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WPZyklus 3 (Sek I)9. Klasse (Sek I)ca. 45 Min.leichtLiLe

Wirtschaftssektoren und Strukturwandel

Vom Bauernhof über die Fabrik zur Bank: Im fünften Modul des Vertiefungsfachs «Wirtschaft & Politik» lernst du die drei Wirtschaftssektoren kennen und ordnest Berufe aus deinem Umfeld ein. Du entdeckst, warum die Beschäftigung im Lauf der Zeit vom 1. über den 2. in den 3. Sektor gewandert ist – und warum Liechtenstein dabei einen besonderen Weg geht.

Das lernst du hier

  • Ich kann die drei Wirtschaftssektoren unterscheiden – 1. Sektor (Landwirtschaft und Rohstoffgewinnung), 2. Sektor (Industrie, Handwerk und Bau), 3. Sektor (Dienstleistungen) – und jedem Sektor typische Berufe und Betriebe zuordnen.
  • Ich kann den Strukturwandel beschreiben: Die Beschäftigung hat sich im Lauf der Zeit vom 1. über den 2. zum 3. Sektor verschoben – und ich kann die wichtigsten Gründe dafür in einfachen Worten erklären (Maschinen und Technologie, gestiegene Produktivität, veränderte Nachfrage).
  • Ich kann Liechtenstein einordnen: Für ein so kleines Land hat es einen ungewöhnlich starken Industriesektor und zugleich einen starken Dienstleistungssektor – der Strukturwandel verläuft also nicht überall gleich.

LiLe: WAH.1.2 (Die Schülerinnen und Schüler können Veränderungen in der Arbeitswelt und deren Folgen untersuchen.), WAH.1.3 (Die Schülerinnen und Schüler können die Produktion von Gütern und Dienstleistungen erkunden und vergleichen.)

In welchem Sektor arbeitet deine Familie?

Denk kurz an die Erwachsenen in deinem Umfeld: Vielleicht arbeitet dein Vater in einer Werkstatt, deine Mutter in einer Bank, dein Onkel auf dem Bauernhof, deine Nachbarin im Spital. Alle vier arbeiten – aber ihre Arbeit könnte unterschiedlicher kaum sein: Der eine holt etwas aus der Natur, die andere berät Kundinnen, der dritte repariert Maschinen, die vierte pflegt Menschen.

Damit man bei dieser Vielfalt den Überblick behält, teilt die Wirtschaftskunde alle Berufe und Betriebe in drei grosse Gruppen ein – die Wirtschaftssektoren:

  • 1. Sektor: gewinnt Rohstoffe aus der Natur
  • 2. Sektor: verarbeitet Rohstoffe zu Waren
  • 3. Sektor: erbringt Dienstleistungen für andere

Eine Merkhilfe in drei Wörtern: gewinnen – verarbeiten – dienen.

Reflexionsfrage für dieses Modul: In welchem Sektor arbeiten deine Eltern oder andere Menschen, die du gut kennst? Behalte die Frage im Kopf – am Ende des Moduls kannst du sie sicher beantworten.

Die drei Sektoren im Überblick

1. Sektor (Primärsektor): Rohstoffe aus der Natur gewinnen

Hier arbeiten alle, die der Natur direkt etwas entnehmen – Pflanzen, Tiere, Holz, Fische oder Bodenschätze. Typische Berufe und Betriebe: Landwirtin mit Milchkühen, Winzer im Rebberg, Förster im Wald, Fischerin am See. Auch der Bergbau gehört dazu.

2. Sektor (Sekundärsektor): Rohstoffe zu Waren verarbeiten

Hier wird aus Rohstoffen etwas hergestellt – in der Industrie, im Handwerk und auf dem Bau. Typische Berufe und Betriebe: Polymechaniker in der Maschinenfabrik, Bäckerin in der Backstube, Maurer auf der Baustelle, Schreinerin in der Möbelwerkstatt. Achtung, häufiger Denkfehler: Handwerk gehört zum 2. Sektor, nicht zu den Dienstleistungen – entscheidend ist, dass ein Produkt entsteht.

3. Sektor (Tertiärsektor): Dienstleistungen erbringen

Hier wird nichts hergestellt, sondern eine Leistung für andere erbracht. Typische Berufe und Betriebe: Verkäuferin im Laden, Buschauffeur, Lehrer an der Schule, Pflegefachfrau im Spital – dazu Banken, Treuhandbüros, Coiffeursalons und der Tourismus.

Und wenn ein Betrieb beides macht? Die Bäckerei aus Modul 3 backt Brot (2. Sektor) und verkauft es über die Theke, vielleicht sogar mit Café-Ecke (3. Sektor). Viele Betriebe sind in mehreren Sektoren gleichzeitig tätig – für die Einteilung fragt man sich am besten bei jeder einzelnen Tätigkeit: Wird hier etwas gewonnen, hergestellt – oder eine Leistung erbracht?

Video: Die drei Wirtschaftssektoren

Das Erklärvideo (5:20) der Arbeitsgemeinschaft Wirtschaft und Schule begleitet einen Tisch auf seinem Weg durch die Wirtschaft. Achte beim Schauen auf zwei Leitfragen: (1) Welche Stationen durchläuft der Tisch vom Rohstoff bis zum Kauf – und welcher Sektor ist an welcher Station am Werk? (2) Warum könnte der 2. Sektor ohne den 1. Sektor gar nicht arbeiten – und was übernimmt am Schluss der 3. Sektor?

Transkript anzeigen

Das Erklärvideo der Arbeitsgemeinschaft Wirtschaft und Schule (AWS, 5:20 Minuten) zeigt die drei Wirtschaftssektoren am Beispiel eines Tisches: Am Anfang steht der Rohstoff Holz, der im Wald geschlagen wird – das ist der 1. Sektor (Urproduktion: Land- und Forstwirtschaft, Fischerei, Bergbau). Danach wird das Holz verarbeitet: Sägerei, Möbelfabrik und Handwerksbetriebe machen daraus einen fertigen Tisch – das ist der 2. Sektor (Industrie, Gewerbe, Handwerk, Bau). Damit der Tisch schliesslich bei den Kundinnen und Kunden ankommt, braucht es den 3. Sektor: Transport, Handel, Werbung, Beratung und Verkauf sind Dienstleistungen. Das Video macht deutlich, dass die drei Sektoren aufeinander aufbauen und zusammenspielen – und dass heute die meisten Menschen im Dienstleistungssektor arbeiten.

Strukturwandel: Die Arbeit wandert

Vor rund 150 Jahren arbeiteten in unserer Region die meisten Menschen in der Landwirtschaft – also im 1. Sektor. Mit der Industrialisierung entstanden Fabriken, und viele wechselten in den 2. Sektor. Heute arbeiten die meisten Beschäftigten im 3. Sektor, bei uns wie in fast allen wohlhabenden Ländern. Diese langsame, aber gewaltige Verschiebung der Beschäftigung vom 1. über den 2. zum 3. Sektor nennt man Strukturwandel.

Warum ist das passiert? Drei Gründe greifen ineinander:

  • Maschinen und Technologie: Ein Traktor erledigt heute die Feldarbeit, für die früher ein ganzes Dorf anpacken musste. Später übernahmen Roboter und Computer auch viele Arbeitsschritte in den Fabriken. Maschinen ersetzen also menschliche Arbeitskraft – zuerst auf dem Feld, dann in der Fabrik.
  • Gestiegene Produktivität: Eine einzelne Arbeitskraft stellt heute ein Vielfaches von dem her, was früher möglich war – man sagt: Ihre Produktivität ist gestiegen. Wenige Menschen produzieren genug für alle, die übrigen Arbeitskräfte werden für andere Aufgaben frei.
  • Veränderte Nachfrage: Wer mehr verdient, gibt das zusätzliche Geld selten für noch mehr Brot aus – sondern für Reisen, Sport, Gesundheit, Beratung oder Unterhaltung. Mit steigendem Wohlstand fragen die Menschen also immer mehr Dienstleistungen nach – und genau dort entstehen die neuen Arbeitsplätze.

Schau dir den Verlauf in der folgenden Grafik an. Sie ist ein Modell: Die Zahlen sind gerundete, stilisierte Anteile – den grossen Trend zeigen sie trotzdem richtig.

Der Strukturwandel im Überblick

Balkendiagramm mit drei gestapelten Säulen, die je 100 Prozent der Beschäftigten darstellen: früher (Agrargesellschaft), später (Industriegesellschaft) und heute (Dienstleistungsgesellschaft). Jede Säule ist in drei Farben unterteilt: Grün steht für den 1. Sektor (Landwirtschaft und Rohstoffe), Blau für den 2. Sektor (Industrie, Handwerk, Bau), Orange für den 3. Sektor (Dienstleistungen). Früher: 70 Prozent im 1. Sektor, 20 Prozent im 2. Sektor, 10 Prozent im 3. Sektor. Später: 30 Prozent im 1. Sektor, 45 Prozent im 2. Sektor, 25 Prozent im 3. Sektor. Heute: 5 Prozent im 1. Sektor, 25 Prozent im 2. Sektor, 70 Prozent im 3. Sektor. Ein Pfeil unter den Säulen zeigt den Zeitverlauf von links nach rechts. Der Untertitel weist darauf hin, dass es sich um ein stilisiertes Modell mit ungefähren Werten handelt, nicht um exakte Statistik.
Der Strukturwandel als Modell: Die Beschäftigung wandert im Zeitverlauf vom 1. Sektor (grün) über den 2. Sektor (blau) in den 3. Sektor (orange). Die Werte sind stilisiert und gerundet.Eigene Darstellung, EveryCate, CC BY-SA 4.0

Liechtenstein: klein, aber Industrieland

Gilt dieses Muster überall? Ein Blick auf Liechtenstein zeigt: nicht ganz.

In den meisten wohlhabenden Ländern arbeiten heute nur noch etwa zwei von zehn Beschäftigten im 2. Sektor. In Liechtenstein sind es dagegen rund vier von zehn – für ein so kleines Land ist das aussergewöhnlich viel. Weltbekannte Industriefirmen haben hier ihren Hauptsitz: Maschinen- und Befestigungstechnik in Schaan (Hilti), Fahrzeugtechnik in Eschen (Lenksysteme von thyssenkrupp Presta), Lebensmittel in Schaan (Hilcona) oder Dentalprodukte (Ivoclar). Ihre Produkte werden in die ganze Welt exportiert.

Gleichzeitig hat Liechtenstein einen starken Dienstleistungssektor: Der Finanzplatz mit Banken und Treuhandbüros in Vaduz beschäftigt viele Menschen, dazu kommen Handel, Schulen, Gesundheitswesen und Tourismus. Der 1. Sektor ist dagegen winzig geworden: Nur noch etwa eine von hundert beschäftigten Personen arbeitet in der Landwirtschaft.

Liechtenstein zeigt damit zwei Dinge: Erstens schafft die kleine Volkswirtschaft so viele Arbeitsplätze, dass mehr als die Hälfte der Beschäftigten täglich aus der Schweiz und aus Österreich einpendelt. Zweitens: Der Strukturwandel ist kein Naturgesetz, das überall gleich abläuft. Auch Liechtensteins Landwirtschaft ist geschrumpft – aber die Industrie blieb stark, während sie in vielen anderen Ländern viel kleiner wurde. Wie sich ein Land entwickelt, hängt von seinen Betrieben, seiner Lage und seinen Entscheidungen ab.

Quiz: Sektoren und Strukturwandel

Frage 1 von 8

Zeig, was du über die drei Sektoren und den Strukturwandel weisst. Du kannst das Quiz beliebig oft wiederholen – es zählt dein bestes Ergebnis.

Was kennzeichnet den 1. Sektor?

Sektoren und Strukturwandel: Setze die Begriffe ein

Ziehe die richtigen Begriffe in die Lücken (am Handy: erst Wort antippen, dann Lücke). Achtung: Drei Wörter in der Auswahl passen nirgends.

Tippe zuerst ein Wort an und dann die Lücke, in die es gehört. Antippen einer gefüllten Lücke legt das Wort zurück.

Der 1. Sektor gewinnt direkt aus der Natur – zum Beispiel in der , in der Forstwirtschaft oder im Bergbau. Der 2. Sektor diese Rohstoffe zu fertigen Waren: in der Industrie, im und auf dem Bau. Der 3. Sektor stellt nichts her, sondern erbringt – vom Coiffeursalon über den Buslinienverkehr bis zur Bank. Die langfristige Verschiebung der Beschäftigung vom 1. über den 2. zum 3. Sektor heisst . Ein wichtiger Grund dafür sind , die menschliche Arbeitskraft ersetzen – zuerst auf dem Feld, später in der Fabrik. Weil eine einzelne Arbeitskraft heute viel mehr herstellt als früher, sagt man: Ihre ist gestiegen. Heute arbeiten bei uns die meisten Beschäftigten im Sektor.

Gründe des Strukturwandels: Tippe die Begriffe ein

Hier gibt es keine Wortauswahl mehr – tippe die fehlenden Begriffe selbst ein. Gross-/Kleinschreibung spielt keine Rolle.

Früher brauchte es zur Erntezeit viele Hände auf dem Feld – heute erledigt ein einziger die Arbeit von Dutzenden Menschen. Neue und Technologien ersetzen also menschliche Arbeitskraft. Gleichzeitig stellt jede einzelne Arbeitskraft heute viel mehr her als früher – ihre ist gestiegen, sodass wenige Beschäftigte genug für alle produzieren. Und weil die Menschen wohlhabender geworden sind, geben sie mehr Geld für aus, zum Beispiel für Reisen, Gesundheit oder Beratung. Die Beschäftigung verschiebt sich deshalb Schritt für Schritt in den Sektor.

Zuordnen: Welcher Sektor ist am Werk?

Ordne jedem Beruf oder Betrieb den richtigen Sektor zu: 1. Sektor, 2. Sektor oder 3. Sektor. Frag dich jeweils: Wird hier etwas aus der Natur gewonnen, etwas hergestellt – oder eine Leistung für andere erbracht? Ein paar Fälle sind bewusst knifflig.

Tippe zuerst ein Wort an und dann die Lücke, in die es gehört. Antippen einer gefüllten Lücke legt das Wort zurück.

Ein Landwirt melkt seine Milchkühe in Balzers: In der Backstube der Bäckerei entsteht das Brot: Eine Lehrerin unterrichtet an deiner Schule: Eine Polymechanikerin baut in einer Maschinenfabrik in Schaan Geräte zusammen: In der Café-Ecke derselben Bäckerei werden Gipfeli und Kaffee serviert: Eine Winzerin pflegt ihre Reben am Hang über Vaduz: Ein Treuhandbüro in Vaduz verwaltet Firmen und Vermögen: Ein Maurer zieht auf einer Baustelle in Triesen eine Wand hoch: Die Bergbahn bringt Wandergäste von Steg nach Malbun-Sareis: Ein Förster fällt im Wald oberhalb von Triesenberg Bäume: Eine Schreinerei fertigt Tische und Schränke aus Holz: Ein Pflegefachmann betreut Patientinnen im Spital:

Vertiefung: Sektoren in deinem Umfeld

Erkläre in eigenen Worten – so merkst du am besten, was du schon verstanden hast.

Deine Antworten werden auf diesem Gerät gespeichert und gehen mit deinem nächsten Fortschritts-Report an die Lehrperson.

  1. Zurück zur Frage vom Anfang: Notiere die Berufe von fünf Erwachsenen aus deinem Umfeld (Eltern, Verwandte, Nachbarinnen, Trainer …) und ordne jeden dem passenden Sektor zu. Zähle aus: Wie viele deiner fünf Personen arbeiten im 1., 2. und 3. Sektor? Vergleiche dein Ergebnis mit der Grafik im Modul – passt es zum Bild der heutigen Dienstleistungsgesellschaft, oder sieht dein Umfeld eher «liechtensteinisch-industriell» aus?

    Tipp anzeigen

    Frag dich bei jedem Beruf: Wird etwas aus der Natur gewonnen (1. Sektor), etwas hergestellt oder gebaut (2. Sektor) – oder eine Leistung für andere erbracht (3. Sektor)? Wenn jemand in einem Betrieb mit mehreren Tätigkeiten arbeitet, zählt die eigene Tätigkeit: Die Buchhalterin einer Möbelfabrik erbringt eine Dienstleistung.

  2. Erkläre in eigenen Worten – so, dass es auch eine andere Person (Mitschüler, Schwester, Grosi …) verstehen würde –, warum heute so viele Menschen im 3. Sektor arbeiten: mit mindestens zwei der drei Gründe aus dem Modul und einem eigenen Beispiel. ODER: Erstelle selbst eine Quizfrage im Stil dieses Moduls: ein Beruf oder Betrieb, der leicht dem falschen Sektor zugeordnet wird – mit einer richtigen Antwort und drei falschen Antworten, die auf typische Denkfehler hereinlegen.

    Tipp anzeigen

    Die drei Gründe: Maschinen ersetzen Arbeitskraft, die Produktivität ist gestiegen, und mit mehr Wohlstand fragen die Menschen mehr Dienstleistungen nach. Für die Quizfrage eignen sich Betriebe, die mehrere Tätigkeiten vereinen (Bäckerei, Restaurant mit eigener Metzgerei) oder «technisch wirkende» Dienstleistungen (Bergbahn, Autogarage).