bis in jedes Wohnhaus.
SA und SS: Die Gewalt der Partei
SA – Sturmabteilung
Die SA entstand 1921 als Schlägertrupp der Partei: Sie sollte Versammlungen «schützen» (Saalschutz) und Gegner einschüchtern. Ihre Mitglieder trugen braune Uniformhemden, deshalb der Name «Braunhemden». Vor 1933 prügelte sich die SA auf der Strasse mit Kommunisten und Sozialdemokraten; nach dem 30. Januar 1933 wurde sie als «Hilfspolizei» auf die Gegner losgelassen, verhaftete, folterte, richtete «wilde» Lager ein. 1934 zählte sie mehrere Millionen Mitglieder. Dann wurde sie dem Regime zu mächtig: Nach der Ermordung ihrer Führung im Juni/Juli 1934 (dem sogenannten «Röhm-Putsch» – mehr dazu in «Von der Demokratie zur Diktatur: 1933/34») verlor die SA ihre Macht. Sie bestand weiter – bei den Pogromen gegen Jüdinnen und Juden im November 1938 war sie wieder dabei –, aber die Macht lag jetzt bei der SS.
SS – Schutzstaffel
Die SS begann 1925 als kleine Leibwache Hitlers. Ab 1929 führte sie Heinrich Himmler, der aus dem Leibwächtertrupp einen Staat im Staat machte. Ihre Mitglieder sollten eine «Elite» sein. Wer aufgenommen werden wollte, musste eine «arische Abstammung» nachweisen – «arisch» ist NS-Sprache: Die Nationalsozialisten behaupteten, es gebe eine überlegene «Rasse» der «Arier», zu der die Deutschen gehörten; wissenschaftlich ist das unhaltbar, wie du im nächsten Modul dieser Reihe genauer siehst. SS-Männer trugen meist schwarze Uniformen (die Waffen-SS im Krieg Feldgrau) und einen Totenkopf als Abzeichen an der Mütze. Nach 1934 wuchs die SS in alle Richtungen:
- Sie übernahm die Polizei: 1936 wurde Himmler «Chef der Deutschen Polizei», die Gestapo (unten) gehörte zu seinem Reich.
- Ihre Totenkopfverbände bewachten und betrieben die Konzentrationslager.
- Ihre Waffen-SS war eine eigene Truppe neben der Wehrmacht.
- Ihre Einsatzgruppen ermordeten ab 1941 hinter der Front in Osteuropa – zusammen mit Polizeieinheiten und einheimischen Helfern – rund 1,5 bis 2 Millionen Menschen, vor allem Jüdinnen und Juden.
- Sie betrieb die Vernichtungslager.
Die SS war damit die wichtigste Trägerin des Terrors und des Völkermords. Das Internationale Militärtribunal in Nürnberg erklärte sie 1946 zur verbrecherischen Organisation.
Merke: SA = die Schläger der frühen Jahre; nach 1934 entmachtet (die Macht ging an die SS), aber bei den Novemberpogromen 1938 wieder an der Gewalt beteiligt. SS = die «Elite», die Polizei, Lager und Massenmord organisierte.
Gestapo: Die Geheime Staatspolizei
Gestapo ist die Kurzform von Geheime Staatspolizei. Hermann Göring gründete sie im April 1933 in Preussen als politische Polizei; ab 1934 unterstand sie Himmler und damit der SS. Ihre Aufgabe: politische Gegner aufspüren und ausschalten – Kommunisten, Sozialdemokraten, kirchliche Kritiker, später Jüdinnen und Juden, Zeugen Jehovas, Homosexuelle und Zwangsarbeitende.
Drei Dinge machten die Gestapo so gefährlich:
- Keine Gerichtskontrolle. Die Gestapo konnte Menschen in «Schutzhaft» nehmen – ein beschönigendes Wort, denn es ging nicht um Schutz, sondern um Verfolgung: ohne Anklage, ohne Richter, ohne Zeitlimit. Wer in ein Konzentrationslager kam, kam oft nicht durch ein Urteil dorthin, sondern durch einen Gestapo-Befehl. Die Grundrechte, die die Reichstagsbrandverordnung ausser Kraft gesetzt hatte, waren hier Alltag: Es gab keinen Schutz der Person mehr, keine Unverletzlichkeit der Wohnung, kein Briefgeheimnis.
- Folter. Verhöre im Gestapo-Keller waren berüchtigt; das Regime nannte Misshandlungen beschönigend «verschärfte Vernehmung».
- Denunziation. Die Gestapo war viel kleiner, als die Menschen glaubten: 1937 hatte sie im ganzen Reich nur etwa 7 000 Beamte. Dass sie trotzdem allgegenwärtig und «allwissend» schien, lag zu einem grossen Teil an Hinweisen aus der Bevölkerung – von Nachbarn, Kolleginnen, Blockleitern, manchmal aus der eigenen Familie. Dazu kamen bezahlte Spitzel («V-Leute») und die Auswertung von Verhören. Historikerinnen und Historiker haben Gestapo-Akten ausgewertet: Ein grosser Teil der Verfahren begann mit einer Anzeige (einer Denunziation) aus dem Umfeld der Betroffenen. Motive waren Angst, Überzeugung, aber auch Neid, Streit um eine Wohnung oder Rache.
1939 fasste das Regime Gestapo, Kriminalpolizei und den Parteigeheimdienst SD (Sicherheitsdienst der SS) im Reichssicherheitshauptamt (RSHA) unter Reinhard Heydrich zusammen. Von dort aus wurden später auch die Deportationen der Jüdinnen und Juden organisiert.
Merke: Der Terror funktionierte nicht nur von oben. Er funktionierte, weil genug Menschen mitmachten – und weil alle wussten, dass jemand zuhören könnte.
Die Jugendorganisationen: HJ, DJ, BDM, JM
Für Kinder und Jugendliche gab es vier Organisationen, getrennt nach Alter und Geschlecht:
| Kürzel | Langform | Wer | Seit | Erkennungsmerkmal |
|---|---|---|---|---|
| HJ | Hitlerjugend | Jungen 14–18 | 1926 | braunes Hemd, schwarzes Halstuch mit Lederknoten, Fahrtenmesser |
| DJ | Deutsches Jungvolk («Pimpfe») | Jungen 10–14 | 1929 | wie HJ, kurze Hosen |
| BDM | Bund Deutscher Mädel | Mädchen 14–18 | 1930 | weisse Bluse, dunkelblauer Rock, Halstuch |
| JM | Jungmädelbund | Mädchen 10–14 | 1931 | wie BDM |
Die Hitlerjugend war 1926 gegründet worden; Jungvolk, BDM und Jungmädelbund kamen bis 1931 als Unterorganisationen dazu. 1931 wurde Baldur von Schirach Führer der gesamten NS-Jugend. Ende 1932 hatte die HJ gut 100 000 Mitglieder, Ende 1933 schon über zwei Millionen – alle anderen Jugendverbände waren inzwischen verboten oder «eingegliedert». Das Gesetz über die Hitlerjugend vom 1. Dezember 1936 machte sie zur Staatsjugend. Anfang 1939 gehörten den vier Organisationen zusammen rund 8,7 Millionen Jugendliche an; im März 1939 wurde die Mitgliedschaft Pflicht.
Achte auf die Schreibweise: Die amtliche Abkürzung lautet BDM mit grossem D; die Form «BdM» liest man gelegentlich, sie ist aber nicht die offizielle. Was die Jugendorganisationen mit den Jugendlichen vorhatten – Lager, Drill, Erziehungsziele, Eliteschulen – und wie Jugendliche sich anpassten oder widersetzten, ist Thema eines eigenen Moduls dieser Reihe.
Die Massenorganisationen: DAF, KdF, RAD
Auch Erwachsene sollten nirgends ausserhalb stehen. Drei Organisationen erfassten Arbeit, Freizeit und die Zeit nach der Schule:
- DAF – Deutsche Arbeitsfront. Gegründet im Mai 1933 unter Robert Ley, nachdem die Gewerkschaften zerschlagen worden waren (das kennst du aus «Von der Demokratie zur Diktatur: 1933/34»). Keine Interessenvertretung, sondern eine Zwangsorganisation: Streiks waren verboten, der «Betriebsführer» befahl, die «Gefolgschaft» gehorchte. Mit rund 25 Millionen Mitgliedern war die DAF die grösste NS-Organisation.
- KdF – «Kraft durch Freude». Die Freizeitorganisation der DAF (seit November 1933): billige Theaterkarten, Sportkurse, Wanderungen, Kreuzfahrten auf eigenen KdF-Schiffen. Freizeit wurde so zum Teil der Propaganda – und zur Belohnung für die, die dazugehörten.
- RAD – Reichsarbeitsdienst. Seit 1935 mussten junge Männer sechs Monate Pflichtarbeit leisten (Strassen, Entwässerung, später Rüstung), ab 1939 galt das auch für junge Frauen. Der Spaten war das Symbol; der RAD war Drill und Vorstufe zum Militär.
Übersicht: Wer ist wer im NS-Staat?
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Eigene Darstellung, EveryCate, CC BY-SA 4.0
Textbeschreibung anzeigen
Titel: Wer ist wer im NS-Staat? Acht Steckbriefe (blau Partei, orange Gewalt und Terror, grün Jugend, grau Massenorganisationen). Acht Karten mit Kürzel, Langform, Aufgabe und Merkmal: 1. NSDAP: Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei seit 1920; ab 1933 einzige Partei, besetzt alle wichtigen Ämter; Parteiabzeichen am Revers, Parteibuch. 2. SA: Sturmabteilung seit 1921; Saalschutz und Strassenterror, 1933 Hilfspolizei, ab 1934 entmachtet; braune Uniformhemden (Braunhemden). 3. SS: Schutzstaffel seit 1925, Führer Heinrich Himmler; Leibwache, dann Polizei- und Terrorapparat, betreibt die Lager, Hauptträgerin des Völkermords; schwarze Uniform, Totenkopf an der Mütze. 4. Gestapo: Geheime Staatspolizei seit 1933, ab 1934 unter der SS; verfolgt Gegner, verhaftet ohne Gericht (Schutzhaft), lebt von Denunziationen; in Zivil, ab 1939 Teil des Reichssicherheitshauptamts. 5. HJ und DJ: Hitlerjugend (Jungen 14 bis 18, seit 1926), Deutsches Jungvolk (Jungen 10 bis 14, seit 1929); Erziehung zu Gehorsam und Wehrbereitschaft, ab 1936 Staatsjugend, ab 1939 Pflicht; braunes Hemd, schwarzes Halstuch mit Lederknoten, Fahrtenmesser. 6. BDM und JM: Bund Deutscher Mädel (Mädchen 14 bis 18, seit 1930), Jungmädelbund (10 bis 14, seit 1931); Erziehung zur deutschen Frau und Mutter, Sport, Hauswirtschaft, Lager; weisse Bluse, dunkelblauer Rock. 7. DAF: Deutsche Arbeitsfront seit Mai 1933 unter Robert Ley; ersetzt die zerschlagenen Gewerkschaften, Zwangsorganisation für alle Beschäftigten; grösste NS-Organisation mit rund 25 Millionen Mitgliedern. 8. KdF und RAD: Kraft durch Freude seit 1933, Reichsarbeitsdienst Pflicht seit 1935; KdF organisiert Reisen, Sport, Konzerte; RAD sechs Monate Pflichtarbeit als Vorstufe zum Militär; KdF-Schiffe, Spaten als RAD-Symbol. 9. Merksatz: Partei, Gewalt und Massenorganisationen griffen ineinander: Niemand sollte ausserhalb stehen, und jeder konnte beobachtet werden.
Runde 1: Abkürzung und Langform
Tippe links eine Abkürzung und rechts die passende Langform an. Jedes Element hat genau ein Gegenstück.
Tippe ein Element links und eines rechts an, um ein Paar zu bilden – mit welcher Seite du beginnst, ist egal. Nochmaliges Antippen wählt ab; Antippen eines verbundenen Elements löst das Paar wieder.
Runde 2: Organisation und Aufgabe
Welche Aufgabe hatte welche Organisation? Tippe links und rechts je ein Element an.
Tippe ein Element links und eines rechts an, um ein Paar zu bilden – mit welcher Seite du beginnst, ist egal. Nochmaliges Antippen wählt ab; Antippen eines verbundenen Elements löst das Paar wieder.
Runde 3: Woran erkannte man sie?
Tippe links ein Erkennungsmerkmal und rechts die passende Organisation an. Achtung: Braune Hemden trugen mehrere Organisationen – achte auf die Details.
Tippe ein Element links und eines rechts an, um ein Paar zu bilden – mit welcher Seite du beginnst, ist egal. Nochmaliges Antippen wählt ab; Antippen eines verbundenen Elements löst das Paar wieder.
Runde 4: Wann entstanden sie?
Ordne jeder Organisation die Zeit ihrer Gründung zu. Jedes Element hat genau ein Gegenstück.
Tippe ein Element links und eines rechts an, um ein Paar zu bilden – mit welcher Seite du beginnst, ist egal. Nochmaliges Antippen wählt ab; Antippen eines verbundenen Elements löst das Paar wieder.
Hintergründe: KZ, KdF-Wagen, RSHA und das Wort «Nazi» (Erweitert)
- KZ – Konzentrationslager. Haftlager ohne Gerichtsurteil, zuerst für politische Gegner (Dachau, März 1933), später für alle, die das Regime ausgrenzte. Betrieben von den SS-Totenkopfverbänden. Wichtig: Ein Konzentrationslager ist nicht dasselbe wie ein Vernichtungslager – in den KZ wurde gequält, ausgebeutet und massenhaft gestorben, die Vernichtungslager im besetzten Polen dienten ab 1941/42 der gezielten Massentötung. Mehr dazu im Modul über die Judenverfolgung.
- Der «KdF-Wagen». Die Freizeitorganisation versprach jeder Familie ein eigenes Auto: Hunderttausende sparten dafür mit Sparmarken, doch kein einziger Sparer bekam sein Auto – die Fabrik baute ab 1939 Militärfahrzeuge. Nach dem Krieg wurde aus dem Modell der VW Käfer.
- RSHA – Reichssicherheitshauptamt. Ab 1939 die Zentrale von Gestapo, Kriminalpolizei und SD unter Reinhard Heydrich – die Schaltstelle des Terrors und später der Deportationen.
- NS / «Nazi». NS ist die Kurzform für «nationalsozialistisch». «Nazi» war ursprünglich ein spöttischer Kurzname der Gegner (wie «Sozi» für Sozialdemokraten) und wurde zum heute üblichen Wort.
Kürzel entschlüsseln
Tippe die fehlenden Abkürzungen oder Wörter selbst ein. Gross-/Kleinschreibung spielt keine Rolle.
Die Partei hiess mit vollem Namen Nationalsozialistische Deutsche (NSDAP). Die braunen Uniformhemden trug die (Sturmabteilung). Die Schutzstaffel, kurz , betrieb die Konzentrationslager und ermordete Millionen Menschen. Die Geheime Staatspolizei nannte man kurz . Jungen von 14 bis 18 gehörten zur (HJ), Jungen von 10 bis 14 zum Deutschen (DJ). Mädchen von 14 bis 18 gehörten zum Bund Deutscher Mädel, kurz . An die Stelle der Gewerkschaften trat die Deutsche Arbeitsfront, kurz . Sechs Monate Pflichtarbeit leistete man im Reichsarbeitsdienst, kurz .
Selbstcheck: Wer ist wer?
Frage 1 von 7Prüfe, ob du die Organisationen auseinanderhältst. Du kannst das Quiz beliebig oft wiederholen – es zählt dein bestes Ergebnis.
Welche Organisation trug braune Uniformhemden und wurde nach 1934 entmachtet?
Vertiefung: Wie Terror funktioniert
Deine Antworten gehen an deine Lehrperson. Aufgabe 1 ist für alle gedacht, die Aufgaben 2 und 3 sind als (Erweitert) gekennzeichnet.
Erkläre in eigenen Worten – so merkst du am besten, was du schon verstanden hast.
Deine Antworten werden auf diesem Gerät gespeichert und gehen mit deinem nächsten Fortschritts-Report an die Lehrperson.
Erkläre in zwei bis drei Sätzen, warum der Terror des NS-Staates auch ohne einen Gestapo-Beamten an jeder Strassenecke funktionierte.
Tipp anzeigen
Denk an die Zahl 7 000, an die Blockleiter – und daran, was passiert, wenn niemand mehr weiss, wem er trauen kann.
(Erweitert) Vergleiche SA und SS in drei bis vier Sätzen: Warum verlor die SA 1934 ihre Macht, und warum gewann die SS?
Tipp anzeigen
Schau noch einmal in «Von der Demokratie zur Diktatur: 1933/34»: Was wollte Röhm mit der SA, und warum störte das die Reichswehr und Hitler? Welche Aufgaben übernahm die SS danach?
(Erweitert) Im Frühjahr 1933 traten mehr als eine Million Menschen in die NSDAP ein – die «Märzgefallenen». Erkläre in drei bis fünf Sätzen, welche Gründe dahinterstecken konnten, und unterscheide dabei Überzeugung von Berechnung.
Tipp anzeigen
Was brauchte man ab 1933 für eine Karriere als Beamter, Lehrer oder Richter? Und was bedeutete es, nicht dazuzugehören?