Wirtschaftliches Handeln: Haushalte, Unternehmen, Staat
Ferienjob, Einkauf, Schulweg: Hinter jedem Alltagsmoment stecken drei Wirtschaftsakteure. Im zweiten Modul des Vertiefungsfachs «Wirtschaft & Politik» lernst du Haushalte, Unternehmen und Staat kennen, beschreibst ihre Rollen und erkennst einfache Austauschbeziehungen wie Arbeit gegen Lohn.
Das lernst du hier
- Ich kann die drei Wirtschaftsakteure – Haushalte, Unternehmen und Staat – nennen und ihre Rollen beschreiben.
- Ich kann einfache Austauschbeziehungen beschreiben: Arbeit gegen Lohn, Ware gegen Geld, Steuern gegen öffentliche Leistungen.
- Ich kann Alltagsbeispiele dem richtigen Akteur zuordnen – und erkenne Doppelrollen: Dieselbe Person kann als Angestellte zu einem Unternehmen und privat zu einem Haushalt gehören.
LiLe: WAH.2.1 (Die Schülerinnen und Schüler können Prinzipien der Marktwirtschaft aufzeigen.), WAH.3.1 (Die Schülerinnen und Schüler können Einflüsse auf die Gestaltung des Konsumalltages erkennen.)
Wer wirtschaftet hier eigentlich?
Erinnerst du dich an den Ferienjob aus Modul 1? Schauen wir genauer hin: Du stehst in den Sommerferien in der Bäckerei im Dorf, räumst Gestelle ein und bedienst Kundinnen und Kunden. Am Ende des Monats bekommst du deinen Lohn. Auf dem Heimweg kaufst du dir ein Sandwich – und läufst dabei über eine Strasse, die niemand von euch beiden gebaut hat.
In dieser kleinen Szene stecken schon alle drei Wirtschaftsakteure – so nennt man die Handelnden in der Wirtschaft:
- Haushalte – zum Beispiel du und deine Familie: Ihr konsumiert Güter und bietet Arbeitskraft an.
- Unternehmen – zum Beispiel die Bäckerei: Sie produziert Güter und Dienstleistungen und zahlt Löhne.
- Staat – Land und Gemeinden: Er setzt Regeln, erhebt Steuern und stellt öffentliche Leistungen bereit, etwa Schulen und Strassen.
In Modul 1 hast du gelernt, warum Menschen wirtschaften: Unbegrenzte Bedürfnisse treffen auf knappe Mittel. In diesem Modul geht es um die Frage, wer da eigentlich handelt – und was diese drei Akteure miteinander tauschen.
Haushalte: konsumieren und Arbeitskraft anbieten
Ein Haushalt besteht aus allen Personen, die zusammen wohnen und gemeinsam wirtschaften – die Familie mit Kindern genauso wie das Paar ohne Kinder, die Wohngemeinschaft oder die Person, die allein lebt. Jeder Mensch gehört zu einem Haushalt. Mit einem «Haus» hat das Wort übrigens nichts zu tun: Auch wer in einer Mietwohnung lebt, bildet einen Haushalt.
Haushalte haben in der Wirtschaft zwei Rollen:
- Sie konsumieren: Haushalte kaufen Güter und Dienstleistungen, um ihre Bedürfnisse zu erfüllen – das Brot beim Beck, die Winterjacke, das Streaming-Abo, den Coiffeurtermin. Konsumieren heisst: Güter kaufen und verbrauchen oder gebrauchen.
- Sie bieten Arbeitskraft an: Erwachsene (und du im Ferienjob!) stellen Unternehmen oder dem Staat ihre Zeit, ihr Können und ihre Energie zur Verfügung – ihre Arbeitskraft. Dafür erhalten sie Lohn.
Diese beiden Rollen hängen zusammen: Mit dem Lohn aus der Arbeit bezahlen Haushalte ihren Konsum. Was übrig bleibt, können sie sparen – auch das ist eine wirtschaftliche Entscheidung, wie du sie aus Modul 1 kennst: Die Mittel sind knapp, also muss der Haushalt wählen, wofür er sein Geld einsetzt.
Unternehmen: produzieren und Löhne zahlen
Unternehmen sind die Produzenten der Wirtschaft: Sie stellen Sachgüter her (die Bäckerei backt Brot, die Möbelfabrik baut Tische) oder erbringen Dienstleistungen (der Coiffeursalon schneidet Haare, das Busunternehmen fährt dich zur Schule). Unternehmen gibt es in jeder Grösse – vom Ein-Personen-Betrieb bis zum Industriebetrieb mit Tausenden von Angestellten.
Auch Unternehmen haben zwei zentrale Rollen:
- Sie produzieren Güter und Dienstleistungen und verkaufen sie – an Haushalte, an andere Unternehmen oder an den Staat. Mit dem Verkauf wollen sie mehr einnehmen, als die Produktion kostet: Sie wollen Gewinn erzielen. Der Gewinn ist für Unternehmen das, was für dich der Lohn ist – ohne ihn könnten sie nicht überleben.
- Sie zahlen Löhne: Um produzieren zu können, brauchen Unternehmen die Arbeitskraft der Haushalte. Die Bäckerei braucht Bäckerinnen und Verkäufer, die Möbelfabrik Schreinerinnen und Lastwagenfahrer. Für diese Arbeit zahlen die Unternehmen Lohn.
Unternehmen und Haushalte sind also aufeinander angewiesen: Ohne Arbeitskräfte kein Brot im Regal – und ohne Lohn kein Geld, um das Brot zu kaufen.
Der Staat: Regeln, Steuern, öffentliche Leistungen
Der dritte Akteur ist der Staat – bei uns sind das das Land und die Gemeinden mit allem, was dazugehört: Regierung, Landtag, Verwaltung, Schulen, Polizei. Der Staat spielt in der Wirtschaft eine besondere Rolle, denn anders als Unternehmen will er keinen Gewinn erzielen. Seine Aufgaben:
- Er setzt Regeln: Gesetze legen fest, was in der Wirtschaft erlaubt ist – zum Beispiel, wie viele Stunden Jugendliche im Ferienjob arbeiten dürfen, dass Lebensmittel kontrolliert werden oder dass Werbung nicht lügen darf. Ohne solche Regeln wäre Tauschen und Handeln unsicher.
- Er erhebt Steuern: Haushalte und Unternehmen geben einen Teil ihres Einkommens bzw. Gewinns an den Staat ab. Steuern sind keine Strafe und keine freiwillige Spende – sie sind der Beitrag aller an die gemeinsamen Aufgaben.
- Er stellt öffentliche Leistungen bereit: Mit den Steuereinnahmen finanziert der Staat, was allen dient und was kaum jemand allein bezahlen könnte – Schulen, Strassen, Polizei, Spitäler, Busverbindungen. Erinnerst du dich an die kollektiven Bedürfnisse aus Modul 1? Genau darum kümmert sich der Staat.
Achtung, häufiger Denkfehler: «Der Staat ist doch auch ein Unternehmen – er zahlt ja den Lehrpersonen Lohn.» Stimmt nicht: Löhne zahlen macht noch kein Unternehmen aus. Entscheidend ist das Ziel: Unternehmen produzieren, um Gewinn zu erzielen. Der Staat stellt seine Leistungen bereit, damit das Zusammenleben funktioniert – deine Schule soll keinen Gewinn abwerfen, sondern dir Bildung ermöglichen. Und gratis ist sie trotzdem nicht: Bezahlt wird sie von allen gemeinsam – über die Steuern.
Die drei Wirtschaftsakteure im Überblick

Tauschen: Was gibst du – was bekommst du?
Die drei Akteure leben nicht nebeneinanderher – sie tauschen ständig miteinander. Drei einfache Austauschbeziehungen begegnen dir immer wieder:
- Arbeit gegen Lohn: Ein Haushalt gibt einem Unternehmen Arbeitskraft – das Unternehmen zahlt dafür Lohn. Genau das passiert in deinem Ferienjob: Du gibst Zeit und Einsatz, die Bäckerei gibt dir am Monatsende Geld.
- Ware gegen Geld: Ein Haushalt gibt einem Unternehmen Geld – das Unternehmen gibt dafür ein Gut oder eine Dienstleistung. Sandwich gegen Franken, Haarschnitt gegen Franken.
- Steuern gegen öffentliche Leistungen: Haushalte und Unternehmen zahlen Steuern an den Staat – der Staat stellt dafür Leistungen bereit, die allen offenstehen: die Schule, die geteerte Strasse, den Polizeieinsatz. Dieser Tausch funktioniert nicht Stück für Stück wie an der Ladenkasse – niemand bekommt für 100 Franken Steuern genau 100 Franken Strasse. Aber als Gesamtpaket gilt: Alle zahlen ein, alle können die Leistungen nutzen.
Eine Person, mehrere Rollen: Die Akteure sind Rollen, keine festen Gruppen von Menschen. Die Verkäuferin in der Bäckerei gehört während der Arbeit zum Unternehmen – kauft sie nach Feierabend selbst ein, handelt sie als Konsumentin für ihren Haushalt. Der Lehrer arbeitet für den Staat – privat ist er Teil eines Haushalts und zahlt selbst Steuern. Frage dich bei jedem Beispiel: In welcher Rolle handelt diese Person gerade?
Übrigens: Wenn du alle diese Tauschbeziehungen zusammenhängst, entsteht ein Netz, in dem Geld und Güter zirkulieren. Wie dieses Netz als Ganzes funktioniert – der sogenannte Wirtschaftskreislauf –, schaust du dir im nächsten Modul genauer an.
Quiz: Die drei Wirtschaftsakteure
Frage 1 von 8Zeig, was du über Haushalte, Unternehmen und Staat weisst. Du kannst das Quiz beliebig oft wiederholen – es zählt dein bestes Ergebnis.
Welche drei Wirtschaftsakteure hast du in diesem Modul kennengelernt?
Akteure und Rollen: Setze die Begriffe ein
Ziehe die richtigen Begriffe in die Lücken (am Handy: erst Wort antippen, dann Lücke). Achtung: Drei Wörter in der Auswahl passen nirgends.
Tippe zuerst ein Wort an und dann die Lücke, in die es gehört. Antippen einer gefüllten Lücke legt das Wort zurück.
In der Wirtschaft handeln drei Akteure. Die konsumieren Güter und Dienstleistungen – dazu gehören alle Menschen, ob sie allein wohnen oder als Familie. Ausserdem bieten sie den Unternehmen ihre an. Die produzieren Güter und Dienstleistungen und zahlen dafür . Ihr Ziel ist es, einen zu erzielen. Der handelt aus einem anderen Grund: Er setzt für das Wirtschaften, erhebt von Haushalten und Unternehmen und stellt damit öffentliche bereit – zum Beispiel Schulen, Polizei und .
Austauschbeziehungen: Tippe die Begriffe ein
Hier gibt es keine Wortauswahl mehr – tippe die fehlenden Begriffe selbst ein. Gross-/Kleinschreibung spielt keine Rolle.
Wirtschaften heisst tauschen. Wer in einem Unternehmen arbeitet, gibt seine Arbeitskraft und erhält dafür einen . Wer in der Bäckerei ein Brot kauft, gibt und erhält dafür eine Ware. Haushalte und Unternehmen zahlen ausserdem an den Staat. Im Gegenzug stellt der Staat öffentliche bereit, etwa Schulen und Strassen. Dieser Tausch funktioniert nicht Stück für Stück wie an der Ladenkasse, sondern als Gesamtpaket: Alle zahlen ein, alle können die Angebote .
Zuordnen: Wer handelt hier – Haushalt, Unternehmen oder Staat?
Ordne jedem Beispiel den Akteur zu, der hier handelt: Haushalt, Unternehmen oder Staat. Jeder Akteur kommt mehrmals vor – und aufgepasst: Dieselbe Person kann je nach Situation in verschiedenen Rollen auftreten. Ein Begriff in der Auswahl passt nirgends.
Tippe zuerst ein Wort an und dann die Lücke, in die es gehört. Antippen einer gefüllten Lücke legt das Wort zurück.
Familie Öhri kocht am Abend Znacht und schaut danach gemeinsam einen Film: Die Bäckerei in Triesen backt Brot und verkauft es im Laden: Der Landtag beschliesst ein neues Gesetz zum Jugendschutz: Herr Matt steht am Vormittag als Bäcker in der Backstube und backt Zopf: Am Abend kauft Herr Matt für seine Familie im Supermarkt ein: Die Gemeinde lässt die Strasse vor dem Schulhaus neu teeren: Eine Schülerin verdient im Ferienjob ihren ersten Lohn: Ein Möbelhaus zahlt seinen Angestellten den Monatslohn: Frau Banzer unterrichtet an der öffentlichen Schule – ihren Lohn zahlt das Land aus Steuergeldern: Nach der Schule bezahlt Frau Banzer an der Kasse ihre Einkäufe:
Vertiefung: Wende die Begriffe an
Erkläre in eigenen Worten – so merkst du am besten, was du schon verstanden hast.
Deine Antworten werden auf diesem Gerät gespeichert und gehen mit deinem nächsten Fortschritts-Report an die Lehrperson.
Geh im Kopf deinen gestrigen Tag durch. Notiere drei Situationen, in denen du (oder dein Haushalt) mit einem anderen Wirtschaftsakteur zu tun hattest – mindestens einmal mit einem Unternehmen und einmal mit dem Staat. Schreibe zu jeder Situation auf: Wer handelt? Was wird gegeben, was wird empfangen?
Tipp anzeigen
Denk an Kaufen (Ware gegen Geld), an Arbeit (Arbeitskraft gegen Lohn – vielleicht bei deinen Eltern oder in deinem Ferienjob) und an alles, was der Staat bereitstellt: Schulweg, Unterricht, Busfahrt auf öffentlichen Strassen.
Stell dir vor, du erklärst einer anderen Person (Mitschüler, Schwester, Grosi …) in eigenen Worten, wieso dieselbe Person gleichzeitig zu einem Haushalt UND zu einem Unternehmen gehören kann. Schreibe deine Erklärung hier auf – am besten mit einem Beispiel aus eurem Dorf. ODER: Erstelle selbst eine Quizfrage im Stil des Quiz aus diesem Modul – mit einer richtigen Antwort und drei falschen Antworten, die auf typische Denkfehler hereinlegen.
Tipp anzeigen
Beim Erklären hilft das Wort «Rolle»: Frag dich, was die Person gerade tut – arbeitet sie für einen Betrieb, oder kauft sie privat ein? Bei der Quizfrage: Gute falsche Antworten klingen vernünftig, verwechseln aber zwei Dinge (z. B. «zahlt Löhne» mit «ist ein Unternehmen»).