Preisbildung und Marktgleichgewicht
Auf dem Flohmarkt feilschst du um jeden Franken, im Laden steht der Preis fest angeschrieben – aber wer legt ihn eigentlich fest? Im siebten Modul des Vertiefungsfachs «Wirtschaft & Politik» erfährst du, wie aus Angebot und Nachfrage ein Marktpreis entsteht und was der Gleichgewichtspreis ist. Du lernst, woran man erkennt, dass ein Preis zu hoch oder zu tief liegt – und wertest euer Marktspiel aus dem Unterricht aus.
Das lernst du hier
- Ich kann erklären, wie aus Angebot und Nachfrage ein Marktpreis entsteht: Zu hohe Preise lassen Ware liegen, zu tiefe Preise leeren die Regale – der Preis pendelt sich dazwischen ein.
- Ich kann den Gleichgewichtspreis als den Preis erklären, bei dem angebotene und nachgefragte Menge übereinstimmen – der Markt ist dann geräumt.
- Ich kann die Folgen eines zu hohen Preises (Überschuss, Ladenhüter) und eines zu tiefen Preises (Knappheit, Schlangen) beschreiben und an Alltagsbeispielen erkennen.
LiLe: WAH.2.1 (Die Schülerinnen und Schüler können Einblicke in Märkte und Handel gewinnen und Marktsituationen untersuchen.), WAH.3.1 (Die Schülerinnen und Schüler können Einflüsse auf Konsumentscheidungen erkennen und reflektieren.)
Wer hat den Preis gemacht?
Am Flohmarktstand fragst du: «Was kostet das Skateboard?» – «30 Franken.» – «Ich gebe dir 15.» – «25.» – «20?» – «Einverstanden.» In einer Minute habt ihr zwei etwas geschafft, das ziemlich erstaunlich ist: Ihr habt einen Preis ausgehandelt, mit dem beide leben können.
Im Supermarkt wird nicht gefeilscht – da steht der Preis fest angeschrieben. Und trotzdem entsteht auch er nicht anders: Auch hinter dem Ladenpreis stecken die zwei Kräfte aus Modul 6, Angebot und Nachfrage. Nur verhandeln hier nicht zwei Personen, sondern viele Anbieter und sehr viele Käuferinnen und Käufer – Tag für Tag, über die ganze Wirtschaft verteilt.
Dieses Modul begleitet euer Marktspiel aus dem Unterricht. Du kennst das Handeln also schon aus eigener Erfahrung: Vielleicht warst du Verkäuferin und bist deine Ware nicht losgeworden, vielleicht warst du Käufer und musstest mehr bieten als geplant. Behalte deine Beobachtungen aus dem Spiel im Kopf – Was habt ihr im Spiel beobachtet? ist die Reflexionsfrage, die uns durch das ganze Modul begleitet. Am Ende kannst du erklären, warum sich die Preise in eurem Spiel so entwickelt haben, wie sie es getan haben.
Video: Wie entstehen Preise?
Das Erklärvideo (4:49) aus der SRF-Reihe «Clip und klar!» zeigt, wer über Preise entscheidet – und warum Produkte teurer oder billiger werden. Achte beim Schauen auf zwei Leitfragen: (1) Wer bestimmt im Video den Preis eines Produkts – die Herstellerfirma allein oder jemand anderes? (2) Verfolge das Beispiel des Fidget Spinners: Wie verändert sich sein Preis, als er zum Trend wird – und als der Hype abflaut? Notiere dir, was dabei jeweils mit dem Angebot und mit der Nachfrage passiert.
Transkript anzeigen
Das Erklärvideo von SRF Kids (Reihe «Clip und klar!», 4:49 Minuten) erklärt, wie Preise entstehen: Nicht die Herstellerfirma allein bestimmt, was ein Produkt kostet – der Preis bildet sich auf dem Markt aus Angebot und Nachfrage. Moderator Raphi zeigt das am Beispiel des Fidget Spinners: Als das Spielzeug zum weltweiten Trend wurde, wollten sehr viele Leute gleichzeitig eines haben – die grosse Nachfrage traf auf ein noch kleines Angebot, und die Preise waren hoch. Dann produzierten immer mehr Firmen Spinner, und der Hype flaute ab: Ein grosses Angebot traf auf eine kleine Nachfrage – die Preise fielen stark. An weiteren Beispielen wie Handys, Kameras und Turnschuhen zeigt das Video die Grundregel der Preisbildung: Ist ein Gut knapp und begehrt, steigt sein Preis; gibt es viel davon und wollen es nur wenige, sinkt er.
Vom Feilschen zum Marktpreis
Wie findet ein Markt «seinen» Preis? Stell dir einen Wochenmarkt mit vielen Ständen vor, die alle Aprikosen verkaufen.
Versuch 1: Ein Stand verlangt 12 Franken pro Kilo. Die meisten Kundinnen schauen, staunen – und gehen weiter zum nächsten Stand. Am Abend sind die Kisten noch voll. Wer seine Ware nicht wegwerfen will, muss reagieren: Der Preis sinkt.
Versuch 2: Ein Stand verlangt nur 2 Franken. Innert einer Stunde ist alles weg, und die Schlange war lang – viele gingen leer aus. Etliche hätten problemlos mehr bezahlt. Der Standbetreiber merkt: Zu diesem Preis rennen sie mir den Stand ein – der Preis kann steigen. Und wer mehr verdienen kann, bietet nächste Woche auch grössere Mengen an.
So tasten sich beide Seiten aufeinander zu – wie beim Feilschen auf dem Flohmarkt, nur mit vielen Beteiligten gleichzeitig. Irgendwo dazwischen liegt ein Preis, bei dem es weder volle Restkisten noch lange Schlangen gibt: Die angebotene Menge und die nachgefragte Menge stimmen überein. Diesen Preis nennt man den Gleichgewichtspreis – und einen Markt, der ihn gefunden hat, nennt man im Gleichgewicht.
Wichtig: Niemand hat diesen Preis berechnet oder angeordnet. Er entsteht von selbst aus unzähligen einzelnen Entscheidungen – jede Kundin, die weitergeht, und jeder Anbieter, der seinen Preis anpasst, «stimmt» sozusagen mit.
Das Marktgleichgewicht im Diagramm
Jetzt kannst du die beiden Kurven aus Modul 6 übereinanderlegen – genau das zeigt die Grafik unten:
- Die blaue Nachfragekurve fällt: Je tiefer der Preis, desto mehr wollen kaufen.
- Die grüne Angebotskurve steigt: Je höher der Preis, desto mehr wird angeboten.
- Im Schnittpunkt treffen sich die beiden Kräfte: Dort ist die angebotene Menge gleich der nachgefragten Menge. Der Preis an diesem Punkt ist der Gleichgewichtspreis, die Menge heisst Gleichgewichtsmenge.
Beim Gleichgewichtspreis sagt man auch: Der Markt ist geräumt. Das heisst: Alle Anbieter, die zu diesem Preis verkaufen wollen, werden ihre Ware los – und alle Käuferinnen und Käufer, die zu diesem Preis kaufen wollen, kommen zum Zug. Es bleibt nichts Unverkauftes liegen, und niemand steht vergeblich an.
Achtung, häufiges Missverständnis: «Geräumt» bedeutet nicht, dass alle Menschen das Gut bekommen. Wem der Gleichgewichtspreis zu hoch ist, der kauft nicht – er gehört dann schlicht nicht zur nachgefragten Menge. Das Gleichgewicht ist kein Wunschzustand für alle, sondern der Punkt, an dem sich Angebots- und Nachfrageseite ohne Rest treffen.
Angebot und Nachfrage in einem Diagramm

Wenn der Preis nicht passt: Überschuss und Knappheit
Was passiert, wenn der Preis nicht beim Gleichgewicht liegt? Beide Fälle kennst du aus dem Alltag – und wahrscheinlich aus eurem Marktspiel:
Preis zu hoch → Überschuss. Zum hohen Preis wollen die Anbieter viel verkaufen, aber nur wenige wollen kaufen. Die Differenz bleibt liegen: Ladenhüter. Typisches Beispiel: Wintermäntel im März. Beim alten Preis will sie kaum noch jemand – darum locken die Geschäfte im Ausverkauf mit Rabatten. Der Rabatt ist nichts anderes als der Weg des Preises zurück Richtung Gleichgewicht.
Preis zu tief → Knappheit. Zum tiefen Preis wollen sehr viele kaufen, aber das Anbieten lohnt sich kaum – die nachgefragte Menge übersteigt die angebotene deutlich. Die Folgen: Schlangen, leere Regale, «ausverkauft». Erinnerst du dich an das Ticket-Rätsel aus Modul 6? Die Konzerttickets für 80 Franken waren in zwanzig Minuten weg, und im Weiterverkauf kosteten sie ein Mehrfaches. Jetzt kannst du das Rätsel lösen: Der offizielle Preis lag unter dem Gleichgewichtspreis. Viel mehr Fans wollten ein Ticket, als es Plätze gab – die Knappheit trieb den Weiterverkaufspreis nach oben.
Zurück zu eurem Marktspiel – Reflexionsfragen:
- In welcher Runde hast du einen Überschuss beobachtet – wer wurde seine Ware nicht los, und was hat er dann mit dem Preis gemacht?
- Wo gab es Knappheit – was war schnell weg, und wie haben die Käuferinnen und Käufer reagiert?
- Haben sich die Preise über die Runden hinweg irgendwo eingependelt? Vergleiche diesen Spiel-Preis mit dem Gleichgewichtspunkt in der Grafik.
Quiz: Preisbildung und Gleichgewicht
Frage 1 von 8Zeig, was du über Marktpreise, Überschuss und Knappheit weisst. Du kannst das Quiz beliebig oft wiederholen – es zählt dein bestes Ergebnis.
Was ist der Gleichgewichtspreis?
Preisbildung: Setze die Begriffe ein
Ziehe die richtigen Begriffe in die Lücken (am Handy: erst Wort antippen, dann Lücke). Achtung: Drei Wörter in der Auswahl passen nirgends.
Tippe zuerst ein Wort an und dann die Lücke, in die es gehört. Antippen einer gefüllten Lücke legt das Wort zurück.
Auf einem freien Markt legt niemand den Preis allein fest – er entsteht aus dem Zusammenspiel zwischen dem der Verkäuferinnen und Verkäufer und der der Käuferinnen und Käufer. Verlangen die Anbieter zu viel, bleibt ein Teil der Ware liegen – solche unverkauften Waren sind die sprichwörtlichen : Es herrscht ein , und die Anbieter müssen den Preis . Ist der Preis dagegen zu tief, wollen mehr Leute kaufen, als Ware da ist: Es herrscht , es bilden sich Schlangen, und der Preis wieder. So pendelt sich der Markt beim ein – dem Preis, bei dem angebotene und nachgefragte Menge übereinstimmen. Man sagt dann: Der Markt ist . Die Menge, die zu diesem Preis verkauft wird, heisst .
Marktreaktionen: Tippe die Begriffe ein
Hier gibt es keine Wortauswahl mehr – tippe die fehlenden Begriffe selbst ein. Gross-/Kleinschreibung spielt keine Rolle.
Bleibt zum verlangten Preis viel Ware liegen, spricht man von einem . Die Anbieter reagieren darauf, indem sie den Preis . Ist ein Gut dagegen sofort ausverkauft und stehen die Leute Schlange, herrscht – der Preis dann meist wieder. Beim Gleichgewichtspreis stimmen die angebotene und die nachgefragte überein.
Zuordnen: Überschuss, Knappheit oder Gleichgewicht?
Ordne jeder Situation die passende Marktlage zu: Überschuss, Knappheit oder Gleichgewicht. Frag dich jeweils: Bleibt hier etwas liegen, gehen Leute leer aus – oder geht die Rechnung auf beiden Seiten auf?
Tippe zuerst ein Wort an und dann die Lücke, in die es gehört. Antippen einer gefüllten Lücke legt das Wort zurück.
Am Kuchenstand des Schulfests bleiben zum verlangten Preis 40 Stücke übrig: Vor dem Laden campieren Fans für ein neues Sneaker-Modell, nach einer Stunde ist alles weg: Der Pausenkiosk verkauft Tag für Tag fast genau so viele Sandwiches, wie er bereitmacht – ohne Rest und ohne Schlange: Konzerttickets sind in zwanzig Minuten ausverkauft, viele Fans gehen leer aus: Wintermäntel lassen sich im März nur noch mit hohem Rabatt verkaufen: Ein Kiosk bestellt 200 Fussball-Sammelhefte – nach dem Turnierfinal will sie kaum noch jemand: Am Gemüsestand ist am Samstagabend alles verkauft, und niemand musste vergeblich anstehen: In den Sportferien sind die Leihskier in Malbun schon am frühen Morgen alle weg, spätere Gäste bekommen keine mehr: Der Flohmarktstand verkauft im Lauf des Tages praktisch alle Spiele zum angeschriebenen Preis:
Vertiefung: Euer Marktspiel und der Gleichgewichtspreis
Erkläre in eigenen Worten – so merkst du am besten, was du schon verstanden hast.
Deine Antworten werden auf diesem Gerät gespeichert und gehen mit deinem nächsten Fortschritts-Report an die Lehrperson.
Werte euer Marktspiel aus dem Unterricht aus (falls es noch bevorsteht: Nimm stattdessen eine Szene von einem Wochen- oder Flohmarkt). Beschreibe eine Runde oder Szene, in der ein Preis zu hoch oder zu tief war: Woran hat man das gemerkt? Wie haben die Anbieter und die Käuferinnen und Käufer reagiert – und in welche Richtung hat sich der Preis danach bewegt? Verwende dabei die Begriffe Überschuss, Knappheit und Gleichgewichtspreis.
Tipp anzeigen
Zeichen für einen zu hohen Preis: Ware bleibt liegen, Verkäufer werben oder senken den Preis. Zeichen für einen zu tiefen Preis: schnell ausverkauft, Schlangen, enttäuschte Käufer – und Anbieter, die beim nächsten Mal mehr verlangen. Beschreibe beide Marktseiten, nicht nur eine.
Erkläre in eigenen Worten – so, dass es auch jemand ohne dieses Modul verstehen würde –, warum ein Markt bei einem zu hohen Preis «von selbst» zurück Richtung Gleichgewicht findet, und warum das bei einem zu tiefen Preis genauso passiert. ODER: Erstelle eine eigene Quizfrage zu Überschuss oder Knappheit im Stil dieses Moduls – mit einer Alltagssituation, einer richtigen Antwort und drei falschen Antworten, die auf typische Denkfehler hereinlegen.
Tipp anzeigen
Für die Erklärung hilft die Kette: Preis zu hoch → Ware bleibt liegen → Anbieter senken → nachgefragte Menge steigt. Und umgekehrt: Preis zu tief → ausverkauft/Schlangen → Anbieter erhöhen und bieten mehr an. Für die Quizfrage eignen sich Situationen mit einem klaren Signal: volle Restkisten, Rabattaktionen, Warteschlangen, «ausverkauft».