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WPZyklus 3 (Sek I)9. Klasse (Sek I)ca. 45 Min.leichtLiLe

Was ist Wirtschaft? Bedürfnisse, Güter, Knappheit

Warum kannst du nicht alles haben, was du dir wünschst? Im ersten Modul des Vertiefungsfachs «Wirtschaft & Politik» lernst du, warum Menschen wirtschaften: Du unterscheidest Bedürfnis- und Güterarten und lernst das ökonomische Prinzip kennen.

Das lernst du hier

  • Ich kann erklären, warum Menschen wirtschaften: Unbegrenzte Bedürfnisse treffen auf knappe Mittel.
  • Ich kann Bedürfnisarten unterscheiden: Existenz-, Kultur- und Luxusbedürfnisse sowie individuelle und kollektive Bedürfnisse.
  • Ich kann Güterarten unterscheiden: freie und knappe Güter sowie Sachgüter und Dienstleistungen.
  • Ich kann das ökonomische Prinzip in einfachen Worten wiedergeben: mit gegebenen Mitteln möglichst viel erreichen oder ein Ziel mit möglichst wenig Mitteln erreichen.

LiLe: WAH.2.1 (Die Schülerinnen und Schüler können Prinzipien der Marktwirtschaft aufzeigen.), WAH.3.1 (Die Schülerinnen und Schüler können Einflüsse auf die Gestaltung des Konsumalltages erkennen.), WAH.3.3 (Die Schülerinnen und Schüler können kriterien- und situationsorientierte Konsumentscheidungen finden.)

Warum kannst du nicht alles haben?

Stell dir vor: Du hast in den Sommerferien gejobbt und 300 Franken verdient. Auf deiner Wunschliste stehen ein neues Handy, Konzerttickets und ein Wochenende mit deinen Kolleginnen und Kollegen – und eigentlich wolltest du auch noch sparen. Alles zusammen liegt nicht drin. Du musst wählen.

Genau hier beginnt die Wirtschaft. Deine Bedürfnisse – also deine Wünsche – sind praktisch unbegrenzt: Kaum ist ein Wunsch erfüllt, kommt schon der nächste. Deine Mittel dagegen sind knapp: Geld, Zeit und Energie reichen nie für alles. Diese Spannung zwischen unbegrenzten Wünschen und begrenzten Mitteln nennt man Knappheit.

Knappheit betrifft nicht nur dich: Eine Familie überlegt, ob das Geld für die Ferien reicht. Eine Firma entscheidet, wofür sie ihre Maschinen einsetzt. Und der Staat muss wählen, ob er mit den Steuereinnahmen zuerst Schulhäuser saniert oder Strassen baut.

Wirtschaften heisst darum: überlegt entscheiden, wie wir unsere knappen Mittel einsetzen, damit möglichst viele Bedürfnisse erfüllt werden. Jeder Mensch wirtschaftet – jeden Tag, meist ohne es zu merken. In diesem Modul lernst du die wichtigsten Grundbegriffe dazu kennen: Bedürfnisse, Güter, Knappheit und das ökonomische Prinzip.

Bedürfnisse: Vom Überleben bis zum Luxus

Ein Bedürfnis ist das Gefühl, dass dir etwas fehlt – verbunden mit dem Wunsch, diesen Mangel zu beheben. Hunger, Langeweile, der Wunsch nach dem neuen Game: alles Bedürfnisse. Aber nicht alle sind gleich dringend. Man unterscheidet drei Stufen:

  • Existenzbedürfnisse musst du erfüllen, um zu überleben: essen, trinken, schlafen, Kleidung und ein Dach über dem Kopf.
  • Grund- oder Kulturbedürfnisse machen das Leben angenehm und gehören in unserer Gesellschaft zum normalen Alltag: ein Handy, das Streaming-Abo, Sport im Verein, Kino oder Musik.
  • Luxusbedürfnisse gehen weit über das hinaus, was üblich ist: die Designeruhr, der Sportwagen, die Weltreise in der ersten Klasse.

Achtung, häufiger Denkfehler: Luxus heisst nicht einfach «teuer». Was Luxus ist, hängt von der Situation und von der Gesellschaft ab. Vor 150 Jahren war eine warme Dusche purer Luxus – heute gehört sie bei uns zum normalen Alltag. Ein eigenes Auto ist in Liechtenstein und der Schweiz für viele selbstverständlich, in ärmeren Ländern dagegen Luxus.

Ausserdem unterscheidet man, wer ein Bedürfnis hat:

  • Individuelle Bedürfnisse betreffen dich allein: dein Znüni, deine Playlist, dein neues Velo.
  • Kollektive Bedürfnisse haben viele Menschen gemeinsam, und niemand kann sie allein erfüllen: sichere Strassen, Schulen, ein Spital in der Nähe, saubere Luft. Darum kümmern sich meist Staat und Gemeinden.

Die Bedürfnispyramide: Die drei Stufen kannst du dir als Pyramide vorstellen (siehe Grafik): Die Existenzbedürfnisse bilden das breite Fundament, darüber liegen die Grund- oder Kulturbedürfnisse, und an der schmalen Spitze sitzen die Luxusbedürfnisse. Die Regel dahinter: Je weiter oben ein Bedürfnis steht, desto eher kannst du darauf verzichten – ohne das Fundament dagegen geht gar nichts. Und weil die Einordnung von Situation und Gesellschaft abhängt, können Bedürfnisse mit der Zeit die Stufe wechseln. Denkanstoss: Ist ein Smartphone bei uns heute ein Kultur- oder ein Luxusbedürfnis? Vor 20 Jahren war die Antwort eindeutig – und heute?

Zum Vertiefen: Das bekannteste Stufenmodell stammt aus der Psychologie: die Maslow-Pyramide (nach Abraham Maslow). Sie reicht von den körperlichen Grundbedürfnissen über Sicherheit und soziale Bedürfnisse bis hinauf zur Selbstverwirklichung. Merke dir dabei: Solche Pyramiden sind vereinfachende Modelle, keine Naturgesetze. Im echten Leben erfüllen Menschen ihre Bedürfnisse nicht immer schön der Reihe nach von unten nach oben – jemand verzichtet vielleicht aufs Zmittag, um sich Konzerttickets zu leisten.

Die Bedürfnispyramide

Dreistufige Bedürfnispyramide: Das breite Fundament bilden die Existenzbedürfnisse mit den Beispielen essen und trinken, schlafen, ein Dach über dem Kopf. In der Mitte liegen die Grund- oder Kulturbedürfnisse mit den Beispielen Handy, Streaming-Abo und Sport im Verein. Die schmale Spitze bilden die Luxusbedürfnisse mit den Beispielen Designeruhr und Sportwagen. Ein Pfeil neben der Pyramide zeigt nach oben, beschriftet mit: je weiter oben, desto eher verzichtbar. Eine Fusszeile ergänzt: Was in welche Stufe gehört, hängt von Situation und Gesellschaft ab – die Grenzen können sich verschieben.
Die Bedürfnispyramide: unten das Lebensnotwendige, oben das Verzichtbare. Wo ein Bedürfnis hingehört, hängt von Situation und Gesellschaft ab.Eigene Darstellung, EveryCate, CC BY-SA 4.0

Güter: Womit wir Bedürfnisse erfüllen

Alles, was Bedürfnisse befriedigen kann, nennt die Wirtschaft ein Gut. Auch hier gibt es wichtige Unterschiede.

Freie Güter sind (fast) unbegrenzt vorhanden – niemand muss dafür bezahlen: die Luft zum Atmen, Sonnenlicht oder Wind. Weil sie nicht knapp sind, muss niemand über ihren Einsatz entscheiden – die Wirtschaft kümmert sich nicht um sie.

Knappe Güter – man sagt auch Wirtschaftsgüter – sind dagegen im Verhältnis zum Bedarf nur begrenzt vorhanden und haben deshalb ihren Preis: dein Handy, die Pizza, der Haarschnitt.

Ob ein Gut frei oder knapp ist, hängt von der Situation ab: An einem Bergbach bei uns ist Wasser (fast) ein freies Gut – du kannst einfach trinken, niemand verlangt etwas dafür. In der Wüste ist dasselbe Trinkwasser überlebenswichtig und extrem knapp – wer dort Wasser verkauft, kann fast jeden Preis verlangen. Gleiche Sache, anderer Ort: Aus dem (fast) freien Gut wird ein knappes Gut.

Knappe Güter teilt man nochmals in zwei Gruppen:

  • Sachgüter kannst du anfassen: Handy, Velo, Turnschuhe, Pizza.
  • Dienstleistungen sind Tätigkeiten, die jemand für dich erledigt: der Haarschnitt beim Coiffeur, die Busfahrt zur Schule, die Nachhilfestunde – oder dein Streaming-Abo. Dort kaufst du kein Ding, sondern den Dienst, Filme und Serien ansehen zu dürfen.

Das ökonomische Prinzip: Klug mit Knappheit umgehen

Weil unsere Mittel knapp sind, versuchen Menschen, sie möglichst vernünftig einzusetzen. Diese Grundregel heisst das ökonomische Prinzip. Es hat zwei Varianten – je nachdem, was feststeht:

  • Maximalprinzip: Die Mittel stehen fest, und du willst damit möglichst viel erreichen. Beispiel: Du hast 10 Franken Znüni-Geld für die ganze Woche und willst damit so gut wie möglich durchkommen. Oder: Du hast heute eine Stunde Lernzeit und willst möglichst viel vom Stoff verstehen.
  • Minimalprinzip: Das Ziel steht fest, und du willst es mit möglichst wenig Mitteln erreichen. Beispiel: Du willst unbedingt das Konzertticket – und suchst dafür den günstigsten Vorverkauf. Oder: Du willst genau die 30 Wörter für den Französischtest können – mit möglichst wenig Lernaufwand.

Wichtig: Es gilt immer entweder – oder. «Mit möglichst wenig Mitteln möglichst viel erreichen» tönt zwar schlau, funktioniert aber nicht: Eine Seite – Mittel oder Ziel – muss feststehen, sonst kannst du gar nicht entscheiden.

Das ökonomische Prinzip begegnet dir überall: beim Einkaufen, beim Lernen, beim Gamen (mit einem einzigen Leben möglichst weit kommen) – und später im Beruf. Wer es kennt, trifft bewusstere Entscheidungen mit Geld und Zeit.

Video: Was heisst Wirtschaften?

Das kurze Erklärvideo (3:24) fasst die wichtigsten Begriffe des Moduls noch einmal zusammen – und ergänzt, was **Geld** mit dem Tauschen von Gütern zu tun hat. Achte beim Schauen darauf: (1) Wie verknüpft das Video die Begriffe Bedürfnisse, Güter und Geld – wie kommt es vom Wunsch bis zum Kauf? (2) Das ökonomische Prinzip kennst du schon aus dem Lerntext: Versuche, Maximal- und Minimalprinzip zu erkennen, bevor das Video sie erklärt.

Transkript anzeigen

Das Erklärvideo des Lernkanals «Die Merkhilfe Wirtschaft» (3:24 Minuten) beantwortet der Reihe nach vier Fragen: Was heisst Wirtschaften? Was sind Bedürfnisse? Was sind Güter? Und was ist Geld? Ausgangspunkt ist die Knappheit: Bedürfnisse sind praktisch unbegrenzt, die Mittel aber begrenzt – darum müssen Menschen wirtschaften, also überlegt mit knappen Gütern umgehen. Güter sind die Mittel, die Bedürfnisse befriedigen; Geld erleichtert das Tauschen dieser Güter und dient als Zahlungsmittel. Zum Schluss erklärt das Video das ökonomische Prinzip mit seinen zwei Varianten: dem Maximalprinzip (mit gegebenen Mitteln möglichst viel erreichen) und dem Minimalprinzip (ein festes Ziel mit möglichst wenig Mitteln erreichen).

Quiz: Bedürfnisse, Güter und das ökonomische Prinzip

Frage 1 von 9

Zeig zuerst, was du aus dem Lerntext mitgenommen hast. Du kannst das Quiz beliebig oft wiederholen – es zählt dein bestes Ergebnis.

Warum müssen Menschen überhaupt wirtschaften?

Bedürfnisse und Güter: Setze die Begriffe ein

Ziehe die richtigen Begriffe in die Lücken (am Handy: erst Wort antippen, dann Lücke). Achtung: Drei Wörter in der Auswahl passen nirgends.

Tippe zuerst ein Wort an und dann die Lücke, in die es gehört. Antippen einer gefüllten Lücke legt das Wort zurück.

Alle Menschen haben Wünsche – die Wirtschaft nennt sie . Essen, Trinken, Schlaf und ein Dach über dem Kopf sind : Ohne sie können wir nicht überleben. Wünsche, die in unserer Gesellschaft zum normalen Alltag gehören – etwa ein Handy oder ein Kinobesuch –, heissen Grund- oder . Was weit darüber hinausgeht, zum Beispiel eine Designeruhr, ist ein . Betrifft ein Bedürfnis nur dich allein, ist es ein Bedürfnis. Brauchen viele Menschen etwas gemeinsam – wie Schulen oder sichere Strassen –, spricht man von einem Bedürfnis. Erfüllt werden Bedürfnisse durch Güter. Güter wie Luft und Sonnenlicht sind unbegrenzt vorhanden und kosten nichts: Man nennt sie Güter. Die meisten Güter sind aber begrenzt und haben einen Preis: Sie heissen Güter oder Wirtschaftsgüter. Dinge zum Anfassen wie ein Velo sind , Tätigkeiten wie ein Haarschnitt sind .

Knappheit und das ökonomische Prinzip: Tippe die Begriffe ein

Hier gibt es keine Wortauswahl mehr – tippe die fehlenden Begriffe selbst ein. Gross-/Kleinschreibung spielt keine Rolle.

Unsere Bedürfnisse sind praktisch unbegrenzt, unsere Mittel wie Geld und Zeit sind . Deshalb müssen wir ständig auswählen und einteilen – genau das nennt man . Wer mit fest vorgegebenen Mitteln möglichst erreichen will, handelt nach dem Maximalprinzip. Wer ein festes Ziel mit möglichst Mitteln erreichen will, handelt nach dem Minimalprinzip. Beide Varianten zusammen nennt man das Prinzip.

Zuordnen: Alltagsbeispiele und ihre Kategorien

Ordne jedem Beispiel die passende Kategorie zu – bei den Bedürfnissen: Existenz-, Kultur- oder Luxusbedürfnis, bei den Gütern: freies Gut, Sachgut oder Dienstleistung. Kategorien können mehrmals vorkommen. Ein Begriff in der Auswahl passt nirgends.

Tippe zuerst ein Wort an und dann die Lücke, in die es gehört. Antippen einer gefüllten Lücke legt das Wort zurück.

Welche Bedürfnisart ist das? Genug zu essen und zu trinken haben: Am Wochenende ein Kinobesuch mit Freundinnen und Freunden: Eine Designer-Sonnenbrille für 900 Franken: Im Winter eine warme Wohnung haben: Musik hören und ein Instrument spielen: Welche Güterart ist das? Die Luft zum Atmen: Dein Velo: Der Haarschnitt beim Coiffeur: Das Sonnenlicht im Sommer: Die Busfahrt zur Schule:

Vertiefung: Wende die Begriffe an

Erkläre in eigenen Worten – so merkst du am besten, was du schon verstanden hast.

Deine Antworten werden auf diesem Gerät gespeichert und gehen mit deinem nächsten Fortschritts-Report an die Lehrperson.

  1. Suche in deinem eigenen Alltag je ein neues Beispiel (keines aus diesem Modul!) für: ein Existenzbedürfnis, ein Kulturbedürfnis, ein Luxusbedürfnis, ein Sachgut, eine Dienstleistung und ein freies Gut. Notiere die sechs Beispiele.

    Tipp anzeigen

    Geh im Kopf einen normalen Tag durch: aufstehen, Zmorge, Schulweg, Freizeit, Abend. Wo begegnen dir Dinge, Tätigkeiten anderer Menschen – und was nutzt du, ohne dafür zu bezahlen?

  2. Erkläre in eigenen Worten – so, dass es auch eine fachfremde Person (Mitschüler, Schwester, Grosi …) verstehen würde –, warum auch Millionärinnen und Millionäre wirtschaften müssen. ODER: Erstelle selbst eine Quizfrage im Stil des Quiz aus diesem Modul – mit einer richtigen Antwort und drei falschen Antworten, die auf typische Denkfehler hereinlegen.

    Tipp anzeigen

    Beim Erklären hilft der Begriff «knappe Mittel»: Geld ist nur eines davon – woran mangelt es auch reichen Menschen? Bei der Quizfrage: Gute falsche Antworten klingen vernünftig, verwechseln aber zwei Begriffe (z. B. «teuer» und «knapp»).