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WPZyklus 3 (Sek I)9. Klasse (Sek I)ca. 45 Min.mittelLiLe

Was ist Politik?

Skatepark oder Ruhe im Quartier? Wenn Interessen aufeinanderprallen und am Ende eine Regel für alle gilt, ist das Politik. Im neunzehnten Modul des Vertiefungsfachs «Wirtschaft & Politik» – dem Auftakt zum Themenblock D «Grundbegriffe, Demokratie & politisches Denken» – lernst du Politik als Aushandeln verbindlicher Regeln kennen und erkennst die Grundbegriffe Macht, Interessen, Konflikt und Kompromiss in deinem Alltag wieder – vom Klassenzimmer bis zum Gemeindeentscheid.

Das lernst du hier

  • Ich kann Politik als das Aushandeln verbindlicher Regeln für das Zusammenleben definieren.
  • Ich kann die Grundbegriffe Macht, Interessen, Konflikt und Kompromiss an Alltagssituationen erkennen – von den Klassenregeln über den Pausenplatz bis zum Gemeindeentscheid über einen Skatepark.
  • Ich verstehe: Wo Interessen kollidieren und eine Entscheidung alle bindet, ist Politik – sie beginnt nicht erst in Parlamenten.

LiLe: LBO.5.6 (Die Schülerinnen und Schüler können Anliegen einbringen, Konflikte wahrnehmen und mögliche Lösungen suchen.), LBO.5.4 (Die Schülerinnen und Schüler können Gemeinschaft aktiv mitgestalten.)

Politik? Das ist doch weit weg …

Bei «Politik» denken die meisten an Parlamente, Abstimmungen und Leute in Anzügen, die in den Nachrichten diskutieren. Klingt weit weg vom eigenen Leben – ist es aber nicht.

Ein Beispiel: Eure Klasse diskutiert, ob Handys im Schulzimmer in eine Box müssen. Die einen wollen ihre Musik in der Pause, die anderen nerven sich, weil ständig jemand am Scrollen ist. Ihr diskutiert, macht Vorschläge, stimmt ab – und am Ende gilt eine Regel für alle, auch für die, die dagegen waren.

Genau das ist der Kern von Politik:

Politik ist das Aushandeln verbindlicher Regeln für das Zusammenleben.

Drei Wörter in dieser Definition tragen das ganze Gewicht:

  • Aushandeln – es wird diskutiert, verhandelt und um Lösungen gerungen, statt dass einfach jemand befiehlt.
  • verbindlich – die Regel gilt für alle Betroffenen, nicht nur für die, die zugestimmt haben.
  • Zusammenleben – es geht um Fragen, die eine Gemeinschaft betreffen, nicht um private Entscheidungen.

Ob du dein Sackgeld für Kopfhörer oder fürs Kino ausgibst, ist deine Privatsache – das bindet nur dich. Ob auf dem Pausenplatz Fussball gespielt werden darf, betrifft alle, die dort ihre Pause verbringen. Sobald eine Frage die Gemeinschaft betrifft und die Antwort für alle gilt, bist du mitten in der Politik.

Vier Grundbegriffe: Interessen, Konflikt, Macht, Kompromiss

Mit vier Begriffen kannst du fast jede politische Situation auseinandernehmen – von der Klassendiskussion bis zur Weltpolitik:

  1. Interessen sind die Wünsche und Anliegen von Personen oder Gruppen: Die Klasse will einen Ausflug, du willst ausschlafen, die Nachbarin will Ruhe. Interessen sind nichts Schlechtes – jede und jeder hat welche, und das ist völlig normal.
  2. Ein Konflikt entsteht, wenn Interessen kollidieren – wenn sich also nicht alle Wünsche gleichzeitig erfüllen lassen. Der Pausenplatz ist nur einmal da: Die einen wollen Fussball spielen, die anderen in Ruhe sitzen. Beides zugleich auf derselben Fläche geht nicht.
  3. Macht ist die Möglichkeit, Entscheidungen zu beeinflussen oder durchzusetzen. Macht hat viele Formen: Die Lehrerin kann eine Regel anordnen, die Mehrheit kann eine Abstimmung gewinnen – aber auch wer gute Argumente hat, viele Verbündete findet oder besonders hartnäckig ist, hat Macht. Macht ist also nicht automatisch böse; es kommt darauf an, wie sie eingesetzt wird und ob sie Regeln unterliegt.
  4. Ein Kompromiss ist eine Lösung, bei der beide Seiten etwas nachgeben und beide etwas bekommen. Fussball auf der einen Platzhälfte, Sitzbänke auf der anderen: Niemand bekommt alles – aber alle können damit leben.

Merk dir den Zusammenhang: Aus unterschiedlichen Interessen wird ein Konflikt, wenn sie kollidieren. Beim Aushandeln einer Lösung spielt Macht eine Rolle – und oft ist das Ergebnis ein Kompromiss, der dann als verbindliche Regel für alle gilt.

Das Skatepark-Beispiel: Politik in der Gemeinde

So läuft das Muster in echt ab – zum Beispiel in einer Gemeinde, in der Jugendliche seit Jahren auf dem Parkplatz beim Schulhaus skaten:

Die Interessen: Eine Gruppe Jugendlicher wünscht sich einen richtigen Skatepark – mit Rampen statt Randsteinen. Sie sammeln Unterschriften und bringen ihr Anliegen bei der Gemeinde ein. Die Anwohnerinnen und Anwohner der möglichen Standorte haben ein anderes Interesse: Sie fürchten Lärm bis spät am Abend. Und die Gemeinde selbst muss aufs Budget achten – das Geld, das der Skatepark kostet, fehlt woanders.

Der Konflikt: Alle drei Interessen sind nachvollziehbar – aber sie kollidieren. Ein Skatepark direkt beim Schulhaus wäre für die Jugendlichen top, für die Nachbarschaft ein Ärgernis. Gar kein Skatepark wäre fürs Budget am billigsten, würde aber das Anliegen von vielen Jugendlichen ignorieren.

Die Aushandlung: Die Gemeinde lädt zu einer Versammlung ein. Die Jugendlichen argumentieren, zeigen Pläne und schlagen Standorte vor. Die Anwohner bringen ihre Bedenken ein. Es wird verhandelt: Welcher Standort? Welche Öffnungszeiten? Was darf es kosten? Hier zeigt sich Macht in verschiedenen Formen – gute Argumente, viele Unterschriften, aber auch das letzte Wort des Gemeinderats.

Die verbindliche Regel: Am Ende beschliesst der Gemeinderat einen Kompromiss: Der Skatepark wird gebaut – aber am Ortsrand statt mitten im Quartier, mit Ruhezeiten ab 20 Uhr und einem kleineren Budget als erhofft. Dieser Beschluss gilt jetzt für alle: für die Jugendlichen, die lieber einen grösseren Park gehabt hätten, für die Anwohner, die gar keinen wollten – und auch für alle, die sich nie zu Wort gemeldet haben.

Genau diese vier Schritte zeigt dir die Grafik – sie funktionieren beim Skatepark, bei den Klassenregeln und bei grossen politischen Fragen gleich.

Vom Interesse zur verbindlichen Regel

Flussschema mit vier durch Pfeile verbundenen Stationen am Beispiel Skatepark. Erste Station, dunkelblau: Interessen – die Jugendlichen wünschen sich einen Skatepark, die Anwohner wollen Ruhe am Abend, die Gemeinde muss aufs Budget achten. Zweite Station, orange: Konflikt – die Interessen kollidieren, nicht alle Wünsche lassen sich gleichzeitig erfüllen. Dritte Station, mittelblau: Aushandlung – an der Versammlung werden Argumente ausgetauscht, Standorte und Öffnungszeiten verhandelt; dabei spielt Macht eine Rolle, etwa gute Argumente, viele Unterschriften oder das letzte Wort des Gemeinderats. Vierte Station, grün: verbindliche Regel – der Gemeinderat beschliesst einen Kompromiss: Skatepark am Ortsrand, Ruhezeiten ab 20 Uhr; der Beschluss gilt für alle, auch für jene, die dagegen waren. Unter dem Schema steht der Merksatz: Wo Interessen kollidieren und eine Entscheidung alle bindet, ist Politik.
Das Grundmuster der Politik am Skatepark-Beispiel: Aus kollidierenden Interessen wird ein Konflikt, die Aushandlung führt zu einer Regel – und die gilt verbindlich für alle.Eigene Darstellung, EveryCate, CC BY-SA 4.0

Politik beginnt nicht erst im Parlament

Das Skatepark-Muster findest du auf jeder Ebene wieder – nur die Grösse ändert sich:

  • In der Klasse: Wer darf wo sitzen? Gilt ein Handyverbot? Wohin geht der Ausflug?
  • In der Schule: Wie werden die Pausenplatz-Flächen aufgeteilt? Welche Regeln gelten im Schulhaus?
  • In der Gemeinde: Skatepark oder nicht? Wo wird gebaut, was wird saniert?
  • Im Land und international: Wie hoch sind die Steuern? Welche Klimaziele gelten?

Überall dasselbe: Interessen kollidieren, es wird ausgehandelt, am Ende bindet eine Entscheidung alle. Parlamente und Regierungen sind besondere Orte, an denen dieses Aushandeln nach festen Spielregeln organisiert ist – aber Politik beginnt nicht erst dort. Sie beginnt, wo Menschen zusammenleben.

Zwei Abgrenzungen helfen dir, genau hinzuschauen:

  1. Nicht jede Entscheidung ist Politik. Was du isst, welche Musik du hörst, wofür du sparst – das sind private Entscheidungen. Sie binden nur dich.
  2. Nicht jeder Streit ist Politik. Wenn zwei Kollegen sich zoffen und danach einfach getrennte Wege gehen, fehlt das Entscheidende: eine Regel, die für die Gemeinschaft gilt. Politisch wird es erst, wenn am Ende eine verbindliche Entscheidung steht.

Und warum solltest du das alles wissen? Weil du längst mittendrin bist: Du lebst mit anderen zusammen, hast Interessen und bist von Regeln betroffen, die andere aushandeln – heute auf dem Pausenplatz, bald als Erwachsene oder Erwachsener in der Gemeinde. Wer das Muster erkennt, kann mitreden, statt nur zuzuschauen. Genau darum geht es in den nächsten Modulen: Wie organisiert eine Demokratie dieses Aushandeln – und was passiert, wenn es abgeschafft wird?

Video: Der Politikbegriff – drei Blickwinkel

Das Erklärvideo (4:00) des Lernkanals «Die Merkhilfe» schaut mit der Fachsprache der Politikwissenschaft auf denselben Begriff, den du gerade kennengelernt hast. Achte beim Schauen auf zwei Leitfragen: (1) Wo erkennst du unsere Definition wieder – Politik als Aushandeln verbindlicher Regeln? (2) Das Video unterscheidet drei Dimensionen: «Polity» (Regeln und Strukturen), «Policy» (Inhalte) und «Politics» (der Prozess des Aushandelns) – welche der drei passt am besten zum Ringen um den Skatepark?

Transkript anzeigen

Das Erklärvideo «Politikbegriff / Arten von Politik» (Die Merkhilfe, 4:00 Minuten) stellt den Politikbegriff aus Sicht der Politikwissenschaft vor: Politik als zielgerichtetes Handeln zur Gestaltung des Zusammenlebens, bei dem Interessen und Macht eine Rolle spielen. Das Video unterscheidet drei Dimensionen: «Polity» bezeichnet die Form – also Regeln, Strukturen und Institutionen, in denen Politik stattfindet; «Policy» bezeichnet die Inhalte – also die Themen und Ziele, um die es geht; «Politics» bezeichnet den Prozess – das Aushandeln von Interessen, das Ringen um Mehrheiten und Kompromisse. Der Prozess-Begriff «Politics» entspricht am ehesten der Definition dieses Moduls: dem Aushandeln verbindlicher Regeln für das Zusammenleben.

Quiz: Politik und ihre Grundbegriffe

Frage 1 von 8

Zeig, dass du die Definition und die vier Grundbegriffe verstanden hast. Du kannst das Quiz beliebig oft wiederholen – es zählt dein bestes Ergebnis.

Was ist Politik – nach der Definition dieses Moduls?

Setze die Begriffe ein: Was ist Politik?

Ziehe die passenden Begriffe in die Lücken (am Handy: erst Wort antippen, dann Lücke). Achtung: Drei Wörter in der Auswahl passen nirgends.

Tippe zuerst ein Wort an und dann die Lücke, in die es gehört. Antippen einer gefüllten Lücke legt das Wort zurück.

Politik ist das verbindlicher Regeln für das Zusammenleben. Die Wünsche und Anliegen von Personen oder Gruppen nennt man . Lassen sich nicht alle Wünsche gleichzeitig erfüllen, entsteht ein . Beim Skatepark wünschen sich die Jugendlichen Rampen, die Anwohner wollen am Abend, und die Gemeinde muss aufs achten. An der Versammlung wird verhandelt – dabei zeigt sich in vielen Formen: gute Argumente, viele Unterschriften oder das letzte Wort des Gemeinderats. Am Ende steht oft ein , bei dem beide Seiten nachgeben und beide etwas bekommen. Der Beschluss der Gemeinde ist – er gilt auch für jene, die dagegen waren. Was du dagegen mit deinem Sackgeld machst, ist eine Entscheidung: Sie bindet nur dich. Politik beginnt also nicht erst im – sie beginnt, wo Menschen zusammenleben.

Tippe die Begriffe ein: Die Definition sitzt

Hier gibt es keine Wortauswahl mehr – tippe die fehlenden Begriffe selbst ein. Gross-/Kleinschreibung spielt keine Rolle.

Politik ist das Aushandeln Regeln für das Zusammenleben. Wenn Interessen kollidieren, entsteht ein . Eine Lösung, bei der beide Seiten nachgeben und beide etwas bekommen, heisst . Die Möglichkeit, Entscheidungen zu beeinflussen oder durchzusetzen, nennt man . Eine verbindliche Regel gilt für Betroffenen – auch für die Überstimmten.

Zuordnen: Interesse, Konflikt, Macht oder Kompromiss?

Ordne jede Situation dem passenden Grundbegriff zu: Interesse, Konflikt, Macht oder Kompromiss. Jeder Begriff kommt genau zweimal vor.

Tippe zuerst ein Wort an und dann die Lücke, in die es gehört. Antippen einer gefüllten Lücke legt das Wort zurück.

Die Jugendlichen wünschen sich einen Skatepark mit richtigen Rampen. Fussballspielen und ruhiges Sitzen gehen auf derselben Pausenplatz-Fläche nicht gleichzeitig – die Wünsche kollidieren. Die Klasse einigt sich: Musik in der grossen Pause ja, aber nur mit Kopfhörern. Mit 300 gesammelten Unterschriften verschaffen sich die Jugendlichen Gehör beim Gemeinderat. Die Anwohnerin wünscht sich vor allem eines: Ruhe am Abend. Der Gemeinderat hat das letzte Wort und kann den Beschluss durchsetzen. Skatepark ja – aber am Ortsrand und mit Ruhezeiten ab 20 Uhr: Beide Seiten geben nach. Zwei Gruppen beanspruchen am Mittwochnachmittag dieselbe Turnhalle – beides zugleich geht nicht.

Vertiefung: Politik in deinem Alltag

Erkläre in eigenen Worten – so merkst du am besten, was du schon verstanden hast.

Deine Antworten werden auf diesem Gerät gespeichert und gehen mit deinem nächsten Fortschritts-Report an die Lehrperson.

  1. Finde ein eigenes Beispiel für Politik aus deinem Alltag – aus der Klasse, dem Verein, der Familie oder der Gemeinde (nicht das Skatepark- und nicht das Handy-Beispiel). Zerlege es in die vier Schritte: Welche Interessen gab es? Worin bestand der Konflikt? Wie wurde ausgehandelt – und wer hatte dabei welche Macht? Wie lautete am Ende die verbindliche Regel?

    Tipp anzeigen

    Frag dich zuerst: Wo galt am Ende eine Regel für alle – auch für die, die dagegen waren? Das ist dein Kandidat. Beispiele: Aufteilung der Hallenzeiten im Verein, Ämtliplan zu Hause, Sitzordnung, Lautstärke-Regeln im Schulbus.

  2. Übernimm eine Rolle im Skatepark-Fall: Du bist Mitglied des Gemeinderats. Die Jugendlichen fordern den Standort beim Schulhaus, die Anwohner lehnen jeden Standort ab, das Budget ist knapp. Entwirf einen Kompromissvorschlag mit mindestens drei konkreten Punkten (z. B. Standort, Zeiten, Kosten) – und begründe bei jedem Punkt, welchem Interesse er entgegenkommt.

    Tipp anzeigen

    Ein tragfähiger Kompromiss gibt jeder Seite etwas: Was bekommen die Jugendlichen? Was bekommen die Anwohner? Was bekommt die Gemeindekasse? Denk auch an Regeln, die erst nach dem Bau wirken – etwa Ruhezeiten, Beleuchtung oder eine Testphase.

  3. Erkläre einer Person aus deinem Umfeld (Familie, Kollegin, Kollege) in höchstens einer Minute, warum die Handy-Regel eurer Klasse Politik ist, deine Zmittag-Wahl aber nicht. Verwende dabei die Wörter «Interessen», «aushandeln» und «verbindlich». Notiere anschliessend in zwei, drei Sätzen, welche Rückfrage dein Gegenüber gestellt hat – und wie du geantwortet hast.

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    Der Kern des Unterschieds: Wen bindet die Entscheidung? Nur dich – oder alle in der Gemeinschaft, auch die Überstimmten?