Versicherungen: sinnvoll oder unnötig?
Handyversicherung: ja oder nein? Im elften Modul des Vertiefungsfachs «Wirtschaft & Politik» lernst du das Grundprinzip jeder Versicherung kennen – das Kollektiv trägt das Risiko des Einzelnen – und wendest zwei Faustregeln an, mit denen du sinnvolle von unnötigen Angeboten unterscheidest. Zum Schluss sortierst du zehn Versicherungsprodukte in fünf Kategorien von «obligatorisch» bis «kritisch prüfen».
Das lernst du hier
- Ich kann das Grundprinzip einer Versicherung erklären: Das Kollektiv trägt das Risiko des Einzelnen, die Prämie ist der Preis dafür.
- Ich kann die zwei Faustregeln anwenden: existenzbedrohende Risiken versichern, kleine Schäden selbst tragen – und Versichern nicht mit Sparen vermischen.
- Ich kann Versicherungen in die Kategorien obligatorisch, sehr sinnvoll, situativ, meist unnötig und kritisch prüfen einordnen.
LiLe: WAH.5.2 (Die Schülerinnen und Schüler können soziale, rechtliche und ökonomische Aspekte im Alltag und im Zusammenleben recherchieren.), WAH.3.3 (Die Schülerinnen und Schüler können kriterien- und situationsorientierte Konsumentscheidungen finden.)
Der Ball, das Fenster – und die grosse Frage
Beim Fussballspielen im Quartier landet dein Ball im Wintergarten des Nachbarn – Scheibe kaputt, Schaden: ein paar Hundert Franken. Ärgerlich, aber verkraftbar. Jetzt stell dir vor, du fährst mit dem Velo eine Fussgängerin an, sie stürzt unglücklich und kann monatelang nicht arbeiten. Plötzlich geht es um Hunderttausende von Franken Schadenersatz – Geld, das weder du noch deine Familie einfach so hat.
Genau für solche Fälle gibt es Versicherungen. Ihr Grundprinzip ist verblüffend einfach: Viele zahlen regelmässig einen Beitrag in einen gemeinsamen Topf – und die wenigen, die einen Schaden erleiden, werden daraus entschädigt. Man sagt: Das Kollektiv trägt das Risiko des Einzelnen.
Ein Rechenbeispiel: In einem Ort besitzen 1000 Personen ein Velo im Wert von CHF 800. Pro Jahr werden erfahrungsgemäss etwa 10 Velos gestohlen – Gesamtschaden: CHF 8000. Teilen sich alle 1000 diesen Schaden, zahlt jede Person CHF 8 pro Jahr. Dazu kommen die Kosten und der Gewinn der Versicherung – die Prämie liegt also vielleicht bei CHF 12. Das ist der Preis dafür, dass du dein Risiko abgibst: Du zahlst wenig und sicher – statt selten, aber dann existenzbedrohend viel.
Daran siehst du auch: Eine Versicherung ist kein Sparkonto. Im Normalfall zahlst du über die Jahre mehr ein, als du herausbekommst – dafür bist du geschützt, wenn es dich trifft. Ob sich das lohnt, hängt vom Risiko ab. Dafür gibt es zwei Faustregeln.
Zwei Faustregeln für den Versicherungsdschungel
Faustregel 1: Existenzbedrohende Risiken versichern – kleine Schäden selbst tragen.
Ein zerbrochenes Handydisplay wirft dich nicht aus der Bahn: Das ist ein kleiner, tragbarer Schaden. Ein Haftpflichtfall in Millionenhöhe dagegen würde dich und deine Familie ein Leben lang belasten – ein existenzbedrohendes Risiko. Da in jeder Prämie auch Verwaltungskosten und Gewinn der Versicherung stecken, gilt: Wer jeden Kleinkram versichert, zahlt auf Dauer drauf. Wer das grosse Risiko nicht versichert, riskiert alles. Versichere also das, was du nicht selbst tragen kannst.
Faustregel 2: Versichern und Sparen nicht vermischen.
Manche Produkte – typisch ist die gemischte Lebensversicherung – verpacken Versicherungsschutz und Sparplan in einem Vertrag. Das klingt praktisch, ist aber meist teuer und unflexibel: Die Kosten sind schwer zu durchschauen, und wer früher aussteigt, verliert oft Geld. Die Faustregel trennt sauber: Schutz kaufst du mit einer reinen Versicherung, gespart wird separat – so bleibst du flexibel und siehst genau, was dich was kostet.
Noch ein Begriff, der dir überall begegnet: der Selbstbehalt (auch Selbstbeteiligung). Das ist der Anteil am Schaden, den du selbst übernimmst, bevor die Versicherung zahlt. Er hat einen klugen Zweck: Wer selbst mitbezahlt, bleibt vorsichtig und meldet nicht jeden Bagatellschaden – das hält die Prämien für alle tief.
Video: Wie funktionieren Versicherungen?
Das Lernvideo (4:48) des Schweizer Bildungsanbieters Eduty erklärt das Grundprinzip von Versicherungen. Achte beim Schauen auf zwei Leitfragen: (1) Wie beschreibt das Video den gemeinsamen Topf – wer zahlt hinein, und wer bekommt etwas heraus? (2) Was bedeutet «Moral Hazard» – und wie hilft die Selbstbeteiligung gegen dieses Problem?
Transkript anzeigen
Das Lernvideo von Eduty (4:48 Minuten) führt in das Thema Versicherungen ein. Es stellt drei Versicherungsarten vor und erklärt die grundsätzliche Funktionsweise: Viele Versicherte zahlen regelmässig eine Prämie in einen gemeinsamen Topf, aus dem die Versicherung den Schaden des Einzelnen deckt – das Kollektiv trägt das Risiko des Einzelnen. Danach behandelt das Video das Problem des «Moral Hazard»: Wer versichert ist, könnte sich riskanter verhalten, weil er den Schaden nicht mehr selbst trägt. Als Gegenmittel wird die Selbstbeteiligung (der Selbstbehalt) erklärt, bei der Versicherte einen Teil des Schadens selbst übernehmen – so bleibt Vorsicht attraktiv, und die Prämien bleiben tiefer.
Fünf Kategorien: von «Pflicht» bis «kritisch prüfen»
Mit den zwei Faustregeln kannst du fast jedes Versicherungsangebot einer von fünf Kategorien zuordnen:
- Obligatorisch – hier hast du keine Wahl, Gesetz oder Arbeitsvertrag schreiben sie vor: die Krankenkasse (Grundversicherung – in Liechtenstein für alle Pflicht, die hier wohnen oder arbeiten), die Unfallversicherung über den Arbeitgeber (du bist ab dem ersten Tag deiner Anstellung automatisch versichert – wichtig für deinen Lehrbeginn!) und die Motorfahrzeug-Haftpflicht (ohne sie darf kein Auto und kein Töffli auf die Strasse). Eine liechtensteinische Besonderheit: Für Arbeitnehmende ab 15 Jahren ist zudem eine Krankengeldversicherung obligatorisch – sie ersetzt einen Teil des Lohns bei längerer Krankheit.
- Sehr sinnvoll – die Privathaftpflicht: Für rund hundert Franken im Jahr deckt sie Schäden, die du anderen zufügst – und die können in die Millionen gehen. Faustregel 1 in Reinform: kleine Prämie gegen existenzbedrohendes Risiko.
- Situativ – je nach Lebenslage sinnvoll: Hausrat (lohnt sich mit eigener Wohnung), Vollkasko (beim neuen, teuren Auto – beim alten Occasionswagen kaum), Reiseversicherung (bei der teuren Fernreise vielleicht, fürs Wochenende im Tessin nicht).
- Meist unnötig – Handy- und Geräteversicherungen, Garantieverlängerungen: Der mögliche Schaden ist klein und tragbar, die Prämie im Verhältnis hoch – für die Anbieter sind solche Policen (so heissen Versicherungsverträge) ein sehr gutes Geschäft, für dich selten.
- Kritisch prüfen – die gemischte Lebensversicherung: Sie verletzt Faustregel 2, weil sie Versichern und Sparen vermischt. Vor einem Abschluss unbedingt unabhängig beraten lassen und Alternativen vergleichen.
Wichtig: Die Kategorien 3 bis 5 bedeuten nicht «immer falsch» – sie bedeuten: erst denken, dann unterschreiben. Genau dieses Einordnen übst du gleich.
Das Stufenschema der Versicherungskategorien

Quiz: Versicherungen verstehen
Frage 1 von 8Zeig, dass du das Versicherungsprinzip und die Faustregeln verstanden hast. Du kannst das Quiz beliebig oft wiederholen – es zählt dein bestes Ergebnis.
Was bedeutet der Satz «Das Kollektiv trägt das Risiko des Einzelnen»?
Setze die Begriffe ein: Das Versicherungsprinzip
Ziehe die passenden Begriffe in die Lücken (am Handy: erst Wort antippen, dann Lücke). Achtung: Drei Wörter in der Auswahl passen nirgends.
Tippe zuerst ein Wort an und dann die Lücke, in die es gehört. Antippen einer gefüllten Lücke legt das Wort zurück.
Eine Versicherung beruht auf einem einfachen Prinzip: Viele Menschen zahlen regelmässig eine in einen gemeinsamen Topf. Erleidet ein Mitglied einen , wird dieser aus dem Topf bezahlt – das trägt so das Risiko des Einzelnen. Faustregel 1 lautet: Versichere Risiken – kleine Schäden trägst du besser . Ein Paradebeispiel ist die : Für eine kleine Prämie deckt sie Schäden, die in die gehen können. Handy- und Geräteversicherungen sind dagegen meist , denn ein kaputtes Display ist ärgerlich, aber tragbar. Faustregel 2 warnt: und Sparen nicht vermischen – die gemischte verletzt genau diese Regel.
Tippe die Begriffe ein: Versichert im Alltag
Hier gibt es keine Wortauswahl mehr – tippe die fehlenden Begriffe selbst ein. Gross-/Kleinschreibung spielt keine Rolle.
Ab dem ersten Arbeitstag deiner Lehre bist du über den obligatorisch gegen Unfälle versichert. Die Grundversicherung der ist in Liechtenstein für alle Pflicht, die hier wohnen oder arbeiten. Wer ein Auto oder Töffli einlöst, braucht zwingend eine Motorfahrzeug-. Den regelmässigen Preis, den du für den Versicherungsschutz bezahlst, nennt man . Und trägst du bei einem Schaden einen Teil selbst, heisst dieser Anteil .
Zuordnen: Zehn Produkte, fünf Kategorien
Ordne jedes Versicherungsprodukt der passenden Kategorie zu: obligatorisch, sehr sinnvoll, situativ, meist unnötig oder kritisch prüfen. Einige Kategorien kommen mehrmals vor. Überlege bei jedem Produkt: Was sagen die zwei Faustregeln?
Tippe zuerst ein Wort an und dann die Lücke, in die es gehört. Antippen einer gefüllten Lücke legt das Wort zurück.
Grundversicherung der Krankenkasse. Unfallversicherung über den Lehrbetrieb. Motorfahrzeug-Haftpflicht fürs Töffli. Privathaftpflicht. Hausratversicherung für die erste eigene Wohnung. Vollkasko für das brandneue Auto. Reiseversicherung für die gebuchte Fernreise. Displayversicherung fürs neue Handy. Garantieverlängerung für die Spielkonsole. Gemischte Lebensversicherung (Schutz und Sparplan in einem).
Vertiefung: Der Versicherungscheck
Erkläre in eigenen Worten – so merkst du am besten, was du schon verstanden hast.
Deine Antworten werden auf diesem Gerät gespeichert und gehen mit deinem nächsten Fortschritts-Report an die Lehrperson.
Deine Kollegin hat sich ein Handy für CHF 900 gekauft. Die Verkäuferin bietet ihr eine Geräteversicherung an: CHF 8 pro Monat, bei einem Schaden trägt sie CHF 100 Selbstbehalt. Berate deine Kollegin: Rechne aus, was die Versicherung über die typische Nutzungsdauer von zwei bis drei Jahren kostet, und wende Faustregel 1 an.
Tipp anzeigen
Rechne zuerst die Prämien zusammen: CHF 8 × 24 Monate bzw. × 36 Monate. Vergleiche mit den Kosten einer typischen Reparatur (ein Displaytausch kostet oft CHF 200 bis 350) – und vergiss den Selbstbehalt nicht. Und dann die Kernfrage von Faustregel 1: Wäre der Schaden existenzbedrohend?
Mach den Versicherungscheck zuhause: Frage deine Eltern oder eine andere erwachsene Person, welche Versicherungen sie haben. Wähle drei davon aus und ordne sie den fünf Kategorien aus diesem Modul zu. Gibt es eine Versicherung, über die ihr diskutieren würdet?
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Typische Kandidaten: Krankenkasse, Privathaftpflicht, Hausrat, Autoversicherungen (Haftpflicht? Teilkasko? Vollkasko?), Reiseversicherung, Rechtsschutz, Lebensversicherung. Frag auch nach: Warum wurde diese Versicherung abgeschlossen – und wann zuletzt überprüft?
Erkläre einer Person aus deinem Umfeld das Versicherungsprinzip mit dem Velo-Beispiel aus dem Modul (1000 Velos, 10 Diebstähle pro Jahr) – und beantworte danach ihre Rückfrage: «Und warum ist die Prämie höher als die CHF 8, die rechnerisch nötig wären?»
Tipp anzeigen
Baue die Erklärung in drei Schritten auf: gemeinsamer Topf, wer bekommt etwas daraus, warum sich das für alle lohnt. Für die Rückfrage: Was muss eine Versicherung neben den Schäden noch bezahlen – und wofür arbeitet sie?