Banken: Aufgaben, Kredit und Zins
Was macht die Bank eigentlich mit deinem Ersparten? Im zwölften Modul des Vertiefungsfachs «Wirtschaft & Politik» lernst du die drei Kernaufgaben der Banken kennen, verstehst den Zins aus zwei Blickwinkeln – als Belohnung fürs Sparen und als Preis fürs Ausleihen – und rechnest selbst nach, wie die Bank an der Zinsdifferenz verdient. Zum Schluss wirfst du einen Blick auf den Finanzplatz Liechtenstein, einen der wichtigsten Wirtschaftszweige des Landes.
Das lernst du hier
- Ich kann die drei Kernaufgaben der Banken nennen: Einlagen entgegennehmen, Kredite vergeben und den Zahlungsverkehr abwickeln.
- Ich kann den Zins aus zwei Blickwinkeln erklären – als Belohnung fürs Sparen und als Preis fürs Ausleihen – und die Zinsdifferenz als Geschäftsmodell der Bank beschreiben.
- Ich kann erklären, warum die Bank vor einem Kredit die Kreditwürdigkeit prüft.
- Ich kann den Finanzplatz Liechtenstein als wichtigen Wirtschaftszweig des Landes einordnen.
LiLe: WAH.2.3 (Die Schülerinnen und Schüler können einen verantwortungsvollen Umgang mit Geld entwickeln.), WAH.5.2 (Die Schülerinnen und Schüler können soziale, rechtliche und ökonomische Aspekte im Alltag und im Zusammenleben recherchieren.)
Was macht die Bank mit deinem Geld?
Dein Ferienjob-Lohn liegt auf dem Jugendkonto. Aber liegt er dort wirklich – so wie ein Velo im Keller? Nein: Die Bank arbeitet mit diesem Geld. In Modul 4 hast du die Banken als Akteur im Wirtschaftskreislauf kennengelernt – und dort wurde dir ein Versprechen gemacht: Wie die Bank verdient und was ein Kredit kostet, schaust du dir «später im Modul über Banken» an. Genau da bist du jetzt.
Banken haben drei Kernaufgaben:
- Einlagen entgegennehmen: Sie sammeln das Geld der Sparenden ein – deinen Ferienjob-Lohn, das Ersparte deiner Grosseltern, die Festkasse des Vereins. Dieses Geld heisst Einlage.
- Kredite vergeben: Sie leihen das gesammelte Geld an jene weiter, die gerade mehr brauchen, als sie haben – der Bäckerei für den neuen Backofen, einer Familie für das Haus, einer Firma für Maschinen. Das geliehene Geld heisst Kredit.
- Zahlungsverkehr abwickeln: Sie bewegen Buchgeld von Konto zu Konto – der Lohn kommt herein, die Handyrechnung geht hinaus, die Kartenzahlung im Laden wird deinem Konto belastet. Ohne diese dritte Aufgabe würdest du heute kaum noch etwas bezahlen können.
Die Bank ist also eine Drehscheibe: Auf der einen Seite fliesst das Sparen hinein, auf der anderen Seite fliessen Kredite hinaus. So verbindet sie Menschen, die Geld übrig haben, mit Menschen, die Geld brauchen – und dein Erspartes steckt vielleicht indirekt im Backofen deiner Bäckerei.
Der Zins: Belohnung und Preis zugleich
Warum bringen die Sparenden ihr Geld überhaupt zur Bank – und warum gibt die Bank es nicht gratis weiter? Die Antwort heisst Zins. Er hat zwei Gesichter, je nachdem, auf welcher Seite du stehst:
- Für Sparende ist der Zins eine Belohnung: Wer der Bank Geld überlässt, bekommt dafür jedes Jahr einen kleinen Prozentsatz gutgeschrieben – den Sparzins.
- Für Kreditnehmende ist der Zins ein Preis: Wer sich Geld leiht, zahlt dafür jedes Jahr einen Prozentsatz – den Kreditzins. Geld ausleihen kostet etwas, genau wie das Mieten einer Wohnung.
Rechnen wir das durch – mit einfachem Jahreszins auf CHF 1000:
- Du legst CHF 1000 aufs Sparkonto, Sparzins 1 %: Nach einem Jahr erhältst du 1 % von 1000 = CHF 10 Zins.
- Die Bäckerei leiht sich CHF 1000, Kreditzins 4 %: Sie zahlt der Bank pro Jahr 4 % von 1000 = CHF 40 Zins.
Die Formel dahinter ist simpel: Zins = Betrag × Zinssatz. (Die Zinssätze hier sind Beispielzahlen – die tatsächlichen Sätze ändern sich laufend.)
Und jetzt siehst du das Geschäftsmodell der Bank: Sie zahlt den Sparenden 1 % und verlangt von den Kreditnehmenden 4 %. Die Zinsdifferenz von 3 Prozentpunkten bleibt bei der Bank – daraus bezahlt sie ihre Löhne, Filialen und Computer, und was übrig bleibt, ist ihr Gewinn. Der Kreditzins ist übrigens auch deshalb höher, weil die Bank ein Risiko trägt: Nicht jeder Kredit wird vollständig zurückbezahlt.
Video: Wie funktioniert das Bankgeschäft?
Das Erklärvideo (3:17) der Dualen Hochschule Baden-Württemberg (DHBW) Stuttgart zeigt das Bankgeschäft im Überblick. Achte beim Schauen auf zwei Leitfragen: (1) Welche zwei Seiten des Bankgeschäfts werden gezeigt – wer bringt Geld zur Bank, und wer leiht es sich aus? (2) Wie verdient die Bank ihr Geld? Vergleiche die Antwort mit der Zinsdifferenz aus diesem Modul.
Transkript anzeigen
Das Erklärvideo der DHBW Stuttgart (3:17 Minuten, ein Studienprojekt des Studiengangs BWL-Bank) erklärt die Kernfunktionen des Bankgeschäfts an einfachen Beispielen: Kundinnen und Kunden bringen ihr Geld als Einlagen zur Bank (Passivgeschäft), die Bank verleiht dieses Geld als Kredite weiter (Aktivgeschäft). Aus dem Zusammenspiel beider Seiten wird verständlich, wie Zinsen entstehen – und dass die Bank an der Differenz zwischen dem höheren Kreditzins und dem tieferen Sparzins verdient (Zinsdifferenzgeschäft). Das Video ist sachlich gehalten und enthält keine Finanzberatung.
Die Bank als Drehscheibe im Überblick

Kreditwürdigkeit: Wem leiht die Bank Geld?
Die Bank verleiht nicht ihr eigenes Geld – sie verleiht vor allem das Geld, das ihr die Sparenden anvertraut haben. Auch deinen Ferienjob-Lohn. Deshalb darf sie nicht leichtsinnig sein: Bevor sie einen Kredit vergibt, prüft sie die Kreditwürdigkeit (auch Bonität genannt) – die Frage: Kann und wird diese Person oder Firma das Geld samt Zins zurückzahlen?
Dafür schaut die Bank zum Beispiel auf:
- das Einkommen: Reicht der Lohn oder der Geschäftsgewinn, um die Raten zu stemmen?
- bestehende Schulden: Wer schon viele Kredite laufen hat, trägt ein höheres Risiko.
- das bisherige Zahlungsverhalten: Wurden frühere Rechnungen und Kredite zuverlässig bezahlt?
- bei Firmen: den Geschäftsplan – lohnt sich der neue Backofen überhaupt?
Fällt die Prüfung schlecht aus, hat das Folgen: Die Bank lehnt den Kredit ab – oder sie verlangt einen höheren Zins, weil sie ein grösseres Risiko trägt. Das wirkt streng, schützt aber beide Seiten: die Sparenden davor, dass ihr Geld verloren geht, und die Kreditnehmenden davor, sich Schulden aufzuladen, die sie nicht tragen können. Was passiert, wenn Schulden trotzdem aus dem Ruder laufen, schaust du dir in Modul 15 an.
Der Finanzplatz Liechtenstein
Für Liechtenstein sind Banken weit mehr als praktische Dienstleister – sie sind ein zentraler Wirtschaftszweig. Ein paar Grössenordnungen:
- In Liechtenstein gibt es 11 Banken – für ein Land mit gut 40 000 Einwohnerinnen und Einwohnern bemerkenswert viele.
- Der Finanzsektor (Banken, Versicherungen, Treuhand) erwirtschaftet gut einen Fünftel der gesamten Wirtschaftsleistung des Landes – nur die Industrie trägt noch mehr bei.
- Die liechtensteinischen Banken verwalten Kundenvermögen von über 500 Milliarden Franken – ein Vielfaches dessen, was das kleine Land selbst erwirtschaftet. Viele Kundinnen und Kunden kommen aus dem Ausland.
Warum ausgerechnet Liechtenstein? Dazu gehören die stabile Währung (der Schweizer Franken aus Modul 10), die politische Stabilität, die Mitgliedschaft im Europäischen Wirtschaftsraum (EWR) – und viel aufgebautes Vertrauen: Bei Geld zählt Verlässlichkeit mehr als alles andere.
Für dich heisst das ganz praktisch: Der Finanzplatz bietet viele Arbeitsplätze und Lehrstellen – zum Beispiel die KV-Lehre bei einer Bank. Detailwissen über Bankprodukte brauchst du dafür jetzt noch nicht; wichtig ist das Bild: Banken sind für Liechtenstein das, was für andere Regionen eine grosse Fabrik ist – ein Pfeiler der Wirtschaft.
Quiz: Banken, Kredit und Zins
Frage 1 von 8Zeig, dass du das Bankgeschäft durchschaust. Du kannst das Quiz beliebig oft wiederholen – es zählt dein bestes Ergebnis.
Welches sind die drei Kernaufgaben einer Bank?
Setze die Begriffe ein: Das Bankgeschäft
Ziehe die passenden Begriffe in die Lücken (am Handy: erst Wort antippen, dann Lücke). Achtung: Drei Wörter in der Auswahl passen nirgends.
Tippe zuerst ein Wort an und dann die Lücke, in die es gehört. Antippen einer gefüllten Lücke legt das Wort zurück.
Banken haben drei Kernaufgaben: Sie nehmen entgegen, vergeben und wickeln den ab. Die Bank ist damit eine zwischen Sparenden und Kreditnehmenden. Wer spart, erhält den – die Belohnung dafür, dass er der Bank Geld überlässt. Wer sich Geld leiht, bezahlt den höheren – den Preis fürs Ausleihen. Die Differenz dazwischen ist das der Bank: Daraus bezahlt sie ihre Kosten – was übrig bleibt, ist ihr Gewinn. Bevor die Bank Geld verleiht, prüft sie die : Kann diese Person das Geld samt Zins ? Das ist wichtig, denn die Bank verleiht vor allem das Geld, das ihr die anvertraut haben.
Tippe die Antworten ein: Zinsen rechnen
Hier gibt es keine Wortauswahl mehr – tippe die fehlenden Zahlen und Begriffe selbst ein. Bei den Zahlen genügt die Zahl ohne «CHF». Gross-/Kleinschreibung spielt keine Rolle.
Du bringst CHF 1000 auf die Bank; der Sparzins beträgt 1 Prozent. Nach einem Jahr bekommst du CHF Zins gutgeschrieben. Gleichzeitig leiht die Bank der Bäckerei CHF 1000 zu 4 Prozent Kreditzins – die Bäckerei zahlt ihr also CHF Zins pro Jahr. Aus der zwischen Kredit- und Sparzins bezahlt die Bank ihre Kosten – und was übrig bleibt, ist ihr Gewinn. Ob jemand überhaupt einen Kredit erhält, hängt von seiner ab. Und dass die Banken in Liechtenstein gut einen Fünftel der Wirtschaftsleistung miterwirtschaften, zeigt: Der ist einer der wichtigsten Wirtschaftszweige des Landes.
Zuordnen: Welche Kernaufgabe der Bank steckt dahinter?
Ordne jeder Situation die passende Kernaufgabe zu: Einlagen (entgegennehmen), Kredit (vergeben) oder Zahlungsverkehr (abwickeln). Jede Aufgabe kommt mehrmals vor.
Tippe zuerst ein Wort an und dann die Lücke, in die es gehört. Antippen einer gefüllten Lücke legt das Wort zurück.
Du zahlst dein Ferienjob-Geld aufs Jugendkonto ein. Die Bäckerei finanziert den neuen Backofen über die Bank. Dein Lehrbetrieb überweist dir den Lohn aufs Konto. Deine Grossmutter legt ihr Erspartes auf ein Sparkonto. Ein Ehepaar leiht sich bei der Bank Geld für den Hauskauf. Du bezahlst die Handyrechnung per E-Banking. Der Sportverein legt die Einnahmen vom Fest aufs Vereinskonto. Eine Schreinerei nimmt bei der Bank Geld für eine neue Maschine auf. Deine Kartenzahlung im Laden wird deinem Konto belastet.
Vertiefung: Du und deine Bank
Erkläre in eigenen Worten – so merkst du am besten, was du schon verstanden hast.
Deine Antworten werden auf diesem Gerät gespeichert und gehen mit deinem nächsten Fortschritts-Report an die Lehrperson.
Rechne selbst: (a) Du legst CHF 600 Ferienjob-Lohn zu 1 % Jahreszins an – wie viel Zins bekommst du nach einem Jahr? (b) Deine Nachbarin leiht sich CHF 3000 für ein E-Bike zu 6 % Jahreszins – wie viel Zins zahlt sie im ersten Jahr? (c) Erkläre in einem Satz, warum der Kreditzins praktisch immer höher ist als der Sparzins.
Tipp anzeigen
Die Formel: Zins = Betrag × Zinssatz. Rechne den Prozentsatz als Dezimalzahl (1 % = 0.01, 6 % = 0.06). Für (c): Wovon lebt die Bank – und welches Risiko trägt sie bei jedem Kredit?
Überlege und begründe: Warum ist es auch für dich als Sparerin oder Sparer wichtig, dass die Bank Kredite sorgfältig prüft und nicht jedem Geld leiht?
Tipp anzeigen
Wessen Geld verleiht die Bank eigentlich? Und was würde passieren, wenn viele Kredite nicht zurückbezahlt würden?
Mini-Recherche Finanzplatz: Finde heraus, welche Banken es in Liechtenstein gibt (drei genügen) und ob sie Lehrstellen anbieten – zum Beispiel die KV-Lehre. Notiere, was dich an einem Beruf bei der Bank reizen würde – oder eben nicht, mit Begründung.
Tipp anzeigen
Startpunkte: die Website des Liechtensteinischen Bankenverbands (bankenverband.li) oder die Lehrstellen-Seiten der Banken selbst. Die drei grössten Banken des Landes findest du in wenigen Minuten.