Geld: Funktionen und Geschichte
Warum bekommst du für ein Stück bedrucktes Papier ein ganzes Zmittag? Im zehnten Modul des Vertiefungsfachs «Wirtschaft & Politik» – dem Auftakt zum Themenblock C «Geld, Banken, Finanzwissen» – lernst du die drei Funktionen des Geldes kennen, reist vom Tauschhandel bis zum digitalen Bezahlen durch die Geschichte des Geldes und erfährst, warum Liechtenstein mit dem Schweizer Franken zahlt.
Das lernst du hier
- Ich kann die drei Funktionen des Geldes – Tauschmittel, Wertaufbewahrung und Recheneinheit – erklären und in Alltagssituationen erkennen.
- Ich kann die Entwicklung des Geldes vom Tauschhandel über Warengeld, Münzen und Papiergeld bis zum Buchgeld und digitalen Geld skizzieren.
- Ich kann erklären, warum Liechtenstein den Schweizer Franken als Währung nutzt.
LiLe: WAH.2.3 (Die Schülerinnen und Schüler können einen verantwortungsvollen Umgang mit Geld entwickeln.), WAH.2.1 (Die Schülerinnen und Schüler können Prinzipien der Marktwirtschaft aufzeigen.)
Eine Welt ohne Geld
Stell dir vor, es gäbe kein Geld. Du willst in der Pause den Schokoriegel deiner Kollegin – und bietest ihr dafür dein Käsebrot an. Sie mag aber kein Käsebrot. Also musst du zuerst jemanden finden, der dein Käsebrot gegen etwas tauscht, das sie will. Viel Glück.
Genau das ist das Problem des reinen Tauschhandels: Ein Tausch klappt nur, wenn beide Seiten genau das anbieten, was die andere gerade will. Fachleute nennen das die doppelte Übereinstimmung der Wünsche – und sie ist selten. Eine Schreinerin, die Brot braucht, müsste einen Bäcker finden, der zufällig gerade einen Tisch will.
Mit Geld löst sich das Problem: Die Schreinerin verkauft den Tisch an irgendjemanden – und kauft mit dem Geld Brot, bei irgendeinem Bäcker. Geld ist das Hilfsmittel, das den Tausch in zwei einfache Schritte zerlegt: verkaufen und kaufen.
In diesem Modul startest du in den Themenblock C «Geld, Banken, Finanzwissen». Aus Modul 3 kennst du den Geldstrom, der im Wirtschaftskreislauf fliesst – jetzt schaust du dir das Geld selbst an: Was es leistet, woher es kommt und warum in Liechtenstein ausgerechnet der Schweizer Franken (CHF) im Portemonnaie steckt.
Die drei Funktionen des Geldes
Geld ist mehr als «etwas zum Bezahlen». Es erfüllt drei Funktionen – und erst alle drei zusammen machen es so nützlich:
- Tauschmittel: Geld wird von allen akzeptiert. Du kannst dein Sackgeld am Kiosk, im Onlineshop oder im Schwimmbad ausgeben – niemand fragt, ob du stattdessen ein Käsebrot zu bieten hast. Das funktioniert, weil alle darauf vertrauen, dass auch sie das Geld wieder ausgeben können.
- Wertaufbewahrung: Geld trägt Wert in die Zukunft. Deinen Ferienjob-Lohn vom Sommer kannst du aufs Konto legen und nächstes Jahr ein Töffli davon kaufen. Ein Korb Erdbeeren wäre bis dahin verdorben – Geld nicht. Diese Funktion steht und fällt allerdings damit, dass das Geld stabil bleibt: Verliert es rasch an Wert, taugt es nicht mehr zum Aufbewahren. Dazu gleich mehr.
- Recheneinheit (auch: Wertmassstab): Geld macht Werte vergleichbar. Kostet das eine Velo CHF 600 und das andere CHF 300, siehst du sofort: Das erste ist doppelt so teuer. Ohne gemeinsamen Massstab müsstest du rechnen wie auf dem Tauschmarkt: Wie viele Käsebrote ist ein Velo wert – und wie viele Schokoriegel ein Käsebrot?
Merkhilfe: Geld ist Zahlungshelfer, Sparbüchse und Massstab in einem.
Eine kurze Zeitreise des Geldes
Geld wurde nicht an einem Tag erfunden – es hat sich über Jahrtausende entwickelt. Jede neue Form löste ein Problem der alten:
- Tauschhandel: Ware gegen Ware – umständlich, wie du gesehen hast.
- Warengeld: Begehrte Waren wie Salz, Muscheln oder Vieh wurden zum allgemein akzeptierten Zahlungsmittel: Jeder nahm sie an, weil sie für alle wertvoll waren. Im alten Rom leitet sich das Wort für Geld – «pecunia» – vom Wort für Vieh ab. Aber: Vieh ist schwer zu transportieren, Salz wird nass, Muscheln zerbrechen.
- Münzen: Vor rund 2700 Jahren liessen Herrscher im Reich Lydien (in der heutigen Türkei) erstmals Münzen aus Edelmetall prägen: haltbar, zählbar, überall gleich viel wert. Die Idee verbreitete sich rasch rund ums Mittelmeer.
- Papiergeld: In China bezahlte man schon vor rund 1000 Jahren mit Scheinen, in Europa ab dem 17. Jahrhundert. Der Trick: Der Wert steckt nicht mehr im Material. Ein Schein ist nur bedrucktes Papier – wertvoll wird er durch das Vertrauen, dass ihn alle annehmen.
- Buchgeld: Mit den modernen Banken kam Geld dazu, das nur noch als Zahlen auf Konten existiert. Wenn dein Lohn «überwiesen» wird, wandert kein Nötli – nur Zahlen ändern sich. Heute existiert der grösste Teil allen Geldes so.
- Digitales Bezahlen: Karte, Handy, App – Buchgeld für unterwegs. Als jüngste Station sind Kryptowährungen wie Bitcoin dazugekommen; was dahintersteckt, schaust du dir in Modul 13 genauer an.
Der rote Faden dieser Reise: Geld wurde immer leichter, praktischer und abstrakter – und damit wurde das Vertrauen immer wichtiger, das alles zusammenhält.
Der Zeitstrahl des Geldes

Video: Geld – wie ist es entstanden?
Das Erklärvideo (5:32) aus der Reihe «SRF Kids – Clip und klar!» erzählt die Entstehung des Geldes. Achte beim Schauen auf zwei Leitfragen: (1) Welches Problem des Tauschhandels führte dazu, dass die Menschen Geld erfanden? (2) Welche Stationen des Zeitstrahls aus diesem Modul erkennst du im Video wieder – und in welcher Reihenfolge? Notiere dir zudem ein Beispiel für Warengeld, das im Video vorkommt.
Transkript anzeigen
Das Erklärvideo von SRF Kids (Reihe «Clip und klar!», 5:32 Minuten) erklärt, wie das Geld entstanden ist: Am Anfang stand der Tauschhandel – Ware gegen Ware. Weil Tauschpartner oft nicht das Passende anzubieten hatten, brauchte es ein Tauschmittel, das alle akzeptieren. Das Video zeichnet die Entwicklung nach: von frühen Formen des Warengelds über die ersten Münzen bis zu Banknoten und zum heutigen bargeldlosen, digitalen Bezahlen. Moderatorin Reena zeigt dabei, warum Geld nur funktioniert, wenn alle ihm vertrauen.
Warum zahlt Liechtenstein mit dem Schweizer Franken?
Liechtenstein hat keine eigene Währung – im Portemonnaie steckt der Schweizer Franken. Das hat eine handfeste Geschichte:
Bis in die 1920er-Jahre zahlte man in Liechtenstein mit der österreichischen Krone. Nach dem Ersten Weltkrieg verlor die Krone durch die riesige Inflation in Österreich dramatisch an Wert – Ersparnisse schmolzen dahin. Hier siehst du eine Geldfunktion im Ernstfall: Ein Geld, das ständig an Wert verliert, taugt nicht mehr zur Wertaufbewahrung – und bald will es auch niemand mehr als Tauschmittel annehmen. 1924 führte Liechtenstein deshalb den stabilen Schweizer Franken ein. 1980 besiegelten Liechtenstein und die Schweiz die Zusammenarbeit offiziell im Währungsvertrag (in Kraft seit 1981): Der Franken ist seither auch rechtlich die Währung Liechtensteins, und das Land gehört zum Schweizer Währungsraum.
Warum macht ein Land das? Für einen kleinen Wirtschaftsraum mit gut 40 000 Einwohnerinnen und Einwohnern wäre eine eigene Währung teuer und riskant: Sie würde stark schwanken, und der Aufwand für eine eigene Notenbank wäre riesig. Der Anschluss an eine grosse, stabile Währung bringt dagegen Vertrauen – für die Menschen, die sparen, und für die Unternehmen, die mit dem Ausland handeln. Da Liechtenstein und die Schweiz wirtschaftlich ohnehin eng verflochten sind (seit 1923 besteht auch ein Zollvertrag), ist der Franken die logische Wahl.
Übrigens: Um die Stabilität des Frankens kümmert sich die Schweizerische Nationalbank (SNB) – sie macht die Geldpolitik für den ganzen Frankenraum, also auch für Liechtenstein.
Quiz: Geldfunktionen und Geldgeschichte
Frage 1 von 8Zeig, was du über die Funktionen und die Geschichte des Geldes weisst. Du kannst das Quiz beliebig oft wiederholen – es zählt dein bestes Ergebnis.
Welche drei Funktionen erfüllt Geld?
Setze die Begriffe ein: Vom Tausch zum Vertrauen
Ziehe die passenden Begriffe in die Lücken (am Handy: erst Wort antippen, dann Lücke). Achtung: Drei Wörter in der Auswahl passen nirgends.
Tippe zuerst ein Wort an und dann die Lücke, in die es gehört. Antippen einer gefüllten Lücke legt das Wort zurück.
Beim reinen müssen beide Seiten genau das anbieten, was die andere will – Fachleute sprechen von der doppelten der Wünsche. Um dieses Problem zu lösen, dienten zuerst begehrte Waren wie Salz oder Muscheln als Zahlungsmittel – diese Geldform heisst . Später prägten Herrscher die ersten aus Edelmetall, und vor rund 1000 Jahren entstand in China das erste . Heute existiert der grösste Teil des Geldes als auf Konten. Geld erfüllt drei Funktionen: Als wird es von allen beim Bezahlen akzeptiert, als Mittel der trägt es Wert in die Zukunft, und als macht es Preise vergleichbar. Das alles funktioniert nur, solange alle in das Geld haben.
Tippe die Begriffe ein: Liechtenstein und der Franken
Hier gibt es keine Wortauswahl mehr – tippe die fehlenden Begriffe selbst ein. Gross-/Kleinschreibung spielt keine Rolle.
Bis 1924 zahlte man in Liechtenstein mit der österreichischen Krone. Nach dem Ersten Weltkrieg verlor sie durch die rasant an Wert – als Mittel der taugte sie nicht mehr. Liechtenstein wechselte deshalb zum Schweizer . 1980 unterzeichneten die beiden Länder zudem einen , der die Zusammenarbeit offiziell regelt. Für den kleinen Wirtschaftsraum lohnt sich eine eigene Währung nicht – wichtiger ist, dass alle in eine stabile Währung haben.
Zuordnen: Welche Geldfunktion steckt dahinter?
Ordne jeder Alltagssituation die Geldfunktion zu, die dabei im Vordergrund steht: Tauschmittel, Wertaufbewahrung oder Recheneinheit. Jede Funktion kommt mehrmals vor.
Tippe zuerst ein Wort an und dann die Lücke, in die es gehört. Antippen einer gefüllten Lücke legt das Wort zurück.
Du bezahlst dein Zmittag am Kiosk mit der Karte. Du sparst jeden Monat CHF 20 für ein neues Snowboard. Du rechnest aus, dass das Konzertticket so viel kostet wie drei Kinobesuche. Die Bäckerei zahlt ihrer Angestellten am Monatsende den Lohn aus. Deine Grosseltern haben Geld für deine Ausbildung zur Seite gelegt. Im Laden vergleichst du die Preise von zwei Handys. Du kaufst am Automaten ein Zugbillett. Der Verein legt die Einnahmen vom Kuchenverkauf für das Lager im nächsten Jahr zurück. In der Zeitung steht, ein Occasionsauto sei «CHF 8000 wert».
Vertiefung: Geld in deinem Alltag
Erkläre in eigenen Worten – so merkst du am besten, was du schon verstanden hast.
Deine Antworten werden auf diesem Gerät gespeichert und gehen mit deinem nächsten Fortschritts-Report an die Lehrperson.
Auf manchen Pausenplätzen werden Sammelkarten getauscht – und seltene Karten sind heiss begehrt. Prüfe: Könnten Sammelkarten als Geld funktionieren? Gehe alle drei Geldfunktionen durch (Tauschmittel, Wertaufbewahrung, Recheneinheit) und entscheide bei jeder, ob Sammelkarten sie erfüllen.
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Frag dich bei jeder Funktion konkret: Nimmt wirklich jede Person Sammelkarten als Bezahlung an – auch der Kiosk? Behält eine Karte ihren Wert, wenn der Trend vorbei ist? Und: Gibt niemand Preise «in Sammelkarten» an – warum eigentlich nicht?
Frage eine ältere Person aus deinem Umfeld (Grosseltern, Eltern, Nachbarn): Wie hast du als Jugendliche oder Jugendlicher bezahlt und gespart? Gab es schon Karten oder Apps? Notiere zwei Unterschiede zu heute und ordne sie den Stationen des Zeitstrahls zu.
Tipp anzeigen
Mögliche Fragen: Wie kam der Lohn – im Couvert oder aufs Konto? Wie wurde im Laden bezahlt? Wo wurde gespart – im Sparheft, im Kässeli, auf der Bank? Seit wann gibt es Karten, seit wann das Handy zum Bezahlen?
Erkläre einem jüngeren Kind in drei bis vier Sätzen: Warum ist ein 20-Franken-Schein etwas wert, obwohl das Papier selbst fast nichts kostet?
Tipp anzeigen
Denk an die Station «Papiergeld» auf dem Zeitstrahl: Wo steckt der Wert, wenn nicht im Material? Und wer sorgt dafür, dass der Franken stabil bleibt?