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WPZyklus 3 (Sek I)9. Klasse (Sek I)ca. 45 Min.mittelLiLe

Persönliche Finanzen I: Budget, Sparen, Lohnabrechnung

Der erste Lehrlingslohn ist da – und am 25. des Monats ist das Konto leer? Im vierzehnten Modul des Vertiefungsfachs «Wirtschaft & Politik» lernst du, eine Lohnabrechnung zu lesen (Brutto, Abzüge, Netto), ein einfaches Monatsbudget aufzustellen und die Grundregel «zuerst sparen, dann ausgeben» anzuwenden – alles am durchgängigen Beispiel des ersten Lehrlingslohns.

Das lernst du hier

  • Ich kann ein einfaches Monatsbudget aufstellen: Einnahmen, fixe und variable Ausgaben und den Sparbetrag.
  • Ich kann die Grundregel «zuerst sparen, dann ausgeben» erklären und anwenden.
  • Ich kann eine Lohnabrechnung lesen: Bruttolohn, typische Abzüge und Nettolohn – und weiss, dass ich mit dem Nettolohn mein Budget plane.

LiLe: WAH.2.3 (Die Schülerinnen und Schüler können einen verantwortungsvollen Umgang mit Geld entwickeln.), WAH.3.3 (Die Schülerinnen und Schüler können kriterien- und situationsorientierte Konsumentscheidungen finden.)

Der erste eigene Lohn

Endlich: Der erste Lehrlingslohn ist auf dem Konto. Je nach Beruf sind das im ersten Lehrjahr meist zwischen rund CHF 600 und 1000 pro Monat – eigenes Geld, das du dir selbst verdient hast. Und genau jetzt entscheidet sich, wer das Sagen hat: du über dein Geld – oder dein Geld über dich.

Kennst du das «Monatsende-Loch»? Am Anfang des Monats fühlt sich das Konto voll an, es läuft Ausgang, Shopping, Essen unterwegs – und am 25. ist nichts mehr da, obwohl du gar nicht das Gefühl hattest, viel ausgegeben zu haben. Das passiert nicht, weil jemand schlecht rechnen kann. Es passiert, weil ohne Plan viele kleine Ausgaben unsichtbar bleiben.

Das Gegenmittel heisst Budget: ein einfacher Plan, der vor dem Monat festlegt, wohin dein Geld fliessen soll. Ein Budget ist keine Strafe und kein Verbot – es ist das Gegenteil: Es sorgt dafür, dass genug Geld für das da ist, was dir wichtig ist. In diesem Modul baust du eines auf – Schritt für Schritt, am Beispiel von Lina, Lernende im 3. Lehrjahr. Vorher schaust du dir aber an, was auf ihrem Lohnzettel eigentlich steht – denn geplant wird nicht mit dem Lohn, der im Vertrag steht, sondern mit dem, der wirklich ankommt.

Brutto ist nicht Netto: die Lohnabrechnung

Linas Lehrvertrag verspricht CHF 1100 pro Monat. Auf ihrem Konto landen aber CHF 1026. Ein Fehler? Nein – ein Fall fürs Kleingedruckte, die Lohnabrechnung:

  • Bruttolohn: der vereinbarte Lohn vor allen Abzügen – bei Lina CHF 1100. Mit dieser Zahl wird gerechnet, aufs Konto kommt sie nie.
  • Abzüge: kleine Anteile des Lohns, die direkt an Sozialversicherungen gehen. Bei Lina sind das:
    • AHV/IV: Die Alters- und Hinterlassenenversicherung zahlt die Renten der heutigen Rentnerinnen und Rentner – man nennt das den Generationenvertrag: Die Arbeitenden von heute finanzieren die Renten von heute, und später zahlt die nächste Generation für dich. Die IV sichert Menschen ab, die wegen Unfall oder Krankheit nicht mehr arbeiten können.
    • Nichtberufsunfall-Versicherung (NBU): dein Unfallschutz auch in der Freizeit – den obligatorischen Unfallschutz über den Arbeitgeber kennst du aus Modul 11; die NBU-Prämie trägst du selbst, darum steht sie als Abzug auf der Abrechnung.
    • Krankengeldversicherung: ersetzt einen Teil des Lohns, wenn du länger krank bist.
  • Nettolohn: Brutto minus Abzüge – bei Lina CHF 1026. Das ist die Zahl, mit der du dein Budget planst.

Zwei Dinge solltest du wissen, damit dich deine erste echte Abrechnung nicht verwirrt: Erstens beginnen die AHV/IV-Beiträge erst am 1. Januar des Jahres, in dem du 18 wirst – in den ersten Lehrjahren fehlt dieser Abzug deshalb oft, und der Lohnzettel ist entsprechend kürzer. Zweitens steht die Prämie der Krankenkassen-Grundversicherung nicht auf der Lohnabrechnung: Sie kommt separat per Rechnung. Die genauen Beträge und Prozentsätze unterscheiden sich je nach Betrieb und Beruf – wichtig ist das Prinzip: Brutto → Abzüge → Netto.

Linas Lohnabrechnung im Überblick

Beschriftetes Schaubild einer beispielhaften Lohnabrechnung. Oben die Kette: Bruttolohn minus Abzüge ergibt Nettolohn. Links ein Lohnzettel der Lohnabrechnung August für Lina Muster, Lernende im 3. Lehrjahr bei der Muster AG in Vaduz: Bruttolohn CHF 1100.00; darunter in Orange die Abzüge – AHV/IV (Alters- und Hinterlassenen- / Invalidenversicherung) minus CHF 52.00, Nichtberufsunfall-Versicherung NBU minus CHF 11.00, Krankengeldversicherung minus CHF 11.00, Total Abzüge minus CHF 74.00; zuunterst grün hervorgehoben der Nettolohn (Auszahlung aufs Konto) von CHF 1026.00. Rechts erklären drei Kästen mit Pfeilen die Positionen: Der Bruttolohn ist der im Lehrvertrag vereinbarte Lohn vor allen Abzügen. Die Sozialabzüge sind kleine Anteile des Lohns für Versicherungen – AHV/IV finanziert die heutigen Renten (Generationenvertrag) und sichert bei Invalidität ab, die NBU deckt Unfälle in der Freizeit, die Krankengeldversicherung ersetzt Lohn bei längerer Krankheit. Der Nettolohn ist Brutto minus Abzüge – das Geld, das tatsächlich aufs Konto kommt und mit dem das Budget geplant wird. Eine Fussnote erklärt: Beispielzahlen, gerundet; AHV/IV-Beiträge werden erst ab dem 1. Januar des Jahres abgezogen, in dem man 18 wird, und die Prämie der Krankenkassen-Grundversicherung wird separat per Rechnung bezahlt.
Von Brutto zu Netto: Die Abzüge gehen an Sozialversicherungen – geplant wird mit dem Nettolohn. Beispielzahlen, gerundet.Eigene Darstellung, EveryCate, CC BY-SA 4.0

Video: Mein erstes Budget

Das Erklärvideo (4:17) des Dachverbands Budgetberatung Schweiz richtet sich genau an Menschen in deiner Situation: erster Lohn, erste eigene Ausgaben. Achte beim Schauen auf zwei Leitfragen: (1) Welche festen Verpflichtungen nennt das Video – und welche davon würden auch in deinem Budget stehen? (2) Wie plant das Video unregelmässige Rechnungen und Sparziele ein? Vergleiche das nachher mit der Grundregel «zuerst sparen, dann ausgeben».

Transkript anzeigen

Das Erklärvideo des Dachverbands Budgetberatung Schweiz (4:17 Minuten) zeigt, warum ein persönliches Budget Sicherheit gibt – gerade beim ersten Lohn, beim Auszug von zuhause oder bei einem grösseren Wunsch wie einem Auto. Schritt für Schritt wird erklärt, wie man Einnahmen und Ausgaben einander gegenüberstellt: feste Verpflichtungen wie Handy, öffentlicher Verkehr oder ein Beitrag an Kost und Logis werden von den veränderlichen Ausgaben unterschieden, und für unregelmässige Rechnungen sowie Sparziele werden Reserven eingeplant. Die Beispiele rechnen in Schweizer Franken und passen damit direkt zur Lebenswelt von Lernenden in Liechtenstein und der Schweiz.

Das Monatsbudget: zuerst sparen, dann ausgeben

Ein Budget besteht aus vier Bausteinen:

  1. Einnahmen: alles, was hereinkommt – Nettolohn, eventuell Sackgeld oder der Zustupf von Verwandten.
  2. Sparbetrag: der Betrag, den du zuerst zur Seite legst – dazu gleich mehr.
  3. Fixe Ausgaben: kommen jeden Monat in gleicher Höhe – Handy-Abo, ÖV-Abo, ein Beitrag an Kost und Logis zuhause. Sie sind planbar, aber kurzfristig kaum veränderbar.
  4. Variable Ausgaben: schwanken von Monat zu Monat – Ausgang, Kleider, Essen unterwegs, Games. Hier hast du den grössten Spielraum.

Die wichtigste Regel dabei lautet: zuerst sparen, dann ausgeben. Das heisst: Der Sparbetrag wird gleich nach dem Lohneingang beiseitegelegt – wie eine Rechnung, die du an dich selbst bezahlst, am besten per Dauerauftrag auf ein separates Sparkonto. Wer es umgekehrt macht und spart, «was am Ende übrig bleibt», spart erfahrungsgemäss: nichts. Das Monatsende-Loch frisst den Rest zuverlässig auf.

Linas Budget sieht so aus:

PositionBetrag
Einnahmen: NettolohnCHF 1026
Sparbetrag (zuerst!)− CHF 100
Fix: Handy-Abo− CHF 30
Fix: ÖV-Abo− CHF 60
Fix: Beitrag an Kost und Logis− CHF 150
Bleibt für variable AusgabenCHF 686

Mit den CHF 100 pro Monat hat Lina nach einem Jahr CHF 1200 auf der Seite – ihr Töffli-Ziel (CHF 2400) erreicht sie so in zwei Jahren. Läuft ein Monat günstig, wandert der Rest zusätzlich aufs Sparkonto. Und wenn eine unerwartete Rechnung kommt – Zahnarzt, kaputtes Velo –, rettet sie die Reserve, statt dass Schulden entstehen. Genau davon handelt das nächste Modul.

Quiz: Budget und Lohnabrechnung

Frage 1 von 8

Zeig, dass du Lohnabrechnung und Budget im Griff hast. Du kannst das Quiz beliebig oft wiederholen – es zählt dein bestes Ergebnis.

Was ist der Bruttolohn?

Setze die Begriffe ein: Lohn und Budget

Ziehe die passenden Begriffe in die Lücken (am Handy: erst Wort antippen, dann Lücke). Achtung: Drei Wörter in der Auswahl passen nirgends.

Tippe zuerst ein Wort an und dann die Lücke, in die es gehört. Antippen einer gefüllten Lücke legt das Wort zurück.

Auf der Lohnabrechnung steht zuoberst der – der vereinbarte Lohn vor den Abzügen. Danach folgen die , zum Beispiel für die AHV/IV und die , die dich auch in der Freizeit gegen Unfälle schützt. Was übrig bleibt, ist der – der Betrag, der aufs Konto kommt und mit dem du planst. Im Budget unterscheidest du Ausgaben wie das Handy-Abo, die jeden Monat gleich hoch sind, von Ausgaben wie dem Ausgang. Die Grundregel lautet: zuerst , dann ausgeben – lege den gleich nach dem Lohneingang beiseite. Wer zudem unregelmässige Rechnungen im Voraus einplant, bildet . So behältst du die über dein Geld.

Rechne und tippe ein: Linas Budget

Jetzt wird gerechnet: Vervollständige Linas Budget und tippe die Zahlen ein – nur die Zahl, ohne «CHF». Nimm einen Taschenrechner, wenn du magst.

Linas Nettolohn beträgt CHF 1026. Als Erstes legt sie ihren Sparbetrag von CHF 100 beiseite. Ihre fixen Ausgaben: CHF 30 Handy-Abo, CHF 60 ÖV-Abo und CHF 150 Beitrag an Kost und Logis – zusammen CHF . Für variable Ausgaben bleiben ihr damit CHF . Im Juli gibt sie davon nur CHF 500 aus – sie kann also zusätzlich CHF auf die Seite legen. Allein mit dem festen Sparbetrag hat sie nach zwölf Monaten CHF gespart. Ihr Sparziel, ein Töffli für CHF 2400, erreicht sie mit dem festen Sparbetrag allein nach Monaten.

Zuordnen: fix, variabel – oder Sparen?

Ordne jeden Budgetposten der richtigen Kategorie zu: fix (jeden Monat gleich), variabel (schwankt von Monat zu Monat) oder Sparen. Jede Kategorie kommt mehrmals vor.

Tippe zuerst ein Wort an und dann die Lücke, in die es gehört. Antippen einer gefüllten Lücke legt das Wort zurück.

Handy-Abo. Ausgang am Wochenende. Betrag für dein Sparziel, den du dir gleich nach dem Lohneingang zur Seite legst. ÖV-Abo. Kleider. Notgroschen für unerwartete Rechnungen. Beitrag an Kost und Logis zuhause. Games und In-App-Käufe. Rücklage für das Töffli.

Vertiefung: Dein eigenes Budget

Erkläre in eigenen Worten – so merkst du am besten, was du schon verstanden hast.

Deine Antworten werden auf diesem Gerät gespeichert und gehen mit deinem nächsten Fortschritts-Report an die Lehrperson.

  1. Erstelle dein persönliches Monatsbudget nach Linas Vorlage: (1) Notiere deine Einnahmen (Sackgeld, Ferienjob, Zustupf). (2) Lege einen Sparbetrag fest, den du dir zuerst zur Seite legst – und ein konkretes Sparziel dazu. (3) Liste deine fixen Ausgaben auf. (4) Rechne aus, was für variable Ausgaben übrig bleibt.

    Tipp anzeigen

    Kein Lohn? Kein Problem – die Vorlage funktioniert auch mit CHF 50 Sackgeld. Wichtig ist die Struktur: Einnahmen − Sparbetrag − fixe Ausgaben = Spielraum für Variables. Als Sparbetrag ist ein Zehntel der Einnahmen ein bewährter Startwert. Und das Sparziel motiviert mehr, wenn es konkret ist: «Konzertticket im März» statt «irgendwann mal etwas».

  2. Dein Kollege ist jeden Monat ab dem 25. pleite und sagt: «Sparen bringt bei meinem kleinen Lohn nichts – ich spare dann halt, was am Ende übrig bleibt.» Antworte ihm in drei bis vier Sätzen: Erkläre die Grundregel «zuerst sparen, dann ausgeben» und mach ihm einen konkreten, umsetzbaren Vorschlag.

    Tipp anzeigen

    Warum bleibt bei «am Ende sparen» meistens nichts übrig? Denk an das Monatsende-Loch – und an den Dauerauftrag. Der Vorschlag wirkt stärker, wenn er klein und konkret ist: lieber CHF 30 sicher als CHF 100 nie.

  3. Bereite dich auf deine erste echte Lohnabrechnung vor: Formuliere drei Fragen, die du deiner Berufsbildnerin oder deinem Berufsbildner (oder deinen Eltern) zur Abrechnung stellen würdest – und überlege dir zu jeder Frage, welche Antwort du aufgrund dieses Moduls erwartest.

    Tipp anzeigen

    Gute Fragen setzen dort an, wo Abrechnungen überraschen: Warum ist Netto kleiner als Brutto? Welche Abzüge stehen bei mir drauf – und welche (noch) nicht? Wie ist das mit dem 13. Monatslohn in meinem Beruf? Wer bezahlt meine Krankenkassenprämie?