Wirtschaft ausprobieren: Dein Pausenkiosk und der Finanzberater
Acht Runden lang führst du deinen eigenen Pausenkiosk: Du kaufst ein, setzt Preise, erlebst Konkurrenz, Versicherung und Kredit – und siehst am Ende, was aus deinen CHF 100 geworden ist. Danach sitzt du einem Finanzberater gegenüber, der dir einen Konsumkredit und eine Restschuldversicherung verkaufen will. Und zum Schluss lebst du fünfzehn Jahre in einer Viertelstunde: vom ersten Lehrlingslohn mit 16 bis zu deinem dreissigsten Geburtstag, mit Fixkosten, Konsumfallen, Sparkonto, Depot und vielleicht einer eigenen Wohnung. Das achtzehnte Modul des Vertiefungsfachs «Wirtschaft & Politik» ist ein freiwilliges Vertiefungsmodul: kein neuer Stoff, sondern die Konzepte aus den Modulen 6–17 zum Anfassen – in zwei Planspielen und einem Rollenspiel.
Das lernst du hier
- Ich kann im Planspiel beobachten, wie die Nachfrage auf meinen Verkaufspreis reagiert, und daraus einen Preis ableiten, der Preis und Absatzmenge klug abwägt.
- Ich kann am eigenen Kiosk erklären, wie Konkurrenz meinen Preisspielraum begrenzt und warum Wettbewerb der Kundschaft nützt.
- Ich kann eine Versicherungsentscheidung als Tausch «grosses unplanbares Risiko gegen einen kleinen planbaren Betrag» beurteilen – auch im Nachhinein fair: Glück ohne Versicherung ist kein Beweis für eine kluge Entscheidung.
- Ich kann erklären, warum ein Kredit Einkäufe ermöglicht und trotzdem Geld kostet, und die Wirkung des Zinses auf die Restschuld beschreiben.
- Ich kann den Unterschied zwischen Konsum und Investition an Beispielen erklären und erkenne, wenn Verkaufsgespräche Begriffe beschönigend verwenden («in ein Auto investieren»).
- Ich kann Verkaufstechniken wie Dringlichkeit, sozialen Vergleich und das Familienargument erkennen und stelle bei Finanzprodukten die Frage: Wem nützt dieses Produkt zuerst?
- Ich kann ein monatliches Budget aus Nettolohn, Fixkosten und Lebenshaltung aufstellen und erklären, warum ein Notgroschen von rund drei Monatsausgaben griffbereit bleiben sollte.
- Ich kann den Zinseszinseffekt an einem Beispiel erklären und begründen, warum ein früher Beginn stärker wirkt als ein höherer Sparbetrag.
- Ich kann Sparkonto und breit gestreutes Wertschriftendepot gegenüberstellen, die Rolle der Streuung erklären und begründen, warum ein gutes Ergebnis am Kapitalmarkt kein Beweis für eine kluge Entscheidung ist.
- Ich kann die Hebelwirkung beim Wohneigentum erklären: warum ein Preisrückgang von 15 Prozent einen weit grösseren Teil des eingesetzten Eigenkapitals vernichtet und die Hypothek dabei unverändert bestehen bleibt.
LiLe: WAH.2.1 (Die Schülerinnen und Schüler können Prinzipien der Marktwirtschaft aufzeigen.), WAH.2.3 (Die Schülerinnen und Schüler können einen verantwortungsvollen Umgang mit Geld entwickeln.), WAH.3.3 (Die Schülerinnen und Schüler können kriterien- und situationsorientierte Konsumentscheidungen finden.)
Ein Modul zum Ausprobieren
Dieses Modul ist freiwillig – und es ist anders als die bisherigen: Es erklärt dir fast nichts Neues. Stattdessen wirfst du alles, was du in den Modulen 6 bis 17 gelernt hast, in drei Situationen, die es ernst meinen:
- Dein Pausenkiosk – ein Planspiel. Du führst acht Runden lang einen Kiosk, triffst jede Runde echte Entscheidungen und lebst mit den Folgen.
- Beim Finanzberater – ein Rollenspiel. Dir gegenüber sitzt ein freundlicher Verkäufer, der genau weiss, was er tut. Du hoffentlich auch.
- Dein Geld im Leben – ein Lebenssimulator. Fünfzehn Jahre vom ersten Lehrlingslohn mit 16 bis zu deinem dreissigsten Geburtstag, mit allem, was dazwischen passiert.
Du musst nicht alle drei Teile am Stück machen – jeder funktioniert für sich. Und es gibt kein «richtig durchspielen»: Verlieren ist hier ausdrücklich erlaubt. Ein Kiosk, der pleitegeht, lehrt dich mehr als ein Modul, das du nur liest.
Teil 1 – Dein Pausenkiosk: Worum es geht
Dein Ziel: Mach aus deinem Startkapital von CHF 100 in acht Runden möglichst viel – oder finde heraus, warum es weniger wird.
Die Regeln in fünf Sätzen:
- Du startest mit CHF 100 und führst deinen Kiosk über acht Runden.
- Jede Runde entscheidest du zwei Dinge: wie viele Snacks du einkaufst (CHF 1.00 pro Stück) und zu welchem Preis du sie verkaufst (CHF 1.50 bis CHF 4.00).
- Was du nicht verkaufst, verdirbt zur Hälfte – ein Notverkauf bringt dir nur den halben Einkaufspreis zurück.
- Unterwegs verändert sich die Lage: Konkurrenz eröffnet, dir wird eine Versicherung angeboten, dein Lieferant erhöht die Preise – und wenn dein Geld nicht reicht, kannst du bis CHF 50 Kredit aufnehmen, mit 10 % Zins pro Runde.
- Nach Runde 8 zeigt dir die Auswertung deinen Verlauf und dein Endkapital.
Ein Tipp statt einer Lösung: Wie deine Kundschaft auf Preise reagiert, verrät dir das Spiel nicht – finde es heraus. Spiel das Planspiel mehrmals durch und vergleiche Strategien: hoher Preis oder tiefer Preis, viel oder wenig Einkauf, mit oder ohne Versicherung. Das Spiel merkt sich deine Durchgänge, solange die Seite offen ist.
Planspiel: Dein Pausenkiosk
Acht Runden, zwei Entscheidungen pro Runde – der Rest ergibt sich. Viel Erfolg!
Das Spiel läuft abgeschottet in diesem Kasten und zählt als bearbeitet, sobald du es startest.
Reflexions-Quiz: Was ist in deinem Kiosk passiert?
Frage 1 von 5Fünf Fragen zu den Mechanismen hinter dem Spiel. Wenn du bei einer Frage unsicher bist: Spiel noch eine Runde und schau genau hin.
Du verlangst statt CHF 2.00 neu CHF 3.50 pro Snack – und verkaufst deutlich weniger. Warum?
Teil 2 – Seitenwechsel: Jetzt will dir jemand etwas verkaufen
Im Kiosk warst du die Anbieterin oder der Anbieter – du hast Preise gesetzt, Risiken abgewogen und vielleicht einen Kredit gebraucht. Jetzt wechselst du die Seite: Im folgenden Rollenspiel bist du die Kundschaft, und dir gegenüber sitzt ein Profi.
Stell dir vor, du bist ein paar Jahre älter, verdienst deinen ersten eigenen Lohn und schaust dich nach einem Auto um. Im Autocenter wirst du direkt an den Finanzierungsberater weitergereicht: Herr Vogt, freundlich, schnell, überzeugend.
Drei Dinge lohnt sich im Hinterkopf zu behalten:
- Begriffe: Eine Investition setzt heute Geld ein, damit später Ertrag oder Wert entsteht. Konsum verbraucht Geld für Dinge, die man nutzt und die dabei an Wert verlieren. Achte darauf, wie Herr Vogt diese Wörter verwendet.
- Techniken: Dringlichkeit («nur noch diese Woche»), sozialer Vergleich («Ihr Nachbar hat auch …») und Zahlen, die klein wirken («nur 250 im Monat») kennst du aus Modul 17 – hier begegnen sie dir im Gespräch statt im Onlineshop.
- Die wichtigste Frage bei jedem Finanzprodukt: Wem nützt es zuerst?
Du kannst das Gespräch mehrmals führen und bewusst verschiedene Wege ausprobieren – auch den, bei dem du alles unterschreibst. Schlimmer als ein Fehler im Rollenspiel ist nur derselbe Fehler später im Autohaus.
Rollenspiel: Beim Finanzberater
Du sprichst mit Herr Vogt – Finanzierungs- und Versicherungsberater im Autocenter.
Du sitzt im Autocenter. Das Wunschauto steht draussen, der Kaffee ist serviert, und Herr Vogt schlägt die Mappe auf. Wähle bei jedem Schritt, wie du reagierst – verschiedene Wege führen zu verschiedenen Ausgängen.
Herr Vogt
So, da wären wir! Sie haben ein gutes Auge – genau dieses Modell fährt im Moment jeder. Ihr Nachbar, Herr Marxer, hat letzte Woche übrigens auch in ein neues Auto investiert. Und das Schöne: Mit unserem Leasing plus einem kleinen Konsumkredit für die Anzahlung fahren Sie es schon morgen. Sollen wir das gleich festmachen?
Vertiefung: Erkläre es in eigenen Worten
Drei offene Aufgaben zum Gespräch bei Herrn Vogt. Schreib deine Antworten ins Textfeld – Cate gibt dir Rückmeldung, und deine Lehrperson sieht die Antworten im Report.
Erkläre in eigenen Worten – so merkst du am besten, was du schon verstanden hast.
Deine Antworten werden auf diesem Gerät gespeichert und gehen mit deinem nächsten Fortschritts-Report an die Lehrperson.
Ist ein privat geleastes Auto eine Investition? Begründe deine Antwort in drei bis fünf Sätzen – und nenne ein Beispiel, bei dem ein Auto tatsächlich eine Investition sein kann.
Tipp anzeigen
Prüffrage aus dem Modul: Setzt der Kauf heute Geld ein, damit später Ertrag oder Wert entsteht – oder wird etwas genutzt und verliert dabei an Wert? Für das Gegenbeispiel: Wer braucht ein Fahrzeug, um damit Geld zu verdienen?
Herr Vogt hat die Restschuldversicherung mit dem Schutz deiner Familie begründet. Was war die eigentliche Funktion dieses Produkts – und warum ist es trotzdem zu einfach, die Versicherung deshalb als «Abzocke» abzutun? Antworte in vier bis sechs Sätzen.
Tipp anzeigen
Denk an die Auskunft aus dem Gesprächsweg mit der Nachfrage «Wem nützt diese Versicherung zuerst?»: Wer bekommt im Ernstfall das Geld? Und aus Modul 11: Wann ist eine Versicherung grundsätzlich sinnvoll?
Woran hättest du im Gespräch merken können, dass Begriffe falsch oder beschönigend verwendet werden? Formuliere zwei bis drei konkrete Warnsignale – und zu jedem eine Prüffrage, die du im echten Gespräch stellen könntest.
Tipp anzeigen
Geh das Gespräch nochmals durch: Wo wurde «investieren» benutzt – und wofür? Wo kamen grosse Wörter («Sicherheit», «Ihre Liebsten») statt konkreter Zahlen? Wo wurde mit der Monatsrate statt mit den Gesamtkosten argumentiert?
Teil 3 – Dein Geld im Leben: fünfzehn Jahre in einer Viertelstunde
Im Kiosk warst du Anbieter, beim Finanzberater Kundschaft. Im letzten Teil bist du schlicht du selbst – nur ein paar Jahre weiter.
Du startest mit 16 Jahren und deinem ersten Lehrlingslohn und lebst fünfzehn Jahre lang Jahr für Jahr weiter, bis du dreissig bist. Jedes Jahr entscheidest du zwei Dinge: wie du lebst (sparsam, normal oder grosszügig) und was mit dem Übriggebliebenen geschieht (Sparkonto, Depot oder beides). Dazwischen passiert das Leben: Das Handy geht kaputt, ein Abo lockt mit einem Countdown, eine Kollegin fragt nach Geld, die Ferien wollen bezahlt werden – und irgendwann steht vielleicht eine eigene Wohnung zur Diskussion.
Drei Dinge, die du wissen solltest, bevor du anfängst:
- Nichts ist garantiert. Das Depot im Spiel schwankt, so wie die Börse in Wirklichkeit schwankt. In jedem Durchlauf kommt mindestens ein richtig schlechtes Jahr vor – wann es kommt und wie hart es ausfällt, ist jedes Mal anders. Ein Durchlauf kann auch schlecht enden.
- Neben dem Geld läuft eine zweite Anzeige mit: die finanzielle Anspannung. Sie misst, wie sehr dich deine Lage beschäftigt. Ein hoher Kontostand bei dauerhaft hoher Anspannung ist nicht dasselbe wie ein mittlerer Kontostand in Ruhe.
- Am Ende wird gerechnet, nicht geurteilt. Die Auswertung zeigt dir, was aus deinem Geld bis zur Pensionierung werden könnte – in drei Szenarien, weil niemand das eine kennt.
Ein Hinweis zum Schluss: Dieses Spiel ist keine Finanzberatung. Es kommen keine echten Anbieter, Produkte oder Marken vor, und alle Zahlen sind vereinfachte Modellwerte für Liechtenstein und die Ostschweiz.
Planspiel: Dein Geld im Leben
Fünfzehn Jahre, zwei Entscheidungen pro Jahr – und ein Leben, das dazwischenfunkt. Spiel es ruhig mehrmals: Der Zufall würfelt jedes Mal neu, deine Strategie nicht.
Das Spiel läuft abgeschottet in diesem Kasten und zählt als bearbeitet, sobald du es startest.
Reflexions-Quiz: Was hat dein Geld gemacht?
Frage 1 von 5Fünf Fragen zu den Mechanismen hinter dem Lebenssimulator. Wenn du bei einer unsicher bist: Spiel den Simulator nochmals und achte gezielt darauf.
Zwei Personen legen genau gleich viel zurück – CHF 200 im Monat während zwölf Jahren. A beginnt mit 19, B mit 41. Warum hat A mit 65 mehr als das Doppelte?
Zum Schluss: Drei Rollen, eine Erkenntnis
Du hast in diesem Modul alle Seiten gespielt. Als Kioskbetreiberin oder Kioskbetreiber hast du erlebt, dass hinter jedem Preis ein Abwägen steckt – Nachfrage, Konkurrenz, Risiko, Kreditkosten. Beim Finanzberater hast du erlebt, wie sich dieselben Konzepte anfühlen, wenn sie an dir angewendet werden. Und im Lebenssimulator hast du gesehen, was daraus über fünfzehn Jahre wird: dass kleine monatliche Beträge sich zu grossen Summen addieren – die geliehenen genauso wie die zurückgelegten.
Die Erkenntnis, die alle drei Teile verbindet: Wer die Mechanik kennt, entscheidet besser. Nicht immer richtig – dafür spielt der Zufall zu stark mit, im Spiel wie im Leben. Aber besser.
Und noch etwas, das der Lebenssimulator deutlicher zeigt als die anderen Teile: Ein gutes Ergebnis ist nicht immer verdient, und ein schlechtes nicht immer selbst verschuldet. Wer eine gute Börsenphase erwischt, Unterstützung aus der Familie bekommt oder nie krank wird, hat Glück gehabt – nicht unbedingt klug gehandelt. Was man beeinflussen kann, ist trotzdem nicht wenig: wann man anfängt, wie viel man zurücklegt, welche Schulden man eingeht und ob man sich Angebote genau anschaut.
Wenn du magst: Spiel eines der drei Spiele nochmals mit einer anderen Strategie. Freiwillig, versteht sich. Wie dieses ganze Modul.