Angebot und Nachfrage
Warum zahlen Fans für ausverkaufte Konzerttickets plötzlich das Doppelte – und warum kosten Erdbeeren im Winter mehr als im Sommer? Im sechsten Modul des Vertiefungsfachs «Wirtschaft & Politik» lernst du die zwei Kräfte des Marktes kennen: die Nachfrage der Käuferinnen und Käufer und das Angebot der Anbieter. Du erfährst, wie beide Seiten auf den Preis reagieren – und welche Einflüsse jenseits des Preises sie verändern.
Das lernst du hier
- Ich kann das Nachfrageverhalten beschreiben: Bei steigendem Preis wird in der Regel weniger nachgefragt – und bei sinkendem Preis mehr.
- Ich kann das Angebotsverhalten beschreiben: Bei steigendem Preis wird mehr angeboten, weil sich Herstellung und Verkauf dann stärker lohnen.
- Ich kann Einflussfaktoren jenseits des Preises nennen – Trends, Einkommen, Jahreszeit und die Anzahl der Anbieter – und an Alltagsbeispielen erklären, wie sie Nachfrage oder Angebot verändern.
LiLe: WAH.2.1 (Die Schülerinnen und Schüler können Einblicke in Märkte und Handel gewinnen und Marktsituationen untersuchen.), WAH.3.1 (Die Schülerinnen und Schüler können Einflüsse auf Konsumentscheidungen erkennen und reflektieren.)
Das Ticket-Rätsel
Deine Lieblingsband kündigt ein Konzert in Zürich an. Die Tickets kosten 80 Franken – und sind nach zwanzig Minuten ausverkauft. Zwei Tage später werden dieselben Tickets im Internet für 200 Franken weiterverkauft. Und es gibt Leute, die das bezahlen.
Ähnliches passiert bei limitierten Sneakers: Ein Hersteller bringt nur wenige tausend Paar eines Modells heraus, und schon am ersten Tag werden sie zu Fantasiepreisen weitergehandelt. Umgekehrt gibt es Produkte, die kaum jemand will – die liegen wie Blei im Regal und landen irgendwann mit Rabattkleber im Ausverkauf.
Wer entscheidet eigentlich, was etwas kostet? Die überraschende Antwort: In einer Marktwirtschaft meist keine einzelne Person. Hinter den Preisen stecken zwei Kräfte, die ständig wirken – die Nachfrage der Käuferinnen und Käufer und das Angebot der Verkäuferinnen und Verkäufer. In diesem Modul lernst du beide Kräfte einzeln kennen. Wie sie zusammen einen Preis entstehen lassen, ist dann Thema des nächsten Moduls.
Reflexionsfrage für dieses Modul: Wo bist du diese Woche selbst als Nachfragerin oder Nachfrager aufgetreten – und wer stand dabei auf der Anbieterseite? Behalte die Frage im Kopf, am Ende des Moduls fällt dir die Antwort leicht.
Die Nachfrage: die Seite der Käuferinnen und Käufer
Aus Modul 1 kennst du Bedürfnisse – vom Existenzbedürfnis Essen bis zum Wunsch nach dem neuen Handy. Auf dem Markt wird daraus Nachfrage: der Wunsch nach einem Gut plus das Geld und die Bereitschaft, dafür zu bezahlen. Nur wünschen reicht also nicht – wer 5000 Franken für ein E-Bike weder hat noch ausgeben will, fragt es nicht nach.
Die nachgefragte Menge hängt stark vom Preis ab. Stell dir den Glacestand im Freibad vor: Kostet die Kugel 2 Franken, gönnen sich viele gleich zwei davon. Kostet sie plötzlich 6 Franken, überlegen sich das die meisten zweimal – einige verzichten ganz, andere weichen aus und kaufen ihre Glace im Supermarkt nebenan.
Daraus ergibt sich die wichtigste Regel der Nachfrageseite:
- Steigt der Preis, sinkt die nachgefragte Menge.
- Sinkt der Preis, steigt die nachgefragte Menge.
Ökonominnen und Ökonomen zeichnen das als fallende Kurve: oben links (hoher Preis) kaufen nur wenige, unten rechts (tiefer Preis) kaufen viele. Du findest sie in der Grafik weiter unten in Blau.
Zurück zum Ticket-Rätsel: Bei 80 Franken wollten viel mehr Fans ein Ticket, als es Plätze gab. Selbst bei 200 Franken sind noch genug Fans bereit zu zahlen – die Nachfrage nach diesem Konzert ist riesig.
Das Angebot: die Seite der Verkäuferinnen und Verkäufer
Auf der anderen Marktseite stehen die Anbieter – meist Unternehmen, wie du sie aus Modul 2 kennst: die Bäckerei, der Sneaker-Hersteller, die Konzertveranstalterin. Das Angebot ist die Menge eines Gutes, die sie zu einem bestimmten Preis herstellen und verkaufen wollen.
Auch die Anbieter reagieren auf den Preis – aber genau umgekehrt wie die Käuferinnen und Käufer. Warum? Wer verkauft, will mit dem Erlös seine Kosten decken und einen Gewinn erzielen. Je höher der Preis, desto mehr bleibt pro verkauftem Stück übrig – und desto eher lohnt es sich, zusätzliche Mengen herzustellen oder überhaupt erst mitzumachen.
Ein Beispiel: Wenn ein Kilo Himbeeren 15 Franken bringt, lohnt es sich für einen Hof, zusätzliche Reihen anzupflanzen, Erntehelferinnen zu bezahlen und auch die hintersten Stauden abzuernten. Sinkt der Preis auf 3 Franken, lassen manche Betriebe die Beeren lieber hängen – die Ernte würde mehr kosten, als sie einbringt. Und beim Flohmarkt gilt dasselbe im Kleinen: Für 50 Rappen trennst du dich kaum von deinen alten Games – für 30 Franken pro Stück würdest du wohl die halbe Sammlung anbieten.
Die Regel der Angebotsseite lautet also:
- Steigt der Preis, steigt die angebotene Menge.
- Sinkt der Preis, sinkt die angebotene Menge.
Gezeichnet ergibt das eine steigende Kurve – in der Grafik unten in Grün.
Nachfrage und Angebot als Kurven

Nicht nur der Preis: vier weitere Einflussfaktoren
Nachfrage und Angebot reagieren nicht nur auf den Preis. Vier Einflussfaktoren solltest du kennen:
- Trends und Vorlieben: Ein Social-Media-Hype kann die Nachfrage explodieren lassen, ohne dass sich am Preis etwas geändert hat – plötzlich wollen alle dieselbe Trinkflasche oder dieselben Sneaker. Flaut der Trend ab, bleibt die Ware liegen.
- Einkommen: Wer mehr Geld zur Verfügung hat, fragt mehr nach – nach dem Ferienjob liegt das Konzertticket eher drin als vorher. Sinkt das Einkommen, wird zuerst bei Wünschen gespart, die nicht dringend sind.
- Jahreszeit: Im Juli gibt es Erdbeeren aus der ganzen Region – das Angebot ist gross. Im Januar wächst hier keine einzige, importierte Früchte sind aufwendig und selten – das Angebot ist klein. Auch die Nachfrage kennt Jahreszeiten: Glace im Hitzesommer, Skier im Winter, Mandarinen vor Weihnachten.
- Anzahl der Anbieter: Eröffnen in der Stadt zwei neue Pizzakuriere, ist das Gesamtangebot an gelieferten Pizzas grösser als vorher. Gibt ein Anbieter auf oder stoppt ein Hersteller die Produktion, schrumpft das Angebot.
Merke dir: Der Preis bewegt Nachfrage und Angebot – aber Trends, Einkommen, Jahreszeit und die Zahl der Anbieter verschieben sie zusätzlich. Wenn du eine Preisänderung im Alltag beobachtest, lohnt sich darum immer die Frage: Was ist hier gerade auf der Nachfrageseite passiert – und was auf der Angebotsseite?
Wer ist hier wer? Haushalte und Unternehmen auf dem Markt
Verbinden wir das mit dem Wirtschaftskreislauf aus den Modulen 2 und 3: Auf den Gütermärkten – also überall dort, wo Waren und Dienstleistungen gehandelt werden – sind die Haushalte meist die Nachfrager und die Unternehmen die Anbieter. Du fragst eine Glace nach, der Kiosk bietet sie an.
Es gibt aber einen Markt, auf dem die Rollen vertauscht sind: den Arbeitsmarkt. Dort bieten die Haushalte ihre Arbeitskraft an – und die Unternehmen fragen sie nach. Wer eine Lehrstelle sucht, ist also Anbieterin ihrer Arbeitskraft; der Betrieb, der Lernende sucht, ist Nachfrager. Ob jemand Anbieter oder Nachfrager ist, hängt also nicht an der Person, sondern an der Rolle auf dem jeweiligen Markt.
Damit kennst du beide Kräfte des Marktes: die fallende Nachfrage und das steigende Angebot. Im nächsten Modul lässt du sie aufeinandertreffen – und findest heraus, wie daraus ein Preis entsteht.
Quiz: Angebot und Nachfrage
Frage 1 von 8Zeig, was du über die zwei Kräfte des Marktes weisst. Du kannst das Quiz beliebig oft wiederholen – es zählt dein bestes Ergebnis.
Was versteht man in der Wirtschaft unter «Nachfrage»?
Angebot und Nachfrage: Setze die Begriffe ein
Ziehe die richtigen Begriffe in die Lücken (am Handy: erst Wort antippen, dann Lücke). Achtung: Drei Wörter in der Auswahl passen nirgends.
Tippe zuerst ein Wort an und dann die Lücke, in die es gehört. Antippen einer gefüllten Lücke legt das Wort zurück.
Auf jedem Markt treffen zwei Seiten aufeinander. Die Menge, die Käuferinnen und Käufer zu einem bestimmten Preis kaufen wollen, heisst . Die Menge, die Verkäuferinnen und Verkäufer zu einem bestimmten Preis verkaufen wollen, heisst . Beide Seiten reagieren auf den – aber genau entgegengesetzt: Wird ein Produkt teurer, kaufen die Leute in der Regel davon. Für die Anbieter gilt das Umgekehrte: Bei steigenden Preisen bieten sie mehr an, denn pro verkauftem Stück winkt mehr . Die Nachfrage verändert sich aber auch ohne Preisänderung: machen ein Produkt plötzlich bei allen begehrt, ein höheres lässt die Leute mehr kaufen, und die entscheidet zum Beispiel darüber, wann Glace oder Skier gefragt sind. Auf der Angebotsseite zählt zusätzlich die Zahl der : Je mehr Verkäufer auf dem Markt sind, desto grösser ist die insgesamt angebotene an Waren.
Preisreaktionen: Tippe die Begriffe ein
Hier gibt es keine Wortauswahl mehr – tippe die fehlenden Begriffe selbst ein. Gross-/Kleinschreibung spielt keine Rolle.
Ein Beispiel vom Pausenkiosk: Kostet das Sandwich plötzlich doppelt so viel, kaufen die meisten deutlich Sandwiches – die Nachfrage . Senkt der Kiosk den Preis wieder, greifen mehr Leute zu – die Nachfrage . Die Anbieter verhalten sich spiegelverkehrt: Je höher der Preis, desto wird angeboten. Auf den Gütermärkten treten die Haushalte meist als auf – und die Unternehmen als .
Zuordnen: Was passiert hier mit Nachfrage oder Angebot?
Ordne jeder Situation die richtige Wirkung zu: Nachfrage steigt, Nachfrage sinkt, Angebot steigt oder Angebot sinkt. Frag dich jeweils: Verändert sich hier das Verhalten der Käuferinnen und Käufer – oder das der Anbieter?
Tippe zuerst ein Wort an und dann die Lücke, in die es gehört. Antippen einer gefüllten Lücke legt das Wort zurück.
Ein Influencer macht eine bestimmte Trinkflasche zum Trend: Im Juli reifen überall in der Region Erdbeeren, die Höfe liefern grosse Mengen: Ein kalter, verregneter Sommer – kaum jemand hat Lust auf Glace: Zwei neue Pizzakuriere eröffnen in der Stadt: Nach dem Ferienjob haben viele Jugendliche mehr Geld für Konzerte übrig: Der Hype um ein Handyspiel flaut ab, kaum jemand kauft noch Zubehör dazu: Eine Missernte vernichtet einen grossen Teil der Kartoffelernte: Ein Hersteller stoppt die Produktion einer beliebten Schokolade: Vor Weihnachten wollen alle Mandarinen und Nüsse kaufen: Ein Hof stellt neu auf Beerenanbau um und erntet zum ersten Mal mit:
Vertiefung: Marktkräfte in deinem Alltag
Erkläre in eigenen Worten – so merkst du am besten, was du schon verstanden hast.
Deine Antworten werden auf diesem Gerät gespeichert und gehen mit deinem nächsten Fortschritts-Report an die Lehrperson.
Preis-Detektivin, Preis-Detektiv: Such dir ein Produkt aus deinem Alltag, dessen Preis sich spürbar verändert hat oder je nach Zeitpunkt unterschiedlich hoch ist – zum Beispiel Konzerttickets, limitierte Sneaker, Skitageskarten oder Früchte im Winter und im Sommer. Beschreibe: (1) Wie hat sich der Preis verändert? (2) Was ist auf der Nachfrageseite passiert, was auf der Angebotsseite? (3) Welcher Einflussfaktor aus dem Modul steckt dahinter – Trend, Einkommen, Jahreszeit oder die Zahl der Anbieter?
Tipp anzeigen
Frag dich immer zuerst: Wollen plötzlich mehr oder weniger Leute das Produkt (Nachfrageseite)? Oder gibt es plötzlich mehr oder weniger davon zu kaufen (Angebotsseite)? Oft verändern sich beide Seiten gleichzeitig – dann beschreibe beide.
Erkläre in eigenen Worten – so, dass es auch jemand verstehen würde, der dieses Modul nicht kennt –, warum Käuferinnen und Käufer bei steigendem Preis weniger kaufen, die Anbieter aber gleichzeitig mehr verkaufen wollen. Verwende ein eigenes Beispiel, das nicht im Modul vorkommt. ODER: Erfinde drei eigene Situationen im Stil der Zuordnungsaufgabe und gib jeweils mit kurzer Begründung an, ob die Nachfrage oder das Angebot steigt oder sinkt – eine Situation darf besonders knifflig sein.
Tipp anzeigen
Für die Erklärung hilft der Blick auf die Motive der beiden Seiten: Käufer wollen mit ihrem Geld möglichst gut auskommen, Anbieter wollen ihre Kosten decken und Gewinn erzielen. Für die kniffligen Situationen eignen sich Fälle, in denen sich beide Seiten gleichzeitig verändern – etwa ein Hitzesommer, der die Glace-Nachfrage erhöht UND die Erdbeerernte verdorren lässt.