Der einfache Wirtschaftskreislauf
Arbeitskraft gegen Lohn, Güter gegen Geld: Im dritten Modul des Vertiefungsfachs «Wirtschaft & Politik» setzt du Haushalte und Unternehmen zum einfachen Wirtschaftskreislauf zusammen. Du unterscheidest Realstrom und Geldstrom und entdeckst, warum jede Ausgabe des einen eine Einnahme des anderen ist.
Das lernst du hier
- Ich kann den einfachen Wirtschaftskreislauf zwischen Haushalten und Unternehmen beschreiben: Haushalte liefern Arbeitskraft und erhalten dafür Lohn; Unternehmen liefern Güter und Dienstleistungen und erhalten dafür Konsumausgaben.
- Ich kann den Realstrom (Arbeitskraft, Güter und Dienstleistungen) vom Geldstrom (Lohn und Konsumausgaben) unterscheiden und erkenne, dass die beiden Ströme gegenläufig fliessen.
- Ich kann den Kreislaufgedanken erklären: Die Ströme fliessen ständig weiter – jede Ausgabe des einen ist eine Einnahme des anderen.
LiLe: WAH.2.1 (Die Schülerinnen und Schüler können Prinzipien der Marktwirtschaft aufzeigen.), WAH.3.1 (Die Schülerinnen und Schüler können Einflüsse auf die Gestaltung des Konsumalltages erkennen.)
Zwei Akteure, vier Ströme
Aus Modul 2 kennst du die drei Wirtschaftsakteure: Haushalte, Unternehmen und Staat. Jetzt schauen wir genauer hin, wie die ersten beiden zusammenspielen. Dafür arbeiten Ökonominnen und Ökonomen mit einem Modell: Sie lassen alles weg, was für den Moment nicht wichtig ist. Der Staat bleibt darum bewusst draussen – er kommt in einem späteren Modul wieder dazu. Übrig bleiben Haushalte und Unternehmen, und zwischen ihnen fliesst ständig etwas hin und her.
Nimm wieder deinen Ferienjob in der Bäckerei: Einen Monat lang gibst du der Bäckerei deine Arbeitskraft – du räumst Gestelle ein und bedienst die Kundschaft. Ende Monat überweist dir die Bäckerei deinen Lohn. Am nächsten Tag kaufst du dir dort ein Sandwich: Die Bäckerei gibt dir eine Ware, und du bezahlst dafür an der Kasse.
Vier Dinge sind geflossen: deine Arbeitskraft, dein Lohn, das Sandwich und dein Geld. Zwei davon sind etwas «Echtes», zwei sind Geld – und sie fliessen nie in dieselbe, sondern immer in entgegengesetzte Richtungen. Genau diese vier Ströme bilden den einfachen Wirtschaftskreislauf.
Video: Der einfache Wirtschaftskreislauf
Das Erklärvideo (3:42) zeigt den einfachen Wirtschaftskreislauf als Modell. Achte beim Schauen auf zwei Leitfragen: (1) Was geben die Haushalte den Unternehmen – und was bekommen sie dafür zurück? (2) Welche zwei Ströme fliessen im Kreislauf gegenläufig? Kleiner Hinweis: Im Video hörst du, dass Haushalte den Unternehmen neben der Arbeitskraft auch «Boden und Kapital» zur Verfügung stellen – merk dir einfach: Alles, was die Haushalte den Unternehmen fürs Produzieren geben, fliesst im selben Strom wie die Arbeitskraft.
Transkript anzeigen
Das Erklärvideo des Lernkanals «Die Merkhilfe Wirtschaft» (3:42 Minuten) stellt den einfachen Wirtschaftskreislauf als Modell mit zwei Akteuren dar: Haushalte und Unternehmen. Die Haushalte stellen den Unternehmen ihre Arbeitskraft zur Verfügung (im Video ergänzt um Boden und Kapital); die Unternehmen zahlen dafür Lohn. Umgekehrt liefern die Unternehmen den Haushalten Konsumgüter und Dienstleistungen, und die Haushalte bezahlen dafür mit ihren Konsumausgaben. Das Video fasst diese Beziehungen in zwei gegenläufigen Strömen zusammen – dem Güterstrom und dem Geldstrom – und zeigt, dass sie ständig weiterfliessen.
Arbeit gegen Lohn, Güter gegen Geld
Der einfache Wirtschaftskreislauf besteht aus zwei Tauschgeschäften, die du schon aus Modul 2 kennst. Neu ist der Blick darauf: Wir zeichnen sie als Ströme, die zwischen Haushalten und Unternehmen fliessen.
Tausch 1: Arbeit gegen Lohn
- Die Haushalte liefern den Unternehmen Arbeitskraft: Menschen arbeiten in der Backstube, im Laden, im Büro.
- Die Unternehmen zahlen den Haushalten dafür Lohn: Das Geld fliesst in die Gegenrichtung – vom Unternehmen zum Haushalt.
Tausch 2: Güter gegen Geld
- Die Unternehmen liefern den Haushalten Güter und Dienstleistungen: das Brot, das Sandwich, den Haarschnitt, die Busfahrt.
- Die Haushalte bezahlen dafür: Ihre Konsumausgaben fliessen zum Unternehmen – wieder in der Gegenrichtung.
Merkst du das Muster? Jeder Tausch besteht aus zwei Strömen in entgegengesetzter Richtung: In die eine Richtung fliesst etwas «Echtes», in die andere Richtung fliesst Geld. Zusammen ergeben die vier Ströme ein geschlossenes Bild – schau es dir in der Grafik an.
Der einfache Wirtschaftskreislauf im Überblick

Realstrom und Geldstrom
Schau dir die vier Pfeile in der Grafik genau an. Zwei davon transportieren etwas «Echtes», zwei transportieren Geld:
- Realstrom (auch Güter- oder Leistungsstrom genannt): die Arbeitskraft der Haushalte sowie die Güter und Dienstleistungen der Unternehmen. Hier fliesst alles, was direkt einen Nutzen stiftet – Arbeit, Brot, ein Haarschnitt.
- Geldstrom: der Lohn der Unternehmen und die Konsumausgaben der Haushalte. Hier fliesst das Geld, mit dem die Leistungen des Realstroms bezahlt werden.
Das Wichtigste dabei: Die beiden Ströme fliessen gegenläufig. Zu jedem Pfeil des Realstroms gehört ein Geldpfeil in der Gegenrichtung. Prüfe es am Beispiel: Das Sandwich wandert von der Bäckerei zu dir (Realstrom) – dein Geld wandert von dir zur Bäckerei (Geldstrom). Deine Arbeitskraft wandert von dir zur Bäckerei (Realstrom) – der Lohn wandert von der Bäckerei zu dir (Geldstrom).
Achtung, häufiger Denkfehler: «Der Lohn gehört zum Realstrom, weil er die Belohnung für echte Arbeit ist.» Stimmt nicht: Entscheidend ist, was fliesst – nicht wofür. Der Lohn ist Geld, also gehört er zum Geldstrom. Zum Realstrom gehört die Arbeitskraft, für die er bezahlt wird. Und aufgepasst: Auch Dienstleistungen gehören zum Realstrom, obwohl man sie nicht anfassen kann – ein Haarschnitt ist eine echte Leistung, kein Geld.
Warum ein Kreislauf?
Warum zeichnet man das Ganze als Kreislauf und nicht als Liste von Tauschgeschäften? Weil die Ströme nie stillstehen – und weil dasselbe Geld immer wieder die Hand wechselt.
Verfolge dein Lohngeld einen Schritt weiter: Die Bäckerei überweist dir den Lohn – für sie ist das eine Ausgabe, für dich eine Einnahme. Du kaufst dir davon ein Sandwich – jetzt ist es umgekehrt: Für dich ist der Kauf eine Ausgabe, für die Bäckerei eine Einnahme. Mit diesen Einnahmen zahlt die Bäckerei wieder Löhne – vielleicht sogar deinen. Das Geld ist nicht verschwunden und nicht verbraucht: Es zirkuliert.
Deshalb gilt im Kreislauf der Kernsatz: Jede Ausgabe des einen ist eine Einnahme des anderen. Es gibt keinen Anfang und kein Ende – jeder Strom stösst den nächsten an. Genau das macht Haushalte und Unternehmen so eng voneinander abhängig: Kaufen die Haushalte weniger ein, nehmen die Unternehmen weniger ein – und können weniger Löhne zahlen, womit die Haushalte wieder weniger ausgeben könnten.
Zum Schluss ein ehrlicher Hinweis: Unser Kreislauf ist ein vereinfachtes Modell. Was passiert, wenn auch der Staat wieder mitspielt, schaust du dir im nächsten Modul an.
Quiz: Der einfache Wirtschaftskreislauf
Frage 1 von 8Zeig, was du über den einfachen Wirtschaftskreislauf weisst. Du kannst das Quiz beliebig oft wiederholen – es zählt dein bestes Ergebnis.
Welche zwei Akteure stehen sich im einfachen Wirtschaftskreislauf gegenüber?
Die vier Ströme: Setze die Begriffe ein
Ziehe die richtigen Begriffe in die Lücken (am Handy: erst Wort antippen, dann Lücke). Achtung: Drei Wörter in der Auswahl passen nirgends.
Tippe zuerst ein Wort an und dann die Lücke, in die es gehört. Antippen einer gefüllten Lücke legt das Wort zurück.
Im einfachen Wirtschaftskreislauf bleiben von den drei Akteuren aus Modul 2 nur zwei übrig: Die bieten Arbeitskraft an und konsumieren, die produzieren und zahlen Löhne. Für den Ferienjob liefern die Haushalte den Unternehmen ihre . Als Gegenleistung fliesst der in die andere Richtung. Beim Einkaufen liefern die Unternehmen den Haushalten und Dienstleistungen; die Haushalte bezahlen dafür mit ihren . Arbeitskraft, Güter und Dienstleistungen bilden zusammen den , Lohn und Konsumausgaben den . Die beiden Ströme fliessen : Wo etwas Reales in die eine Richtung fliesst, fliesst in die Gegenrichtung.
Der Kreislaufgedanke: Tippe die Begriffe ein
Hier gibt es keine Wortauswahl mehr – tippe die fehlenden Begriffe selbst ein. Gross-/Kleinschreibung spielt keine Rolle.
Der Kreislauf hat keinen Anfang und kein Ende. Deine Arbeit in der Bäckerei bringt dir Ende Monat den Lohn: Für die Bäckerei ist diese Zahlung eine Ausgabe, für dich ist sie eine . Kaufst du dir dort ein Sandwich, ist es umgekehrt: Deine wird zur Einnahme der Bäckerei. Mit diesen Einnahmen kann die Bäckerei wieder Mehl einkaufen und zahlen – und alles beginnt von vorn. Es gilt also: Jede Ausgabe des einen ist eine des anderen. Das Geld wird dabei nicht verbraucht – es wechselt nur die Hand und bleibt im .
Zuordnen: Realstrom oder Geldstrom?
Ordne jedem Beispiel den richtigen Strom zu: Realstrom oder Geldstrom. Frag dich jeweils: Fliesst hier Geld – oder etwas «Echtes» wie Arbeit, eine Ware oder eine Dienstleistung? Zwei Fälle sind besonders knifflig.
Tippe zuerst ein Wort an und dann die Lücke, in die es gehört. Antippen einer gefüllten Lücke legt das Wort zurück.
Du räumst im Ferienjob Gestelle ein und bedienst die Kundschaft: Die Bäckerei überweist dir Ende Monat 450 Franken Lohn: Eine Kundin bekommt zwei Gipfeli über die Theke gereicht: Die Kundin bezahlt die Gipfeli an der Kasse: Der Coiffeursalon schneidet einem Kunden die Haare: Der Kunde bezahlt den Haarschnitt mit der Karte: Ein zufriedener Gast lässt der Servicefachfrau im Café Trinkgeld da: Als Teil deines Lohns darfst du am Abend übrig gebliebene Brote gratis mitnehmen (Naturallohn): Eine Familie bekommt das bestellte Sofa nach Hause geliefert: Die Familie überweist dem Möbelhaus den Rechnungsbetrag:
Vertiefung: Wende den Kreislauf an
Erkläre in eigenen Worten – so merkst du am besten, was du schon verstanden hast.
Deine Antworten werden auf diesem Gerät gespeichert und gehen mit deinem nächsten Fortschritts-Report an die Lehrperson.
Wenn du magst, zeichne den einfachen Wirtschaftskreislauf zuerst aus dem Gedächtnis auf ein Blatt: zwei Kästen für die Akteure und vier beschriftete Pfeile, mit zwei Farben für Realstrom und Geldstrom. Beschreibe den Kreislauf anschliessend im Textfeld: Welche zwei Akteure stehen sich gegenüber, was fliesst über jeden der vier Pfeile und in welche Richtung – und welcher Pfeil gehört zum Realstrom, welcher zum Geldstrom? Vergleiche deine Beschreibung erst am Schluss mit der Grafik im Modul: Stimmen alle vier Richtungen?
Tipp anzeigen
Beginne mit den beiden Kästen «Haushalte» und «Unternehmen». Frag dich dann für jeden Pfeil: Was fliesst hier – etwas Echtes oder Geld? Und von wem zu wem? Denk daran: Zu jedem realen Pfeil gehört ein Geldpfeil in der Gegenrichtung.
Erkläre in eigenen Worten den Satz «Jede Ausgabe des einen ist eine Einnahme des anderen» – so, dass ihn auch jemand ohne Vorwissen (Mitschülerin, Bruder, Grosi …) versteht, und mit einem eigenen Beispiel, das nicht aus der Bäckerei stammt. ODER: Erstelle selbst eine Quizfrage im Stil dieses Moduls – mit einer richtigen Antwort und drei falschen Antworten, die auf typische Denkfehler hereinlegen.
Tipp anzeigen
Beim Erklären hilft es, eine konkrete Zahlung zu verfolgen: Wer gibt das Geld aus – und bei wem kommt genau derselbe Betrag als Einnahme an? Bei der Quizfrage: Gute falsche Antworten verwechseln zum Beispiel die Richtung eines Stroms oder ordnen den Lohn dem Realstrom zu.