Der Staat in der Wirtschaft: Steuern, Budget, Sozialstaat
Steuern zahlen alle – aber wofür eigentlich? Im fünfundzwanzigsten Modul des Vertiefungsfachs «Wirtschaft & Politik» eröffnest du den Themenblock E «Politik & Wirtschaft»: Du lernst, warum der Staat in der Wirtschaft mitspielt, welche drei Steuer-Grundtypen seine Kasse füllen, wie du ein Staatsbudget mit Überschuss, Defizit und Staatsschulden liest – und warum der Sozialstaat im Kern eine grosse Versicherung ist.
Das lernst du hier
- Ich kann begründen, warum der Staat in der Wirtschaft mitspielt: Er stellt Leistungen bereit, die der Markt nicht liefert, er setzt Regeln für das Wirtschaftsleben, und er sichert Schwächere ab.
- Ich kann die drei Grundtypen von Steuern unterscheiden – Einkommenssteuer, Mehrwertsteuer und Unternehmenssteuer – und an Alltagsbeispielen erklären, wer sie worauf zahlt.
- Ich kann ein Staatsbudget in einfachen Worten lesen: Einnahmen und Ausgaben vergleichen und Überschuss, Defizit und Staatsschulden auseinanderhalten.
- Ich kann die Grundidee des Sozialstaats als grosse Versicherungslogik erklären und den Bogen zu AHV und IV aus Modul 14 schlagen.
LiLe: WAH.2.1 (Die Schülerinnen und Schüler können Prinzipien der Marktwirtschaft aufzeigen.), WAH.2.3 (Die Schülerinnen und Schüler können einen verantwortungsvollen Umgang mit Geld entwickeln.), WAH.5.2 (Die Schülerinnen und Schüler können soziale, rechtliche und ökonomische Aspekte im Alltag und im Zusammenleben recherchieren.)
Warum baut niemand freiwillig eine Strasse?
Denk an deinen Schulweg heute Morgen: die Strasse, das Trottoir, die Strassenbeleuchtung, vielleicht der Bus – und am Ziel ein Schulhaus mit Lehrpersonen. Nichts davon hast du heute bezahlt. Und auf dem Markt, wie du ihn aus den Modulen 6 bis 8 kennst, würde das meiste davon gar nicht entstehen.
Warum nicht? Nimm die Strassenbeleuchtung: Würde eine private Firma Lampen aufstellen und Geld verlangen – wer würde zahlen? Das Licht leuchtet für alle, niemand kann vom Nutzen ausgeschlossen werden. Also warten alle darauf, dass jemand anderes zahlt – und am Ende bleibt es dunkel, obwohl alle das Licht wollen. Bei solchen öffentlichen Leistungen versagt der Markt: Strassen, Schulen, Polizei, Feuerwehr oder Hochwasserschutz gäbe es ohne gemeinsame Finanzierung nicht oder nur für wenige.
Deshalb spielt der Staat in der Wirtschaft mit – du kennst ihn als Akteur bereits aus dem Wirtschaftskreislauf (Module 2 und 4). Seine drei grossen Aufgaben:
- Bereitstellen, was der Markt nicht liefert: Strassen, Schulen, Sicherheit.
- Regeln setzen: Damit Wettbewerb fair bleibt, braucht es Spielregeln – etwa gegen Absprachen und Monopolmissbrauch (Modul 8). Und aus Modul 19 weisst du: Genau das ist Politik – gemeinsame, verbindliche Regeln aushandeln.
- Schwächere absichern: Wer alt, krank oder invalid ist, soll nicht ins Leere fallen – dazu später mehr beim Sozialstaat.
Bleibt die entscheidende Frage: Woher nimmt der Staat das Geld dafür?
Steuern: die wichtigste Einnahme des Staates
Die Antwort steht auf jedem Kassenzettel und auf jeder Lohnabrechnung: Steuern. Eine Steuer ist eine Pflichtabgabe an den Staat, der keine direkte Gegenleistung gegenübersteht. «Keine direkte Gegenleistung» heisst: Du bekommst für deine Steuern keine Quittung über eine bestimmte Leistung – sie fliessen in den grossen gemeinsamen Topf, aus dem Strassen, Schulen und alles andere bezahlt werden.
Drei Grundtypen solltest du unterscheiden können:
- Einkommenssteuer: Wer arbeitet und Geld verdient, gibt dem Staat einen Teil seines Einkommens ab – einmal im Jahr mit der Steuererklärung. Je mehr jemand verdient, desto mehr zahlt er.
- Mehrwertsteuer: Sie steckt im Preis fast aller Einkäufe – vom Sandwich bis zum Handy. Du zahlst sie mit, ohne es zu merken; das Geschäft leitet sie an den Staat weiter. Weil sie beim Konsum anfällt und nicht direkt bei dir erhoben wird, nennt man sie eine indirekte Steuer – die Einkommenssteuer ist dagegen eine direkte Steuer.
- Unternehmenssteuer: Firmen zahlen Steuern auf ihren Gewinn – also auf das, was nach Abzug aller Kosten übrig bleibt. Macht ein Unternehmen keinen Gewinn, fällt auch keine Gewinnsteuer an.
Wichtig sind zwei Abgrenzungen: Gebühren sind keine Steuern – bei ihnen bekommst du eine direkte Gegenleistung, etwa einen neuen Pass oder einen Parkplatz. Und die AHV- und IV-Abzüge auf der Lohnabrechnung (Modul 14) sind ebenfalls keine Steuern, sondern Versicherungsbeiträge – wofür sie da sind, schauen wir uns gleich noch genauer an.
Über die Höhe von Steuern wird in der Politik ständig gerungen – hier geht es nur um das Prinzip: Ohne Steuern kein Staat, der bereitstellt, regelt und absichert.
Video-Tipp (extern): Steuern einfach erklärt
Zum Einstieg passt das Erklärvideo «Steuern in Deutschland einfach erklärt» des Kanals explainity (3:21): Es zeigt am Beispiel Deutschlands, warum der Staat Steuern erhebt und wofür er sie verwendet – das Prinzip gilt bei uns genauso, auch wenn einzelne Namen und Zahlen anders sind. Das Video ist hier nicht eingebettet – den Link findest du unten bei den Quellen und Materialien dieses Moduls.
Achte beim Schauen auf zwei Leitfragen: (1) Wofür gibt der Staat die Steuereinnahmen im Video aus – und welche dieser Bereiche findest du nachher in der Budget-Grafik dieses Moduls wieder? (2) Das Video unterscheidet direkte und indirekte Steuern: Zu welchem der beiden Typen gehören Einkommenssteuer und Mehrwertsteuer?
Das Staatsbudget im Überblick

Das Budget lesen: Überschuss, Defizit, Staatsschulden
In Modul 14 hast du dein persönliches Budget aufgestellt: Einnahmen und Ausgaben gegenüberstellen, damit am Monatsende kein Loch entsteht. Ein Staatsbudget funktioniert nach genau demselben Prinzip – nur mit sehr viel grösseren Zahlen und mit einem wichtigen Unterschied: Über das Budget des Staates wird politisch entschieden, denn es legt fest, wofür das gemeinsame Geld eingesetzt wird.
Drei Begriffe brauchst du, um jede Budget-Schlagzeile zu verstehen:
- Überschuss: Die Einnahmen sind grösser als die Ausgaben. Der Staat kann das Polster – seine Reserven – vergrössern oder Schulden abbauen.
- Defizit: Die Ausgaben sind grösser als die Einnahmen. Die Lücke muss der Staat stopfen – meist, indem er sich Geld leiht.
- Staatsschulden: Leiht sich ein Staat über viele Jahre immer wieder Geld, wachsen seine Schulden. Wie bei jedem Kredit (Modul 12) gilt: Geliehenes Geld muss samt Zinsen zurückgezahlt werden – diese Zinsen verkleinern den Spielraum künftiger Budgets.
Ein Blick in die Nachbarschaft, rein beschreibend: Liechtenstein schliesst sein Staatsbudget seit Jahren mit Überschüssen ab, hat Reserven angelegt und ist praktisch schuldenfrei – das ist international selten. Viele andere Staaten tragen dagegen hohe Schulden.
Heisst das, Schulden sind immer schlecht? So einfach ist es nicht: Leiht sich ein Staat Geld, um etwa ein Schulhaus zu bauen, nützt das auch den Generationen, die es später mitbezahlen. Dauerhafte Defizite für laufende Ausgaben engen dagegen den Spielraum immer weiter ein. Wie viel Schulden sinnvoll sind, ist darum eine echte politische Streitfrage – mit guten Argumenten auf beiden Seiten.
Der Sozialstaat: die grösste Versicherung des Landes
Bleibt die dritte Staatsaufgabe: Schwächere absichern. Die Grundidee dahinter kennst du schon – es ist die Versicherungslogik aus Modul 11: Viele zahlen regelmässig einen kleinen Beitrag in einen gemeinsamen Topf, und wer vom Schaden getroffen wird, erhält daraus Hilfe.
Der Sozialstaat wendet diese Logik auf die grossen Lebensrisiken an, die jede und jeden treffen können: Alter (irgendwann kannst du nicht mehr arbeiten), Invalidität (Unfall oder Krankheit machen Arbeit unmöglich), Krankheit und Arbeitslosigkeit. Gegen diese Risiken organisiert der Staat grosse Pflichtversicherungen – in Liechtenstein wie in der Schweiz zum Beispiel die AHV (Alters- und Hinterlassenenversicherung) und die IV (Invalidenversicherung), deren Abzüge du von der Lohnabrechnung aus Modul 14 kennst. Beitragspflichtig wirst du übrigens früh: ab dem 1. Januar des Jahres, in dem du 18 wirst, sobald du erwerbstätig bist.
Zwei Besonderheiten unterscheiden den Sozialstaat von einer privaten Versicherung:
- Alle machen mit – Pflicht statt Wahl. Dürfte jeder selbst entscheiden, würden viele Gesunde und Junge nicht einzahlen, und die Rechnung ginge nicht mehr auf. Am Ende stünden genau jene ohne Schutz da, die ihn am nötigsten hätten.
- Heute für heute. Die AHV funktioniert im Kern als Umlage: Die Beiträge der Erwerbstätigen von heute finanzieren die Renten der Pensionierten von heute – dein Geld wird also nicht auf einem persönlichen Konto angespart. Wenn du später pensioniert bist, zahlen die Erwerbstätigen von dann deine Rente.
Und wo bleibt das Budget? Der Staat stützt den Sozialstaat zusätzlich mit Steuergeld – in der Budget-Grafik ist das der Ausgabenbereich «Soziales». Damit schliesst sich der Kreis dieses Moduls: Steuern füllen die Kasse, das Budget verteilt sie, und der Sozialstaat sichert ab, was der Markt allein nicht absichert.
Quiz: Staat, Steuern und Budget
Frage 1 von 8Zeig, was du über die Rolle des Staates, die drei Steuertypen und das Budget gelernt hast. Du kannst das Quiz beliebig oft wiederholen – es zählt dein bestes Ergebnis.
Warum stellt der Staat die Strassenbeleuchtung bereit, statt sie dem Markt zu überlassen?
Setze die Begriffe ein: Staat, Steuern und Budget
Ziehe die passenden Begriffe in die Lücken (am Handy: erst Wort antippen, dann Lücke). Achtung: Drei Wörter in der Auswahl passen nirgends.
Tippe zuerst ein Wort an und dann die Lücke, in die es gehört. Antippen einer gefüllten Lücke legt das Wort zurück.
Der Markt liefert vieles – aber nicht alles: Strassen, Schulen und Sicherheit stellt der bereit. Er setzt ausserdem für das Wirtschaftsleben und sichert Schwächere ab. Bezahlt wird das vor allem über . Auf Lohn und Verdienst zahlst du die . Bei fast jedem Einkauf steckt die bereits im Preis. Firmen zahlen auf ihren Gewinn die . Nimmt der Staat mehr ein, als er ausgibt, entsteht ein . Gibt er mehr aus, als er einnimmt, entsteht ein . Leiht er sich dafür über Jahre immer wieder Geld, wachsen die .
Tippe die Begriffe ein: Die Grundbegriffe sitzen
Hier gibt es keine Wortauswahl mehr – tippe die fehlenden Begriffe selbst ein. Gross-/Kleinschreibung spielt keine Rolle.
Der Sozialstaat funktioniert wie eine grosse : Viele zahlen ein, und wer von einem Lebensrisiko getroffen wird, erhält Leistungen. Die staatliche Altersrente heisst bei uns kurz . Nimmt ein Staat mehr ein, als er ausgibt, spricht man von einem . Im umgekehrten Fall entsteht ein . Die Steuer, die bei fast jedem Einkauf im Preis steckt, ist die .
Zuordnen: Welche Steuer ist das?
Ordne jede Situation der passenden Steuerart zu: Einkommenssteuer, Mehrwertsteuer oder Unternehmenssteuer. Jede Steuerart kommt genau dreimal vor.
Tippe zuerst ein Wort an und dann die Lücke, in die es gehört. Antippen einer gefüllten Lücke legt das Wort zurück.
Lena kauft am Kiosk ein Sandwich – ein Teil des Preises geht als Steuer an den Staat. Herr Brunner gibt in seiner jährlichen Steuererklärung seinen Lohn an und erhält danach die Steuerrechnung. Ein Möbelhersteller hat nach Abzug aller Kosten zwei Millionen CHF verdient und zahlt darauf Steuern. Auf der Handy-Quittung ist eine Steuer aufgeführt, die im Verkaufspreis bereits enthalten war. Eine Ärztin zahlt auf ihr Jahreseinkommen Steuern. Ein Start-up schreibt zum ersten Mal Gewinn – nun wird darauf eine Steuer fällig. Beim Kinoticket zahlst du die Steuer mit, ohne es zu merken – sie steckt im Preis. Frau Meier bekommt eine Lohnerhöhung – ihre jährliche Steuerrechnung wird dadurch höher. Die Bäckerei Sonnenblick zahlt Steuern auf ihren Jahresgewinn.
Vertiefung: Der Staat in deinem Alltag
Erkläre in eigenen Worten – so merkst du am besten, was du schon verstanden hast.
Deine Antworten werden auf diesem Gerät gespeichert und gehen mit deinem nächsten Fortschritts-Report an die Lehrperson.
Staats-Spurensuche: Geh deinen heutigen Tag von Aufstehen bis jetzt durch und notiere fünf Dinge, die der Staat bereitstellt oder mitfinanziert hat. Ordne jedes davon einem Ausgabenbereich aus der Budget-Grafik zu (Bildung, Strassen und Verkehr, Sicherheit, Gesundheit, Soziales).
Tipp anzeigen
Denk nicht nur an Gebäude: Auch Menschen (Lehrpersonen, Polizei), Leitungen unter der Strasse (Wasser, Abwasser) und Regeln (geprüfte Lebensmittel, sichere Elektrogeräte) gehören dazu.
Mini-Budget: Die erfundene Gemeinde Musterberg rechnet für nächstes Jahr mit Einnahmen von 10 Millionen CHF (8 Mio. aus Steuern, 2 Mio. aus Gebühren). Geplante Ausgaben: Schule 4 Mio., Strassen 2,5 Mio., Sicherheit 1 Mio., Verwaltung 1,5 Mio. – zusätzlich wünscht sich der Jugendrat einen neuen Jugendtreff für 1,5 Mio. CHF. Rechne: Geht das Budget mit Jugendtreff auf – Überschuss oder Defizit, und wie gross? Nenne danach drei verschiedene Möglichkeiten, wie Musterberg mit dem Ergebnis umgehen könnte, und je eine Folge jeder Möglichkeit.
Tipp anzeigen
Zähle zuerst alle Ausgaben inklusive Jugendtreff zusammen und vergleiche mit den Einnahmen. Für die Möglichkeiten hilft das Modul: sparen (aber wo?), Einnahmen erhöhen (aber wer zahlt?), Geld leihen (aber was kommt später dazu?).
Erkläre es jemandem: Erkläre einer Person aus deinem Umfeld in höchstens fünf Sätzen, warum der Sozialstaat «eine grosse Versicherung» ist – verwende dabei die Wörter Risiko, einzahlen, Leistung und Pflicht. Erstelle anschliessend eine eigene Quizfrage im Stil dieses Moduls (mit vier Antworten, genau eine richtig) zu einem Steuer- oder Budget-Begriff, die einen typischen Denkfehler als falsche Antwort einbaut.
Tipp anzeigen
Für die Quizfrage: Die besten falschen Antworten sind Sätze, die man oft hört, die aber nicht stimmen – etwa «Die AHV spart mein Geld auf meinem eigenen Konto an» oder «Defizit und Schulden sind dasselbe».