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WPZyklus 3 (Sek I)9. Klasse (Sek I)ca. 50 Min.mittelLiLe

Der erweiterte Wirtschaftskreislauf: Staat, Banken, Ausland

Der einfache Wirtschaftskreislauf bekommt Zuwachs: Im vierten Modul des Vertiefungsfachs «Wirtschaft & Politik» erweiterst du das Modell Schritt für Schritt um Staat, Banken und Ausland. Am Beispiel Liechtensteins siehst du, wie eng ein kleines Land mit seinen Nachbarn verflochten ist – und warum der Kreislauf trotzdem ein vereinfachtes Modell bleibt.

Das lernst du hier

  • Ich kann den Wirtschaftskreislauf um den Staat erweitern: Haushalte und Unternehmen zahlen Steuern, der Staat stellt dafür öffentliche Leistungen wie Schulen, Strassen und Sicherheit bereit und tritt selbst als Arbeitgeber und Käufer auf.
  • Ich kann die Rolle der Banken als Drehscheibe beschreiben: Sie sammeln die Spareinlagen von Haushalten und Unternehmen und vergeben daraus Kredite – so verbinden sie Sparen und Investieren.
  • Ich kann das Ausland in den Kreislauf einbeziehen: Güter werden exportiert und importiert, und am Beispiel Liechtensteins erkenne ich, dass Arbeitskraft aus dem Ausland hereinfliesst und Löhne hinausfliessen.
  • Ich kann erklären, warum der Wirtschaftskreislauf ein Modell ist: Mit jedem zusätzlichen Akteur wird er realistischer, aber er bleibt eine Vereinfachung der Wirklichkeit.

LiLe: WAH.2.1 (Die Schülerinnen und Schüler können Prinzipien der Marktwirtschaft aufzeigen.), WAH.3.1 (Die Schülerinnen und Schüler können Einflüsse auf die Gestaltung des Konsumalltages erkennen.)

Erweiterung 1: Der Staat kommt zurück

In Modul 3 hast du den einfachen Wirtschaftskreislauf kennengelernt: Haushalte und Unternehmen, verbunden durch Realstrom und Geldstrom. Damit das Grundmuster gut sichtbar wird, haben wir alles andere bewusst weggelassen – das ist der Trick jedes Modells. Jetzt machen wir das Modell Schritt für Schritt realistischer: Zuerst holen wir den Staat zurück, dann kommen die Banken dazu, zum Schluss das Ausland.

Zurück in deine Ferienjob-Bäckerei: Von ihrem Gewinn überweist die Bäckerei jedes Jahr Steuern – und auch dein Haushalt zahlt Steuern, zum Beispiel auf das Einkommen. Haushalte und Unternehmen zahlen Steuern an den Staat. Dieses Geld verschwindet aber nicht: Der Staat stellt dafür öffentliche Leistungen bereit, die allen zugutekommen – die Schule, in der du sitzt, die Strasse vor der Bäckerei, Polizei und Feuerwehr.

Achtung, häufiger Denkfehler: Steuern sind keine Leistung des Staates an die Haushalte – es ist genau umgekehrt. Die Steuern fliessen als Geldstrom zum Staat; vom Staat zurück fliessen die öffentlichen Leistungen.

Der Staat spielt aber noch zwei weitere Rollen mit, die du aus Modul 2 kennst: Er ist selbst Arbeitgeber – Lehrerinnen, Polizisten oder die Leute von der Gemeindeverwaltung bekommen ihren Lohn vom Staat. Und er ist Käufer: Wenn das Land eine Strasse bauen lässt, beauftragt und bezahlt es dafür Unternehmen.

Erweiterung 2: Banken als Drehscheibe

Bisher haben alle im Kreislauf ihr Geld sofort wieder ausgegeben. In Wirklichkeit legst du einen Teil deines Ferienjob-Lohns aufs Konto – du sparst. Auch die Bäckerei legt in guten Monaten etwas zur Seite. Dieses Geld liegt bei der Bank als Einlage.

Würde das Ersparte einfach im Tresor liegen, wäre es für den Kreislauf verloren. Genau hier kommen die Banken ins Spiel: Sie sammeln die Einlagen vieler Sparerinnen und Sparer – und geben das Geld als Kredite an jene weiter, die gerade mehr brauchen, als sie haben. Will die Bäckerei einen neuen Backofen kaufen, den sie nicht auf einmal bezahlen kann, leiht ihr die Bank das Geld.

Die Bank ist also eine Drehscheibe: Auf der einen Seite fliesst das Sparen hinein, auf der anderen Seite fliessen Kredite hinaus – Sparen und Investieren werden verbunden. Dein gespartes Ferienjob-Geld steckt so vielleicht indirekt im neuen Backofen deiner Bäckerei.

Wie die Bank dabei selbst verdient und was ein Kredit genau kostet (Stichwort Zins), schaust du dir später im Modul über Banken genauer an – hier zählt nur, welche Ströme fliessen.

Erweiterung 3: Das Ausland – Liechtenstein und seine Nachbarn

Kein Land wirtschaftet nur für sich. Das Mehl für deine Bäckerei kommt vielleicht von einer Mühle in der Schweiz – ein Import: Güter fliessen aus dem Ausland herein, Geld fliesst hinaus. Umgekehrt verkaufen Liechtensteiner Unternehmen ihre Produkte in die ganze Welt – eine Maschinenfabrik liefert ihre Anlagen zum Beispiel nach Zürich: ein Export. Güter fliessen hinaus, Geld fliesst herein.

Für Liechtenstein ist das Ausland aber noch aus einem anderen Grund wichtig: die Arbeitskräfte. Die Mehrheit der Beschäftigten in Liechtenstein wohnt gar nicht im Land, sondern pendelt jeden Tag als Grenzgängerin oder Grenzgänger aus der Schweiz und aus Österreich herein – von Buchs, Sevelen oder Feldkirch zur Arbeit nach Vaduz, Schaan oder Eschen. Im Kreislauf heisst das: Ihre Arbeitskraft fliesst nach Liechtenstein herein (Realstrom), ihre Löhne fliessen ins Ausland hinaus (Geldstrom) – dort werden sie ausgegeben oder gespart.

Liechtenstein und die Schweiz bilden so einen eng verflochtenen Wirtschaftsraum: Waren, Arbeitskräfte und Geld überqueren die Grenze am Rhein täglich in beide Richtungen – bezahlt wird auf beiden Seiten mit dem Schweizer Franken.

Der erweiterte Wirtschaftskreislauf im Überblick

Kreislaufdiagramm, das den einfachen Wirtschaftskreislauf aus Modul 3 erweitert. In der Mitte unverändert der Kern: links der Kasten Haushalte, rechts der Kasten Unternehmen, dazwischen vier Pfeile – Arbeitskraft und Güter und Dienstleistungen als grüne, durchgezogene Pfeile (Realstrom), Lohn und Konsumausgaben als orange, gestrichelte Pfeile (Geldstrom). Neu kommen drei Akteure dazu: Oben der Staat mit zwei Strömen – Steuern fliessen als oranger, gestrichelter Pfeil von Haushalten und Unternehmen zum Staat hinauf, öffentliche Leistungen fliessen als grüner Pfeil zurück. Unten die Banken mit zwei orangen, gestrichelten Geldpfeilen – Sparen (Einlagen) fliesst zu den Banken hinunter, Kredite fliessen zurück in den Kreislauf. Rechts das Ausland (z. B. Schweiz und Österreich) mit zwei grünen Güterpfeilen – Exporte fliessen von den Unternehmen zum Ausland, Importe vom Ausland zu den Unternehmen. Eine Legende erklärt Realstrom (grün, durchgezogen) und Geldstrom (orange, gestrichelt). Darunter steht: Mit jedem Akteur wird das Modell realistischer – und bleibt doch eine Vereinfachung der Wirklichkeit.
Der erweiterte Wirtschaftskreislauf: Der Kern aus Modul 3 bleibt unverändert – neu kommen Staat (Steuern und öffentliche Leistungen), Banken (Sparen und Kredite) und Ausland (Exporte und Importe) dazu.Eigene Darstellung, EveryCate, CC BY-SA 4.0

Video: Der erweiterte Wirtschaftskreislauf

Das Erklärvideo (4:56) baut den Kreislauf noch einmal Schritt für Schritt aus – mit denselben Akteuren wie in diesem Modul. Achte beim Schauen auf zwei Leitfragen: (1) Woher bekommt der Staat sein Geld – und was macht er damit? (2) Über welche zwei gegenläufigen Ströme sind die Banken und das Ausland mit Haushalten und Unternehmen verbunden? Kleiner Hinweis: Im Video hörst du auch Begriffe wie Zinsen oder Subventionen – merk dir fürs Erste nur die Grundidee: Auch bei Staat, Banken und Ausland gehören immer zwei gegenläufige Ströme zusammen.

Transkript anzeigen

Das Erklärvideo des Lernkanals «Die Merkhilfe Wirtschaft» (4:56 Minuten) erweitert den einfachen Wirtschaftskreislauf um weitere Akteure: Neben Haushalten und Unternehmen treten der Staat, die Banken und das Ausland auf. Der Staat erhält Steuern von Haushalten und Unternehmen und stellt dafür öffentliche Leistungen bereit; zusätzlich zahlt er Löhne und kauft bei Unternehmen ein. Die Banken sammeln die Ersparnisse der Haushalte und Unternehmen als Einlagen und vergeben daraus Kredite, mit denen zum Beispiel Unternehmen investieren können. Das Ausland ist über Exporte und Importe mit dem Inland verbunden: Güter fliessen über die Grenze, die Zahlungen dafür in die Gegenrichtung. Das Video unterscheidet durchgehend zwischen Güterströmen und Geldströmen und zeigt, dass bei jedem Akteur zwei gegenläufige Ströme zusammengehören.

Ein Modell bleibt ein Modell

Schau dir die Grafik noch einmal an: Aus zwei Akteuren sind fünf geworden, aus vier Strömen deutlich mehr. Mit jeder Erweiterung ist das Modell realistischer geworden – der Kreislauf mit Staat, Banken und Ausland beschreibt Liechtensteins Alltag schon ziemlich gut.

Und trotzdem: Auch der erweiterte Kreislauf ist und bleibt ein Modell – eine bewusste Vereinfachung der Wirklichkeit. Vieles fehlt weiterhin: Versicherungen, Vereine, Erbschaften, Schwarzarbeit, Umwelt und Rohstoffe. Und pro neuem Akteur haben wir nur die zwei wichtigsten Ströme eingezeichnet – in Wirklichkeit gibt es viel mehr Verbindungen.

Das ist kein Mangel, sondern Absicht: Ein Modell soll nicht alles zeigen, sondern das Wichtige sichtbar machen. Würden wir jeden einzelnen Strom einzeichnen, wäre die Grafik ein unlesbares Gewirr. Die Kunst ist, genau so viel wegzulassen, dass das Muster erkennbar bleibt – und genau so viel dazuzunehmen, wie die Frage verlangt. Wer wissen will, warum die Bäckerei einen Kredit bekommt, braucht die Banken im Bild; wer nur den Tausch «Arbeit gegen Lohn» verstehen will, kommt mit dem einfachen Kreislauf aus Modul 3 aus.

Quiz: Der erweiterte Wirtschaftskreislauf

Frage 1 von 8

Zeig, was du über Staat, Banken und Ausland im Kreislauf weisst. Du kannst das Quiz beliebig oft wiederholen – es zählt dein bestes Ergebnis.

Haushalte und Unternehmen zahlen Steuern an den Staat. Was bekommen sie dafür zurück?

Drei neue Akteure: Setze die Begriffe ein

Ziehe die richtigen Begriffe in die Lücken (am Handy: erst Wort antippen, dann Lücke). Achtung: Drei Wörter in der Auswahl passen nirgends.

Tippe zuerst ein Wort an und dann die Lücke, in die es gehört. Antippen einer gefüllten Lücke legt das Wort zurück.

Im erweiterten Wirtschaftskreislauf kommen drei Akteure dazu. Haushalte und Unternehmen zahlen an den ; er stellt dafür öffentliche wie Schulen, Strassen und Sicherheit bereit. Die sammeln das Ersparte von Haushalten und Unternehmen als und vergeben daraus – so verbinden sie Sparen und Investieren. Verkauft ein Liechtensteiner Unternehmen seine Waren in die Schweiz, ist das ein ; kauft die Bäckerei Mehl von einer Schweizer Mühle, ist das ein . Aus dem pendeln ausserdem viele zur Arbeit nach Liechtenstein herein.

Modell und Grenzgänger: Tippe die Begriffe ein

Hier gibt es keine Wortauswahl mehr – tippe die fehlenden Begriffe selbst ein. Gross-/Kleinschreibung spielt keine Rolle.

Der Wirtschaftskreislauf ist ein : Er lässt bewusst vieles weg, damit das Wichtige sichtbar wird. Mit jedem zusätzlichen Akteur wird er – aber er bleibt immer eine der Wirklichkeit. Wie eng ein Land mit seinen Nachbarn verflochten sein kann, zeigt Liechtenstein: Die Mehrheit der Beschäftigten pendelt als Grenzgängerinnen und Grenzgänger aus der Schweiz und aus ein. Ihre fliesst nach Liechtenstein herein – ihre Löhne fliessen ins Ausland hinaus.

Zuordnen: Wer oder was steckt dahinter?

Ordne jedem Beispiel den passenden Begriff zu: den beteiligten Akteur, die Rolle des Staates oder die Stromart. Frag dich jeweils: Wohin fliesst hier etwas – und was fliesst? Achtung: Drei Begriffe in der Auswahl passen nirgends.

Tippe zuerst ein Wort an und dann die Lücke, in die es gehört. Antippen einer gefüllten Lücke legt das Wort zurück.

Die Bäckerei überweist die Steuer auf ihren Gewinn: Das Geld fliesst an den . Eine Grenzgängerin aus Buchs bedient in Vaduz die Kundschaft: Ihre Arbeitskraft kommt aus dem . Eine Liechtensteiner Maschinenfabrik liefert eine Anlage nach Zürich: aus FL-Sicht ein . Die Bäckerei kauft Mehl von einer Mühle in der Schweiz: aus FL-Sicht ein . Du legst deinen Ferienjob-Lohn aufs Sparkonto: Deine Einlage geht an die . Die Bäckerei bekommt von der Bank Geld für einen neuen Backofen: Sie erhält einen . Die Gemeinde lässt das Schulhaus renovieren und bezahlt dafür eine Baufirma: Hier tritt der Staat als auf. Eine Lehrerin bekommt ihren Lohn vom Land: Hier tritt der Staat als auf. Der Lohn der Grenzgängerin fliesst auf ihr Konto in Buchs: Geld fliesst ins hinaus. Das Sandwich, das du dir in der Pause kaufst, wandert über die Theke zu dir: ein Beispiel für den .

Vertiefung: Wende den erweiterten Kreislauf an

Erkläre in eigenen Worten – so merkst du am besten, was du schon verstanden hast.

Deine Antworten werden auf diesem Gerät gespeichert und gehen mit deinem nächsten Fortschritts-Report an die Lehrperson.

  1. Beschreibe den erweiterten Wirtschaftskreislauf aus dem Gedächtnis: fünf Akteure (Haushalte, Unternehmen, Staat, Banken, Ausland) und pro neuem Akteur die zwei wichtigsten Ströme. Gib zu jedem Strom an, von wem zu wem er fliesst und ob er Realstrom oder Geldstrom ist. Wenn du magst, zeichne den Kreislauf zuerst auf ein Blatt und beschreibe dann deine Zeichnung. Vergleiche erst am Schluss mit der Grafik im Modul: Stimmen die Richtungen und die Stromarten?

    Tipp anzeigen

    Beginne mit dem Kern aus Modul 3 (zwei Kästen, vier Pfeile) – der bleibt unverändert. Frag dich dann für jeden neuen Akteur: Was fliesst zu ihm hin, was fliesst von ihm weg – und ist es Geld oder etwas «Echtes»? Staat: Steuern und Leistungen. Banken: Sparen und Kredite. Ausland: Exporte und Importe.

  2. Kreislauf-Detektivin: Finde in deinem Alltag oder in deiner Familie je EIN konkretes Beispiel für einen Strom zum Staat, zu einer Bank und ins Ausland (oder aus dem Ausland). Notiere zu jedem Beispiel: Wer gibt? Wer bekommt? Fliesst Geld oder etwas «Echtes»?

    Tipp anzeigen

    Denk an ganz gewöhnliche Dinge: Wofür bezahlt deine Familie den Staat – und was nutzt ihr täglich, das der Staat bereitstellt? Hat jemand ein Sparkonto? Woher kommen Lebensmittel, Kleider oder das Handy – und pendelt jemand aus deinem Umfeld über die Grenze zur Arbeit?